Beschreibung
1963 wurde Franco Zeffirellis La Bohème-Inszenierung erstmals an der Scala aufgeführt -- und war ein ungeheurer Erfolg, der für zwei Jahrzehnte auf dem Spielplan blieb. Zeffirelli nähert sich der vielleicht typischsten Verismo-Oper mit einer naturalistischen Inszenierung. Und dieser Realismus, in anderen Fällen oft problematisch, glückt hier ausgezeichnet. Insbesondere die Szenen des zweiten Akts im Café Momus mit ihren Anklängen an Toulouse-Lautrec oder die poetische Schneelandschaft des dritten Akts sind hervorragend gelungen. Und durch die aufgelockerte Bildregie wird diese Bohème passagenweise mehr ein Opernfilm als die Dokumentation einer Bühnenaufführung. (Wer allerdings eine aufregende szenische Neu-Interpretation sehen will, sollte lieber auf Baz Luhrmanns Inszenierung der Bohème als romantisches Pop-Märchen zurückgreifen.) Musikalisch wird man freilich kaum eine bessere als diese Bohème finden können, die auch mit geschlossenen Augen ein reines Vergnügen ist. Herausragend ist Mirella Freni, die ideale Mimi: Für diese Rolle scheinen die innige Wärme und mädchenhafte Unschuld ihrer Stimme geschaffen zu sein, und tief bewegend sind ihre subtilen Nuancen in der Todesszene. Neben ihr können Gianni Raimondi, der in der Rolle des Rodolfo durchaus neben den Top-Stars der Branche bestehen kann, und der hervorragende Bariton Rolando Panerai als Marcello glänzen, aber auch die anderen Rollen sind sehr gut besetzt. Und Puccinis Partitur ist geradezu maßgeschneidert für den Dirigenten. Herbert von Karajan schwelgt in den luxuriösen Klangfarben der Musik und kostet die effektiven Höhepunkte aus, bewahrt aber gleichzeitig ein wunderbar transparentes Klangbild und widmet sich den Details mit großer Sorgfalt: wahrhaft exemplarische Dirigierkunst. --Thomas Klarmeyer
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