Kundenmeinungen
Kosmisches Gebräu, 9. März 2006
Ein nicht ganz einfacher Musikgenuss. Ich habe einige Zeit gebraucht, um mich an diese wahrlich kosmische Mixtur aus improvisiertem Jazz und Rock zu gewöhnen. Man muss sich im wahrsten Sinne des Wortes öffnen, bereit sein, diese eigenwillige Mischung aus wunderschönen ruhigen, fast meditativen Momenten und dann wieder sperrigen, diszonanten Tönen in sich aufzunehmen.Dann wird sich zeigen, ob man diese Klänge (so wie ich) liebt oder von ihnen genervt ist. Es kann auch sein, dass man sich die Bitches Brew-Aufnahmen zulegt, vielleicht zunächst keinen rechten Gefallen an ihnen findet und dann nach ein paar Monaten plötzlich bereit ist für die Musik.Ich habe beim (häufigen) Hören dieser beiden CD's häufig die Vision, dass die Musik quasi im Kosmos schwebt, jenseits von Zeit und Raum. Genauso eine Wirkung entfaltet die Platte auch auf den Hörer, der eine Ahnung von dem (komplexen)Genie eines Miles Davis erhält..Grossartige Musiker, die sich um Miles Davis (Trompete) versammelt haben So u.a.John McLaughlin (E-Gitarre), Chick Corea und Wayne Shorter..Für Leute , die noch nie etwas von Miles Davis gehört haben, eignet sich meiner Ansicht nach allerdings besser "In a silent way" für den Einstieg in den Fusionrock.
Irrer musikalischer Drogenrausch, 18. Januar 2006
So soll ein Fiebertraum klingen."Bitches Brew",das wohl kontroverserste und verrückteste Album von Miles Davis ist nichts für konservative Jazzfans.Mit der eher ungewöhnlichen Instrumentierung (Trompete,Sopran Saxophon,Bass Klarinette,3 E-Pianos,Gitarre,Kontrabass,E-Bass,3 Schlagzeuger,und 2 Percussionists)ist das Album sehr funkig und rhytmisch vielschichtig und komplex.Doch wer an Schlagzeugsoli a la Gene Krupa oder Buddy Rich denk,der irrt.Free-Jazz angehauchte Dauer schlagzeugsoli,eher unprägnant ergeben mit den 3 (!) E-Pianos und den 2 Bässen und der Gitarre einen ziemlich unübersichtlich und schwer verständlichen Rhythmusbrei.Auch die Spielart der Solisten ( neben dem Dauer Keyboardsolo Trompete,Saxophon,Klarinette und Gitarre) ist eher unzugänglich und mitunter gar hässlich.Doch wie sich diese Riesengruppe aus dem völligen Stillstand in eine Art erotische Ekstase spielt,und jeder am Schluss voller Inbrunst in sein Instrument bläst,oder mitunter in etwas Undefinierbares Jammerndes,Jodelndes,heulendes,pfeifendes bläst, das ganze übt unbewusst und bewusst eine ungeheure Faszination auf einen aus.
Die erste CD,die etwas schwieriger und komplizierter zu hören ist besteht aus "Pharaos Dance"(20.04min) und "Bitches Brew" (27min).Pharaos Dance,das noch nicht mal eine bestimmte Melodie hat,besteht aus einer einfachen C-C-G-C Basslinie,über die wild und munter improvisiert wird und das in erster Linie orientalisches Flair und einleitendes auf Späteres zeigt.Im Ganzen ist es eine 20 minütige Bitches Brew Introduktion,was dann erst mal eine völlig frei improvisierte Rubato Einleitung hat.Dann hört man das Schnippsen von Miles Davis,der den Rhthmus der D-G-C-F-Basslinie vorgibt,die hier auch wieder das einzige Fundament ist und die von der Bassklarinette umspielt wird.Nachdem das Stück sich immer weiter hochschraubt,fällt es nach 14 Minuten völlig in sich zusammen und die Introduktion wird wiederholt.Nachdem wieder die Basslinie erklingt,vermischen sich Soli zu einem risigen musikalischen Chaos und nach 27 Minuten fällt es zum Schluss noch mals zusammen. Die erste CD ist sehr schwer zu hören und mitunter so modern,dass die Grenzen zwischen moderner Genialität und etwas unvermögender Instrumentenbeherrschung verschwimmen.Miles Davis spielt laut,gepresst,fast hässlich,während als einziger Wayne Shorter durch virtouse Soli glänzt.Wenn man also "Bitches Brew" kauft und dann die erste CD einlegt,könnte man leicht den Geschmack verliren.Zum Einstieg eignet sich eher die zweite CD. "Spanish Key" macht den Anfang,ein flamencobeeinflusstes Lied in typischer,wenn auch leicht abgeschwächter Bitches Brew Manier. "John McLaughli n" ist ein Lied,in dem die Rhthmusgruppe mit der Bassklarinette das Solo von John McLaughlin unterstützen sollen.Da John McLaughlin aber immner unkontrollierte,rifforientierte und bindungslose Soli spielt klingt das Lied mehr nach einem Rhythmnusgruppensolo. "Miles Runs The Voodoo Down" ist einleicht krankes Drogenlied mit Funkrhythmus und undefinierbaren und unnachvollziehbaren Soli.Das beste Lied vin "Bitches Brew" meiner Meinung nach.Bei"Sanctuary" kommt sogar Karibik-feeling auf,der typische Karibikrhythmus führt das Lied zu einem furiosen Finale."Feio" ist Far Out pur,Emotionslosigkeit und Energie in einem,Orchestrierte Bläsersätze durchbrechen den Funkrhythmus und hin wieder kann man sogar einen Hund bellen hören. Also wenn man flexibel im Musikgeschmack ist und sich auch auf Freejazz,Funk und Soli,die geisterhaft auftauchen und wieder verschwinden,einlassen kann,dann ist "Bitches Brew" eins der ersten Neuanschaffungen,die getätigt wer den sollen. Lang lebe Miles Davis!!
Irre, Verrückt, Daneben, ABER GENIAL, 27. September 2005
Wenn es eine Jazz Platte gibt, die man gleichzeitig als Rock'n Roll bezeichnen kann, dann diese hier. Selten hört man so skrupellos zusammengeschusterte Musik wie auf Bitches Brew: Elektro Orgeln treffen auf verzerrte Trompeten, E-Gitarren klimpern im Einklang mit einem Brei aus E Bass, Percussion, Saxophon und teilweise auch Tönen, bei denen ich nicht so recht weiß, von welchem Instrument sie kommen. Das ganze klingt etwa so, als würden Jimi Hendrix, Bootsy Collins zusammen mit Curt Kobain versuchen, Kind of Blue von Miles Davis, nachzuspielen, nur ein bisschen irrer. Und es ist mir egal, was die Old School Jazz Apologeten meinen, das Resultat ist einfach genial und rockt wie Sau! Ich mag die Steigerungen: Vom relaxten Trancezustand bis hoch zur Improvisier-Extase, vo jeder der teilnehmenden Musiker auf sein Instrument reinhaut (oder pustet). Aber das Ganze klingt schlüssig und es entwickelt sich eine musikalische Gruppendynamik, wie ich sie noch nie woanders gehört habe. Wahnsinn! Natürlich muss man sich als Hörer darauf einlassen. Aber wenn man das tut, dann lohnt sich jede Minute dieser Doppel CD, das versprech ich. Bitches Brew ist eine meiner absoluten Lieblingsplatten. Danke Miles! Rest in Peace.
Komplex, abgehoben und graziös, 4. April 2005
Mit dieser Doppel-LP wurde Miles Davis auch bei Hörern von Beat- und Popmusik bekannt. Noch heute finden manche den ersten Einstieg in die Welt des Jazz mit einer Platte / CD von Miles Davis. Für "Bitches Brew" mit seinem gelungenen Cover wurde 1970 in Jugendzeitschriften geworben, es verkaufte sich sehr gut. Mit einer halben Million die bis dato (neben Kind of Blue) kommerziell erfolgreichste Jazzproduktion."Bitches Brew" ist allerdings keine leichte Kost. Selbst Psychedelic-Gruppen wie Grafeful Dead oder Soft Machine klingen vergleichsweise eingängig. Obwohl ich kein Liebhaber von Free Jazz bin höre ich "Bitches Brew" recht häufig und gern.So viele begabte und bekannte Jazz-Musiker auf einer Produktion findet man selbst bei Miles Davis nicht oft (Davis, Herbie Hancock, Chick Corea, Airto, John Mac Laughlin gibt sein Debüt, Wayne Shorter, ...). Die Musik ist sehr komplex, jemand hat mal gesagt sie würde die emotionale Bandbreite der Stadt N.Y.C. ausdrücken. Ansprechend, verwirrend, beängstigend bis graziös und schön. Zaubert mit (z.T.) 3 ! E-Pianos eine exotische Atmosphäre in den Raum. Schiebt man den Bass-Regler seiner Stereoanlage nach oben, spürt man den Groove der Rhytmus-Section noch stärker, "Bitches Brew" gilt als die erste Jazzplatte mit unterlegten Beatrhytmen. - "Spanish Key", Miles hatte sich schon seit 1958 gerne von spanischer Musik beinflussen lassen. Der Rhytmus - als Kontrast zu den melodieführenden Blasinstrumenten und der flamencoartigen Gitarrenfigur von John Mc Laughlin - ist hier besonders treibend. - "Bitches Brew", 27 Minuten, baut sich auf einer immer wiederholenden Bass-Linie auf. Es gab in einem New Yorker Lokal ein Gericht mit gleichem Namen auf der Speisekarte. So kam Miles Davis auf den Titel.- "Miles Runs the Voodoo down" - mit seinen afrikanischen Elementen - ist die zugänglichste Kollage des ganzen Gebräus und hat fast so etwas wie eine einprägsame Melodie. War sogar in Kurzform auf Single erschienen und wurde angeblich in manchen New Yorker Juke-Boxen gerne gewählt. - "Sanctuary" ist die Ruhe und Entspannung nach den langen Titeln. - Das Cover zeigt gelungen und würdevoll Motive aus Afrika (links) und der Neuen Welt (Ozean). Auch die einfach gehaltenen Liner Notes erweckten den Eindruck eines bahnbrechenden Debüts. Zu einer Zeit, als Miles Davis schon fast Zwanzig Jahre Platten veröffentlichte. Fazit: Sehr originell und gelungen, als Einstieg vielleicht eher "Sketches of Spain", "Kind of Blue" oder "In a Silent Way" nehmen. Es gibt keine bekannte Produktion in Jazz und Rock, die mehr "far out" klingt als die 90 Minuten von "Bitches Brew"! Die Tonqualität war schon 1970 gut, sie wurde digital noch überarbeitet zu einem Hörgenuss.
Ein Meisterwerk --- mit Hindernissen, 7. März 2005
Wohl selten hat es ein so mythenumranktes Jazzalbum wie ‚Bitches Brew' gegeben. Auf der einen Seite taucht diese Doppelalbum immer wieder in allen möglichen Album Polls in etlichen Musikzeitschriften auf, wo es meist als geniale Verschmelzung von Rock und Jazz gefeiert wird, andererseits scheiden sich an ihm die Geister. Jazzkritiker monieren, dass Davis mit der elektronischen Instrumentierung endgültig den Jazz hinter sich gelassen hat; Rockfans finden die Musik meist unverdaulich. Lassen wir mal die Jazzkritiker getrost beiseite, denn Davis elektronische Instrumentierung steht der Improvisationsfreudigkeit der Musiker keinesfalls im Wege. Ich denke, dass viele Leser dieser Rezension aus jazz-fremden Bereichen kommen und sich aus Neugier (‚man hat ja schon so viel sagenhaftes über ‚Bitches Brew' gehört) mit Davis ‚Rock-Jazz' Album auseinandersetzen möchten. Vorsicht ist allerdings hier geboten, denn das Label Jazz-Rock (Rock-Jazz, Fusion --- was auch immer) führt in die Irre. Es stimmt, Davis benutzt Instrumente, die man eher mit Rockbands assoziieren würde (elektrische Gitarre, elektrische Pianos und elektrische Bässe), aber dennoch lassen sich die ‚Rockeinflüsse' nur schwer heraushören. ‚Bitches Brew' hat wenig mit dem gemein was unter Rockmusik verstanden wird. Während Rockmusik eingängige Strukturen hat (Verse-Chorus-Verse --- wie Kurt Cobain es vortrefflich auf den Punkt brachte), lösen Davis und seine Mitstreiter diese Strukturen auf. Oder habt ihr schon mal eine halbstündige Improvisation über zwei Akkorde von den Stones gehört? Wohl eher nicht. Wer also Rockmusik mit ein bisschen Jazzimprovisation ‚on top' erwartet wird enttäuscht sein und hätte bestimmt mehr Freude an anderen Alben der Fusion Richtung als an ‚Bitches Brew' (siehe unten).
Davis gab den Musikern meist nur eine Basslinie und ein oder zwei Akkorde vor und lies sie dann im Studio fröhlich vor sich hin improvisieren. Davis hatte sein relativ freies Improvisationskonzept in den späten 50er und den 60er perfektioniert und wendete es auf ‚Bitches Brew' im elektronischen Kontext an. Das Resultat sind bis zu 26 Minuten lange, relativ freigehaltene, Stücke die keinem gängigen Schema folgen. Die Musiker auf ‚Bitches Brew' entwerfen ihre eigene Welt und die hat herzlich wenig mit Rock im traditionellen Sinne gemein. Hinzu kommt das Davis auf den meisten Stücken alle Rhythmusinstrumente verdoppelt. Es spielen also zwei Schlagzeuger, zwei Pianisten und zwei Bassisten mit verschiedenen Solisten gegeneinander an --- eine Menge Krach also. Doch diese Musik ist nicht, auch wenn es so scheint, chaotisch. Sie folgt nur ihren eigenen Regeln und einer internen Logik in der Musiker (anstatt vorgefertigten Strukturen folgend) ihre Improvisationen in Bezug auf einander entwerfen. Das alles ist nicht radikal neu: Davis Gruppen aus den 60ern, sowie John Coltrane's Band, von Ornette Coleman's Free Jazz mal ganz zu schweigen, hatten die Jazzimprovisation in diese Richtung schon weiterentwickelt. ‚Bitches Brew' ist demnach der nächste Schritt in dieser Entwicklung gewesen. Allerdings ist die Darbietungsweise neu: die Platte macht, vor allem durch die Besetzung mit Topmusikern, die auf elektronisch verstärkten Instrumenten zu hören sind (u.a. Chick Corea (ep), Herbie Hancock (ep), Jack de Johnette (d), Tony Williams (d), John McLaughlin (g), Dave Holland (eb) und Ron Carter (ab)) ungemeinen Druck. Über Basslines und Schlagzeugrhythmen die eher an James Brown als an die Beatles oder Stones erinnern, entfalten die Musiker ein Kaleidoskop an Soundideen und spielen sich in Ekstase um kurz darauf wieder zu ruhigeren Tönen zurückzukehren. Und über all dem thront majestätisch Miles Trompete in einer lyrisch-melancholischen Art, die mit den Exzessen der Band eine wunderbar einigensinnige Einheit bildet. Ich glaube, dass diese Beschreibung für sich selbst spricht: wer an einer eingängigen Verschmelzung von Rock und Jazz interessiert ist, der ist hier falsch. Man muss sich wirklich intensiv mit ‚Bitches Brew' auseinandersetzen und Neuerungen ziemlich offen gegenüber sein, um diese Musik schön zu finden. Hat man aber erst einmal die ersten Hürden genommen, dann entfaltet sich einem eine wirklich wunderbare Klangwelt, die ihresgleichen sucht. Berauschend! Ich würde dennoch Jazzneulingen dieses Album nicht empfehlen. Wer nach einem Einstieg in die Welt von Jazz, Rock, elektronsicher Musik und Funk sucht, sollte zu dem Bitches Brew Vorgänger ‚In a Silent Way' greifen. ‚Fillies de Kilimanjaro', das Davis auch im Jahr 1969 aufgenommen hat, eignet sich ebenfalls als guter Einstieg, da es weitaus eingängiger ist als ‚Bitches Brew' und ‚In a Silent Way'. Auch ‚Inner Mounting Flame' von Mahavishnu Orchestra und ‚Hot Rats' von Frank Zappa sind ein guter Kauf --- auf beiden Alben liegt die Betonung eher auf Rock als auf Avantgarde und Jazz. Danach ist ein Einstieg in die Welt von Bitches Brew garantiert einfacher. Wer sich allerdings von Anfang an auf ein musikalisches Abenteuer von ganz besonderer Qualität einlassen möchte, der sollte zugreifen. Davis Album ist ein absoluter Klassiker, der sich gegen eine einfache Kategorisierung sperrt. Auch nach wiederholtem Hören wird dieses Meisterwerk nicht langweilig. Die hier vorliegende Remastered Version des Sony Legacy Labels besticht durch den guten Sound und eine gute Wiedergabe des Album Covers (für CD Verhältnisse jedenfalls). Wie die Originalversion ist auch die Remasterversion in zwei Alben unterteilt. Auf der ersten CD sind die beiden fast halbstündigen Improvisationen ‚Pharaoh's Dance' und ‚Bitches Brew' enthalten, die von allen Stücken am abstraktesten sind. Die zweite CD beinhaltet die kürzeren Stücke (15 mim) ‚Spanish Key' und ‚Miles Runs the Voodoo Down' in denen die Funkelemente am stärksten hervortreten, sowie das kurze Gitarrenstück John McLaughlin und die Ballade (die es in sich hat) Sanctuary. Als Bonus-Schmankerl gibt's das schleppend bluesige Stück Feio (mit Sitarverstärkung). Ein Stück moderne Musikgeschichte (wenn auch mit Hindernissen). (Mein Tipp: fangt mit CD 2 an und arbeitet euch dann zu den Stücken auf CD 1 vor).
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