Kundenmeinungen
Beginn einer schwächeren Phase, 6. Mai 2007
Nach seiner grandiosen ersten Phase als eigentlich jugendlich-frischer Chanssonier, der aber stellenweise schon mit atemberaubenden Weisheit gesegnet zz sein scheint, beginnt mit dieser CD die etwas schwächere Phase von Mey, die er m.E. so richtig erst mit "Farben" in 1990 beenden konnte.
Es hat sicher mit seiner persönlichen Entwicklung zu tun. Er wurde älter und v.a. er war Vater (!) geworden (1976). Das Thema "Kinder" zog sich ab hier wie ein roter Faden durch seine Lieder, nicht nur textlich, sondern auch musikalisch. Die Melodien und Arrangements wurden irgendwie kindlicher, weniger chanson-artig, etwas schlagerhafter und manchmal an Kinderlieder erinnernd.
Das Thema der Einstellung zu Kindern und zum Kinderkriegen ist ein hoch emotionales und dementsprechend gefährliches. Viele lieben Mey v.a. für diesen Teil seines Schaffens, weil er die Liebe zu seinen Kindern zelebriert und die Freuden, aber auch Schwierigkeiten und Ängste vieler Eltern ausdrückt und in Lieder transportiert. Damit trifft ihn aber auch (m.E. zu Recht) alle Krtik, die an der verbreiteten Art und Weise, Elternschaft zu interpretieren seit den späten Siebzigern häufig laut wird. Kinder haben weniger den Charakter von etwas Selbstverständlichen, das ein wichtiger Teil des Lebens ist, aber eben nur ein Teil. Das Kinderhaben als solches wird erhöht (und dabei manchmal überhöht), und so eingehend analysiert und problematisiert, dass man sich fragt, wie Menschen in den letzten 10.000 Jahren Kinder groß bekommen haben. Dabei wächst die emotionale Beteiligung der Eltern beträchtlich und ebenso ihr Hang in die kindliche Weltsicht einzutauchen.
All das ist sicher eine (begrüßenswerte) Gegenbewegung zu der oft kalten und strengen Welt und Einstellung zu Kindern, die von der willhelminischen Zeit über das Dritte Reich bis hin zur Enge der Adenauer-Ära geherrscht hat, aber wie jede Gegenbewegung schlug auch hier das Pendel an der ein oder anderen Stelle zu stark aus und Mey ist mitgeschwungen. Seine Lieder sind zuweilen noch tiefgründig und anrührend, bekommen aber häufig einen zu starken Touch ins Kitschige und Seichte.
Das trifft fast alle Titel auf der CD, textlich z.B. "Wem Gott...." oder "Ist mir das peinlich". Selbst die, die textlich fast die alte Qualität erreichen wie "Ihr Lächeln" oder "Ehe meine Stunde schlägt" sind musikalisch doch den entscheidenden Tick zu schmalzig.
Alles in allem ist die Platte "schön" und "angenehm", aber sie ist nicht mehr "gut" wie alle anderen Platten von Mey vorher.
Menschenjunges - Reinhard Mey - , 21. September 2006
Ich habe nahezu alle deutschsprachigen CDs von Reinhard Mey. Auch seine französischen Aufnahmen (als Frederic Mey) schätze ich sehr. Auf dieser CD "Menschenjunges" besingt Reinhard Mey wieder mal menschliches und allzu menschliches.Ich muss oft schmunzeln oder selbstkritisch zugeben: "Ja, so ist es mir auch schon ergangen,das habe ich genau so empfunden. Reinhard Mey ist ein Liedermacher, der immer wieder sehr realistische Momente aus dem eigenen Leben oder das seiner Mitmenschen einfängt und sie dann in Poesie verwandelt. Dieses macht ihm so leicht kein anderer Künstler nach.
Diese CD macht Lust auf mehr. Schade, dass auf ihr nur 10 Titel enthalten sind.
treffenden Musik für junge Eltern, 26. Mai 2004
Diese CD ist eigentlich Pflicht für junge Eltern. Nachdem wir selbst diese CD geschenkt bekommen hatten, haben wir die CD mittlerweile selbst zweimal verschickt. Die Texte sind wie aus dem Leben; zum einen sehr nachdenklich und kritisch und zum anderen ironisch und witzig. Bei vielen Textpassagen ist man an die eigene Kindheit erinnert worden.
Man merkt, daß es ein Frühwerk ist, 26. November 1999
Reinhard Meys "Menschenjunges" stammt aus Ende der 70'er Jahre und wirkt im Nachhinein für Meys Verhältnisse ein wenig unbeholfen. Darin liegt aber vielleicht auch der Reiz der CD. Die Textzeilen sind hier und da noch nicht mit den gewohnten Spitzen bestückt, aber man erkennt doch schon an einigen Stellen den ihn kennzeichnenden Witz. Ein Lied ragt allerdings deutlich heraus und dürfte auch vielen Hörern ein Begriff sein: "Ein Antrag auf Erteilung eines Antragformulars", in dem der ewig junge Kampf mit den Mechanismen der Verwaltung auf feinste Art beschrieben wird. Deutlich wird auch der Bezug zu Meys persönlichem Leben in den Liedern "Menschenjunges" und "Ihr Lächeln". Gekonnt jongliert er in dem Stück "Wem Gott die rechte Gunst erweisen will" mit Städtenamen. Erstaunlich ist, daß gleich in mehreren Liedern über das Älterwerden philosophiert wird ("Mein erstes graues Haar", "All' meine Wege" und "Eh' meine Stunde schlägt"). Insgesamt läßt sich die CD gut hören, wenn auch nicht gerade die großen Klassiker auf ihr zu finden sind. Echte Fans werden sie zurecht in ihren Regalen stehen haben, für neue Reinhard Mey-Sympathisanten ist sie etwas gewöhnungsbedürftig. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)
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