Kundenmeinungen
Neu und aussergewöhnlich heisst nicht schlecht, 7. März 2008
Wenn es um Messen und andere Sakralweke von Dufay, De la Rue und Perotin geht- Werke, die zum Teil vor mehr als 500 Jahren geschrieben wurden, erwartet man für gewöhnlich kein Saxophon, das dann ja doch ziemlich modern ist. Klar, weder Dufay noch die anderen Herrschaften kannten so etwas wie ein Saxophon- sie haetten niemals daran gedacht, dass es mal etwas geben wird, das Saxophon heissen wird- aber: Heisst das denn, dass man Perotin nicht auf dem Saxophon spielen darf? Es gibt so einige Herrschaften, die der festen Überzeugung sind, dass man Werke die vor 500 Jahren geschrieben wurden, so zu singen hat, wie sie damals gesungen wurden. Nichts darf neu ausprobiert werden- Neues wird als 'Schande' bezeichnet. Nun, diese Aufnahme will weder Referenzaufnahme, noch historisch 'richtig' sein. Das einzige, was sie will und was sie auch kann (zumindest bei mir und bei allen meinen Freunden, denen ich diese CD vorgespielt habe) ist: eine Atmosphaere zu komponieren, die man bisher so nicht erlebt hat. Dem zu Tode traurigen und unendlich harmonischen Klang des Hilliard Ensembles gesellt sich naemlich die leise saeuselnde Stimme des Saxophons von Jan Garbarek. Und da Perotin und all die anderen Genies, die diese Musik mit unglaublicher Dichte geschaffen haben gewiss nirgends vemerkt haben, dass ihre Musik nur historisch korrekt zu singen sei, erlaube ich es mir, zu behaupten, dass die Musik auf dieser CD ihren Zweck ganz erfüllt: Sie ist weder für Neureiche gedacht noch für Altarme. Sie ist für jeden und will nur schön sein, zum traeumen bewegen. Musik zu machen, Musik zu schreiben ist eben deshalb so schwer, weil Musik nur dann gut ist, wenn der Interpret auch etwas von sich da reinsteckt. Perotin ist tot. So singen wie er, kann keiner mehr, egal wieviel Forschung man betreibt. Also bitte ich die Vorrezensenten, nicht so zu tun, als ob sie wissen würden, wie das ganze vor 500 Jahren klang und fordere sie höflich auf, Individualitaet als Bereicherung anzusehen und sich zu vergegenwaertigen, dass die Zeit vergeht und alles um sich herum veraendert. Musik ist etwas, das der Seele entspringt, also ist es sinnlos, zu versuchen, ihr irgendwelche irdischen Grenzen aufzuzwingen. Wer dennoch denkt, dass alles historisch korrekt sein muss, kann sich ja von seiner Luther-Bibel verabschieden und das lateinische Orginal aufsuchen, um sie dann unter 'historisch korrekten' Bedingungen zu lesen. Schliesslich ist alles andere für Neureiche...Wer sich aber von der Aesthetik sphaerischer Klaenge gerne verwöhnen laesst und Neues nicht verurteilt, sollte hier zugreifen!
Klasse und Klasse - eine Mixture, 30. Oktober 2007
Es ist ein Versuch. In diesem Fall werden alte Stücke, sakrale Gesänge, gregorianische Zeiten neu belebt und die Erinnerung an Eberhard Schöner der 70er kam erneut. JG versucht hier ebenso Neues. Diese wunderbaren und sinnlich himmlischen Choräle werden verbunden mit dem ebenso wunderbaren Klang der unterschiedlichen Saxophone. Wer JG gesehen hat, live im Spiel, weiss, dass er verschmolzen ist mit diesem Holzblasinstrument. Seine Liebe zu den sanften, den aus tiefster Seele kommenden Tönen wird begreifbar in seiner Musik wie in Visible World, Twelve Moons etc doch hier ist die Idee entscheidend, nicht die Essenz. Doch letztere ist zu bewerten und wenn ich die wunderbaren Chöre, diese instrumentlosen, nur vocalen gregorianischen Gesänge höre, dann tauche ich gern ein in die tiefen Mauern, die den Gesang durch eine Raumfülle zu einem Resonanzerlebnis machen. Genau da stört mich die Einlage JGs, das Saxophon, da ist eine Mischung störend und nicht innovativ. So,werde ich weiter JG hören, gerne hören und die Stücke in ihrer Quintessenz betrachten und beim Zuhören gerade mich auf die Parts konzentrieren, die in ihrer Ursprünglichkeit die Fülle verheissen. Daher nur drei Sterne für ein an sich gutes Album.
Intensive Musik, 7. März 2006
Wer alte Musik mag, kommt am Hillard-Ensemble schwer vorbei. Und er wird überrascht sein, wie sich die scheinbaren Gegensätze zwischen dem traditionellen (Kirchen-)gesang und dem neuen Instrument in einer dichten Klangfülle auflösen. Das ist auf jeden Fall keine Musik für 'nebenher', das erfordert alles!
ENDZEIT, 22. Oktober 2005
Die kommerzielle Verwertbarkeit der abendländischen Kultur ist einziger Parameter für diese schreckliche, peinliche Produktion. ECM als EDITION for CASH MUSIC ist damit im Sumpf der kulturlosen Gegenwart angekommen. Dass das Hilliard Ensemble dieses üble Spiel mitmacht ist auf der ganzen Linie enttäuschend. Den neueren CDs hört man im übrigen sofort an, dass sie ihren stimmlichen Zenith überschritten haben. Geht es jetzt nur noch ums Absahnen?
Keine leichte Kost..., 12. Oktober 2005
Dieses Werk entzweit die Hörer wie kaum ein anderes. Alte Musik meets Jazz-Saxophon - kann das gutgehen? Während die eine Seite den Untergang der Musik beklagt - auch in vielen Rezensionen hier nachzulesen - ist die andere Seite begeistert. Ich gehöre zu den Begeisterten, seit ich vor vielen Jahren diese CD geschenkt bekommen habe. Der einzige, allerdings dicke Minuspunkt ist die Abmischung, die das Sax viel zu weit in den Vordergrund holt. Was hätte diese Aufnahme noch werden können, wenn das Instrument mehr mit den Stimmen verschmolzen wäre? So bleibt immerhin die fantastische Interpretation des Hilliard Ensembles, wenn auch Garbareks Saxofonlinien häufig einfach zu laut sind (wenn auch gelungen). Der Stilgegensatz erschließt sich nicht so leicht, die CD ist beim ersten Hören ziemlich "sperrig" (huch, was passiert denn da?). Die Klänge werden eingängiger, hört man sie häufiger. "Officium" hat damals übrigens mein persönliches Interesse für alte Musik geweckt - und auch für die Aufnahmen des Hilliard Ensembles, von denen sich mittlerweile einige angesammelt haben. Wenn der bis dato jazz-orientierte Zuhörer sich fragt "Wie klingt das denn ohne Saxofon?" und der Klassik-Fan wissen möchte "Was spielt Jan Garbarek denn sonst noch?", dann wäre das sicherlich ein Schritt, den musikalischen Horizont zu erweitern. Meiner Meinung nach ist "Officium" ein - bis auf den genannten Schwachpunkt - gelungener Versuch, völlig unterschiedliche Musik zusammenzubringen und ihr damit vielleicht auch neue Hörer zu erschließen. Empfehlenswert!
|