Kundenmeinungen
Zwei Schoenheitfehler, 21. März 2003
Der ausfuehrlichen Vorrezension ist nur wenig hinzuzufuegen. Es ist tatsaechlich eine schoene Kompilation die trotz der umfassenden Zeitspanne, aus der die Titel stammen, einen roten Faden erkennen laesst. Was allerdings den Zusammensteller bewogen hat "Human Nature" und "Time after Time" als Popexempel auf die CD zu nehmen, bleibt ein Raetsel. Kaum erklingen diese beiden fuehlt sich wie an einem schoenen in einer tollen Bar, wo viel zu frueh das Licht angeht und der Mann an der Bar durch die Musik zeigen will, dass es Zeit ist zu gehen.
Jazz mit Klängen voll Poesie und Erotik, 23. März 2001
Kein Jazzmusiker hat je intimere, zartere Emotionen aus seiner Trompete exemplifiziert als Miles Davis (1926-1991). Wer (leider) nur eine CD von ihm für seine Plattensammlung besitzen möchte, dem sei diese Zusammenstellung von elf Tracks, die einen Zeitraum von 1958 bis 1985 umfassen, wärmstens empfohlen. Fast auf allen Stücken von „Love Songs" spielt Miles sein Instrument auf dem harmon-mute, dem Aluminium-Dämpfer, mit dem Miles seinen Balladensound noch zerbrechlicher und distanzierter entfalten konnte. In kleinen Formationen von „I fall in love too easily" und „I thought about you" schuf Miles intime Monologe wie ein Sänger. Was einen beim Zuhören der Aufnahmen quasi ins Ohr fällt, ist, wie Miles seinen einzigartigen Ton anbläst: es ist der Ton der Trauer und Melancholie, ein verklärter Sound-Nebelschleier von grösster Reinheit, voller Weichheit, fast ohne vibrato und ohne attacca. In den 60er Jahren bewegte sich Miles so nahe an den Free Jazz hin, wie sein Sinn für Lyrismus und Swing es zuließ, und engagierte junge Musiker wie z. B. das gerade 16jährige Drummertalent Tony Williams, den hochbegabten Pianisten Herbie Hancock aus Art Blakeys Band und den Ausnahme-Saxophonisten Wayne Shorter, um nur einige zu nennen. Das Paradestück auf dieser CD schlechthin ist die 15-minütige Version von „My funny Valentine", live gespielt am 12. Februar 1964 in der „Philharmonic Hall" im Lincoln Center/New York. Das telephatische Zusammenspiel von Miles mit Georg Coleman, Herbie Hancock, Ron Carter und Tony Williams gleicht einem wellenförmigen Säuseln, das ein ins Wasser geworfener Stein erzeugt: Stimmungsbilder, Feinheiten von Ton und gelassener Introvertiertheit, die an die impressionistische Musik von Claude Debussy erinnern. „Old folks" ist ein weiteres Juwel auf der CD, und setzt z.T. elegische Glanzpunkte, besonders durch Wyton Kelly, der sich später sich auf dem Album „Kind of blue" als Gastspieler im Stück „Freddie Freeloader" verewigt hat. In der vom kanadischen Sound-Arrangeur Gil Evans großorchestral ausgestalteten Jahrhundert-Ballade von Gershwins „I loves you, Porgy" spielt Miles atemberaubende Klangteppiche, die so vor ihm keiner gespielt hatte: Gefühle in Musik gegossen. Und: Die Cover-Version von Cindy Lauper Millionseller „Time after time", dessen Groove besonders durch das filigrane Gitarrenspiel von John Scofield und die Virituosität des Percussionspieler Steve Thornton den Hörer förmlich zu überrollen scheint. Auf dem Cover sind rote Rosenblätter abgebildet. Es sind auch Bilder der Musik von Miles Davis. Sie bringen den süßen Duft von betörenden und empfindsamen Jazz-Improvisationen.
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