Kundenmeinungen
Packend, 18. Januar 2008
Das Stück ist in seiner Mischung aus Märchenerzählung, politischer Grausamkeit und reinstem Opfer-Kitsch ja wirklich eine schwierige Sache. Man tut ihr keinen Gefallen, wenn man sie - wie in vielen Turandot-Aufnahmen passiert - GLÄTTET und versucht, einen nicht vorhandenen Puccini-Einheitston zu produzieren. Serafins Einspielung entgeht dieser Gefahr. Er stellt alle Kontraste scharf heraus und hatt glücklicherweise ein Ensemble zur Verfügung, das zu diesem Herausstellen beiträgt. Schwarzkopfs Liù und Callas' Turandot - was für ein stilistischer und persönlicher, wahrhaft inkommensurabler Gegensatz! Und doch kann es nicht anders sein... Die Callas macht die Turandot, wie zu erwarten, SEHR menschlich und bringt ihr Angestrengtes, ihre Angst, ihre Frigidität hervorragend zum Ausdruck. Sie liefert eine Interpretation, die weniger "Eisprinzessinnen"-Klischees bedient als einen dramatisch überzeugenden Vorgang. Elisabeth Schwarzkopf demgegenüber: ein Ideal, fast eine lyrische Idee von einem unbedingt liebenden Wesen. Pianissimi-Spitzentöne die das Rückenmark heruntergleiten, wie ein Gegenprogramm zu den ebenfalls rückenmarkträchtigen Schreien der Titelrolle. Eugenio Fernandi als Kalaf hat Intonationsprobleme, dafür aber eine so einzigartig timbrierte Stimme, dass er die "Fremdheit" und die BEsessenheit des Prinzen (vielleicht die schlimmste aller Figuren im Stück) sehr gut verdeutlichen kann. Die Nebenrollen allesamt komödiantisch scharf; der Chor hervorragend. Wenn Turandot, dann zuallererst diese Aufnahme.
Facettenreiche eisumguertete Prinzessin, 7. August 2001
Wenn auch Callas nicht mehr ueber die Kraft frueherer Jahre gebietet, gibt sie eine fulminante Interpretation der Turandot, wo sich fast alle anderen Saengerinnen darauf konzentrieren muessen, nicht im Orchester unterzugehen. "In questa reggia" und die oft ausgelassene Turandot-Arie aus dem 3. Akt sind Offenbarungen einer gequaelten Seele. Hervorragende Ensemble-Arbeit und das Dirigat von Serafin machen diese Aufnahme zu einem Erlebnis. Nur E. Fernandi verblasst etwas in der Rolle des Calaf, schade, dass hier nicht Bjoerling oder der junge A. Kraus zur Verfuegung standen.
|