Kundenmeinungen
grandios, 4. April 2006
Mit der vorigen Kritik ist fast schon alles gesagt - vielleciht mit kleinen Einschränkungen: Renata Tebaldi hatte auch 1953 schon leichte Höhenprobleme, Borkhs und del Monacos Timbres muss man mögen; aber was für eine Ensemblekunst, welche Italianità: Schon 1965, als Molinari-Pradellis Aufnahme mit Nilsson und Corelli (und demselben Chor und Orchester, Opera di Roma)entstand, war das nicht mehr selbstverständlich. Erede ist zwar manchmal etwas langsam, besitzt aber in entscheidenden Momenten die heute ausgestorbene Fähigkeit, Tempi fließen zu lassen, ohne je zu hetzen.
Ping,Pang und Pong, unter ihnen der große Fernando Corena, erinnern daran, wie große Oper vor dem 2. Weltkrieg gemacht wurde: mit größtem Können, aber auch Selbstverständlichkeit und leggierezza. Wer bei dem Ensemble vom blauen See in Honan keine Tränen in den Augen hat, kann kein Herz besitzen: Es ist nie wieder so schön aufgenommen worden.
Referenzaufnahme, 9. März 2006
Die vorliegende Aufnahme bietet eine ideale und glanzvolle Besetzung aller Partien und ist bisher unerreicht geblieben. Eine spätere Aufnahme mit Birgit Nilsson und Franco Corelli erregte ebenfalls besonderes Aufsehen, erscheint jedoch weniger ausgewogen. Sie charakterisiert sich vor allem dadurch, dass beide Protagonisten buchstäblich um die Wette krakeelen. Zuletzt fand die Aufnahme mit Sutherland und Pavarotti umjubelte Beachtung. Joan Sutherland lässt mit ihrer cremig süßen, eher auf Schönheit als auf Dramatik bedachten Stimmführung den giftsprühenden Charakter der Titelfigur vermissen, und ihr Partner Pavarotti tritt, allen Unkenrufen zum Trotz, mit einer eher plärrenden Stimme in Erscheinung.
Die Stimme von Inge Borkh zeichnet sich durch voluminöse Strahlkraft in der Höhe aus. Dies kommt der Titelpartie, die überwiegend ein dramatisches Singen an der obersten Grenze der Leistungsfähigkeit verlangt, mehr als nur entgegen. Sie verkörpert die Rolle der Turandot wie keine andere; sie wird bestenfalls von Birgit Nilsson erreicht, keineswegs aber übertroffen (auch von der Callas nicht). Mario del Monaco legt als Prinz Calaf ein wahres Bravourstück hin. Seine Stimme erstrahlt in jugendlicher Frische. Er singt mit bestechend klarer Diktion und trompetenartigem Glanz. Seine stimmliche Omnipotenz ist schier überwältigend. Er beweist zudem, dass er in der Lage ist, „schön“ zu singen. Selbst die Nebenrolle der Liu ist mit einem Weltstar besetzt: Renata Tebaldi setzt ebenfalls, auch in der stimmlich-psychologischen Durchdringung ihrer Rolle als Liu sowohl bezüglich der lyrischen als auch der dramatischen Momente ihrer Partie, die allergrößten Maßstäbe. . Ferner sind auch die übrigen Rollen, allen voran mit Fernando Corena, hervorragend besetzt. Die Aufnahme ist auch klangtechnisch überaus zu loben. Man erlebt große Oper, auch wenn nach vorn verlagerte aufdringliche bzw. aufgesetzt wirkende Klangbilder, die wie aus dem Nichts zu kommen scheinen und für moderne Aufnahmeverfahren charakteristisch sind, fehlen. Dass die Aufnahme buchstäblich verhökert wird, soll den Verbraucher allerdings weniger stören.
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