Kundenmeinungen
Live oder Studio?, 4. März 2003
Diese Aufnahme ist ein Mitschnitt einer der berühmtesten Aufführungen der Callas überhaupt - neben der Traviata aus Mailand. Technisch ist der Mitschnitt viel besser als fast alles, was sonst in den fünfziger oder auch sechziger Jahren live aufgenommen wurde. Lediglich ein gewisses Scheppern stört von Zeit zu Zeit.
Und musikalisch löst diese Aufnahme einen Glaubenskrieg aus: Welche Lucia der Callas ist besser, diese oder die zwei Jahre ältere Studio-Aufnahme mit Gobbi statt Panerai? Die Callas selbst war 1953 auf der Höhe ihrer stimmlichen Möglichkeiten, 1955 schon etwas angegriffen. Die Höhe wirkte scharf, die Stimme nicht mehr so groß und rund wie zwei Jahre vorher. Dafür merkt man der Sängerin die zwei Jahre mehr an Erfahrung in einer ihrer Paraderollen an: Sie gewinnt dieser Rolle noch etwas mehr Nuancen ab. Giuseppe di Stefano singt live m. E. besser als im Studio, weil weniger larmoyant und einfacher im Ausdruck, besonders in seiner Final-Arie. Rolando Panerai wirkt in seiner Arie zwar etwas kurzatmig, singt aber sonst sehr ausdrucksvoll. Zudem hatte er eine der schönsten Bariton-Stimmen der zweiten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts. Alles in allem: Ein großer Abend der Mailänder Scala in Berlin, eine der schönsten Interpretationen dieser Oper überhaupt, und für mich lautet die Antwort auf die Frage "live oder Studio" schlicht: BEIDE! Unbedingt!
Maria Callas in ihren Glanzjahren, 14. Februar 2003
Eine wahrhaft umwerfende Aufnahme der "Lucia"... Schon zu Beginn leitet die Callas mit "Regnava nel silenzio" eine geheimnisvolle Athmosphäre ein, die dann in atemberaubenden Spitzentönen und Pianissimi endet. Dann der Auftritt Giuseppe di Stefanos ("Lucia perdona")mit einer solchen Intensität, dass man bis zum Duett "Verrano a te" gebannt zuhört. Höhepunkt dieser Aufnahme ist zweifelsohne die Wahnsinnsarie der Lucia, die mit halsbrecherischen Passagen in einem hohen Es endet. Die Schlussarie des Edgardo versetzt dem Zuhörer den endgültigen Todesstoss. Weiters sollte man natürlich auch die herausragende Leistung Herbert von Karajans betonen, welcher durch seine Neuinterpretation Donizettis eine Wiederauferstehung des frühen Belcantos heraufbeschworen hat. Verblüffend auch die ungewöhnlich gute Qualität der Aufnahme, die bis auf wenige Stellen immer Transparent bleibt. Ein Muss für jeden Callas-Liebhaber...
Eine wahnsinnige Aufnahme und ein irres Stück, 14. Juni 2001
Diese Oper ist für mich DIE italienische Oper überhaupt. Tolle Musik, einfach strukturiert, aber sehr tiefsinnig. Diese Aufnahme ist - einfach gesagt - genial. Die Interpreten: Maria Callas: eine ihrer Glanzpartien, sie spielt nicht Lucia, die Wahnsinnige, sie IST Lucia, die Wahnsinnige. G.di Stefano: 100 % schweißtreibender Einsatz, absolut charismatisch, besser geht es nicht. R.Panerai: auch bei ihm eine Paraderolle. An vielen Stellen nimmt seine Baritonstimme nahezu tenoralen Charakter an. H.von Karajan: in dieser Aufnahme erkennt man deutlich, warum Karajan DER Operndirigent der 50er und 60er Jahre war. Selbst in einfachen Akkordbegleitungen wie in der Wahnsinnsarie schafft er es, Spannungsbögen im Einklang mit der Musik und der begleiteten Gesangsstimme zu formen, was heute richtungsweisend für eine Dirigentengeneration sein sollte, die das nicht mehr kann.
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