Kundenmeinungen
Tja..., 18. Januar 2008
... ich wünschte ich wüsste irgendwas gegen die hier zu lesenden überschwänglichen Lobeshymnen zu sagen ;-) - aber es gibt nichts. Böhms Dirigat, ohne alle Manierismen und Suche nach 'Originalität', bringt das weißglühende Drama dieser dreiaktigen "HAndlung" zum Vorschein. Schon das Vorspiel ist nicht etwa erdrückend, sondern gewalttätig-mitreißend und DESHALB beklemmend (man ringt nach Atem). Die schnellen Tempi tun vor allem auch dem zweiten Akt sehr gut. Nilsson in einer ihrer schönsten Aufnahmen; gerade die Live-Qualität tut ihr sehr gut, die Stimme kann sich original entfalten. Sie singt hier lyrisch wie selten. Windgassen kann neben ihrer schieren Stimmkraft natürlich nicht bestehen, ist aber dafür in seiner Textbehandlung und seinem musikalischen Verständnis jeder Phrase so perfekt, dass ich seinen Tristan ohne Zögern zu den allerbesten auf Platte rechnen möchte. Ludwig: großartig, ihre Brangäne ist wirklich eine leidende Partnerin der Isolde, der 1. Akt im Zwiegespräch der beiden atemberaubend; musikalisch perfekt, ohne indes wie manche Sängerin im Zinnen-Gesang des 2. Aktes ins unverbindlich Liedhafte abzugleiten (auch dank Böhm). Wächter als Kurwenal sehr erdverbunden und authentisch, auch ein leidender Partner, einer der "normalen" Menschen am Rande dieses Zweier-Amoklaufs. Ebenso wie Talvelas Marke... Nein, es gibt KEIN Manko, keine schwache Stelle in dieser Aufnahme.
Auch 40 Jahre später noch ideal, 29. Mai 2007
Der wohl beste Tristan auf CD überhaupt. Birgit Nilsson und Wolfgang Windgassen waren die Traumbesetzung dieser Rollen in den 60er Jahren, auch wenn die Nilsson überlegen ist. Glänzend die Brangäne von Christa Ludwig und der Kurwenal von Eberhard Wächter. Martti Talvela ist ein imposanter Marke. Karl Böhm in einer seiner besten Aufnahmen
Grandiose Aufnahme - sagenhaft!, 7. April 2007
Ich bekenne mich hiermit als ein eingefleischter Wagner-Fan!
Seine Musik ist einfach grandios, umwerfend und doch wunderschön.
Für mich ist Wagner einer der größten Komponisten, die es je gegeben hat.
Er hat zwar nur 13 Opern geschrieben, aber diese sind von solch einer
Qualität, dass sie Opern von Verdi oder Puccini locker in den Schatten stellen. Diese Aufnahme ist einfach grandios, allererste Sahne. Tristan und Isolde ist meiner Meinung nach fast noch schöner als Lohengrin, wobei diese Oper auch nicht zu verachten ist. Was für ein Genuss ist es, sich diese Oper anzuhören! Hörgenuss der ersten Klasse! Ein Hoch auf Richard Wagner! Ich kann diese Oper nur weiterempfehlen und werde mir auch noch den Tannhäuser und den Parsifal zulegen. Diese Oper ist ein Muss für jeden Wagner-Fan.
Unvergessliches Musikereignis, 18. März 2007
Über Wagners "Tristan und Isolde", schon über den ersten Akkord des Vorspiels, sind tonnenweise Bücher und Interpretationen geschrieben worden. Diese Oper gilt vielen als endgültige Vollendung des Musiktheaters, Wagner fand für sein großes Liebesdrama eine bislang noch nie gehörte Musik, verließ die Gebiete und Gebote der Harmonik, komponierte Klänge, die sich an keinerlei Konventionen hielt, die nur noch pure Emotion ausdrücken wollte und die inneren Vorgänge der Personen hörbar machte. Dieses Musikdrama öffnete der nachfolgenden Generation von Komponisten die Tür zur Neuen Musik, bereitete den Weg für Komponisten wie Richard Strauss, die "Zwölftonmusiker" und beeinflußt noch heute viele Komponisten nachhaltig.
Logisch, daß sich lange kein Opernhaus an diese absolut revolutionäre Partitur heranwagte. "Tristan und Isolde" wurde am 6. August 1859 vollendet und mußte lange auf seine Uraufführung warten. Straßburg, Karlsruhe, Paris, Dresden, Weimar, überall wurde die Oper als unaufführbar erachtet, die Wiener Hofoper brach die Produktion nach über 70 Proben ab. Schon schien es, als würde das Werk niemals auf die Bühne kommen, wäre da nicht der Bayernkönig Ludwig II. gewesen. Der "Märchenkönig" war der wohl glühendste Wagnerianer aller Zeiten, er holte den Komponisten nach München und befahl, "Tristan und Isolde" an der Hofoper aufzuführen. So erklang das Werk zum ersten Mal am 10. Juni 1865 unter der Leitung des legendären Hans von Bülow, ein denkwürdiges Datum. Der Legende nach erschütterte die Oper das Publikum so nachhaltig, daß es, ähnlich Goethes "Werther", eine Selbstmordepidemie hervorrief und der erste Tristan, ein Tenor mit dem klangvollen Namen Ludwig Schnorr von Carolsfeld, sich so überanstrengt hatte, daß er wenige Wochen nach der ersten Vorstellung an einer simplen Erkältung starb. Um revolutionäre Werke ranken sich oft Legenden, allerdings bietet "Tristan und Isolde" noch immer eine große Herausforderung für einen jeden Dirigenten, Regisseur und Sänger, der sich an dieses gewaltige Liebesdrama heranwagt, obwohl es heute natürlich weltweit auf jeder wagnertauglichen Bühne vertreten ist.
In Bayreuth, dem heiligsten Tempel der Wagnerpflege, erklang "Tristan und Isolde" zum ersten Mal drei Jahre nach dem Tod des Komponisten, 1886, und steht seitdem regelmäßig auf dem Spielplan. Viele Male wurde es inszeniert und aufgenommen, so daß die Genese des Tristan auf der Bayreuther Bühne sehr gut dokumentiert ist. Eine ganz besondere Interpretation lieferte Karl Böhm 1966, wovon diese Einspielung ein beeindruckendes Zeugnis ablegt. Böhm dirigiert das wie immer ausgezeichnete Bayreuther Festspielorchester wie in einem Rausch, er zieht das Tempo massiv an, was dem Werk besonders während des ersten und dritten Aktes zugute kommt. Der Hörer wird unweigerlich in die Handlung hineingezogen, kann sich nicht mehr von der Oper losreißen, bis Isolde schließlich mit ihrem überirdischen Todesgesang über der Leiche des geliebten Tristan zusammensinkt. So intensiv und spannend habe ich die Oper noch von keinem Dirigenten interpretiert gehört.
Das Ensemble läßt hier keinerlei Wünsche offen, es ist das Beste, was Bayreuth in den 60ern zu bieten hatte, und das war die absolute Elite des Wagnergesangs.
Wolfgang Windgassen war über zwei Jahrzehnte der Bayreuther Heldentenor Nummer eins. Er hatte, wie viele geniale Sänger, eine nicht wirklich schöne Stimme, dafür besaß er ein riesiges Repertoire an Ausdrucksmöglichkeiten, die seine Interpretationen bis heute einmalig machen. Als Tristan überzeugt er hier einmal mehr als hochbegabter Sänger - Schauspieler, die gewaltigen Ausbrüche des todwunden Helden im dritten Akt sind in dieser Aufnahme an Intensität kaum zu übertreffen, auch im überirdischen zweiten Akt, an der Seite Birgit Nilssons, zeigt er seine großen Fähigkeiten als Darsteller, wobei er stimmlich mit der schwedischen Naturgewalt kaum mithalten kann. Windgassen wurde oft vorgeworfen, er singe "ökonomisch", also stimmschonend. Wahr ist, daß er für die gewaltigen Wagnerpartien kaum das geeignete Stimmaterial mitbrachte, er war eher ein lyrischer Tenor, der auch als Tamino zu glänzen verstand. Einige Male muß er sich auch hier in den Sprechgesang retten, um die riesigen Anforderungen zu meistern, was dem Gesamtbild seiner Darstellung aber keinen Abbruch tut. Ein hervorragender Tristan.
Seine Partnerin ist die Isolde der Rekorde. So oft wie Birgit Nilsson hat keine andere Sängerin in dieser Rolle auf der Bühne gestanden. Auch hier zeigt sie ein rundes und, dank ihrer gewaltigen Stimme, die sie jedoch meisterhaft zu modulieren verstand, mitreißendes und bewegendes Rollenportrait. Die Nilsson verließ sich meistens, wie auch hier, auf die Kraft ihres Organs und ließ die Darstellung eher nebenher laufen, was ihre Leistung hier jedoch kaum schmälert. Trotzdem bleibt Kirsten Falgstad in dieser Rolle meine Favoritin.
Der König Marke ist hier mit Martti Talvela ausgezeichnet besetzt. Seiner großen Baßstimme vermag er leise und intensive Töne zu entlocken, er singt und spielt den guten, desillusionierten König rundum überzeugend, auch ohne daß man den beeindruckenden Zweimetermann auf der Bühne sieht.
Tristans treuer Gefährte Kurwenal wird hier von Eberhard Wächter gesungen, auch er über lange Jahre Stammgast in Bayreuth und im Wagnerfach zuhause. Sein Kurwenal ist ein seinem Herrn bedingungslos ergebener Diener, Wächters etwas rauhe Stimme passt ausgezeichnet zu dem einfach gestrickten Kämpfer, der seinem Herrn in den Tod folgt. Einer der besten Darsteller dieser Partie.
Auch Isoldes Zofe Brangäne wurde hier mit einer großen Sängerin besetzt. Christa Ludwig bringt die nötige Erfahrung mit Wagnerpartien mit, um ein bewegendes und stimmlich ausgezeichnetes Rollenportrait zu zeichnen. Das Zusammenspiel der beiden Frauen im ersten Akt ist beispielhaft, ihr Gesang vom Turm im zweiten Akt mischt sich traumhaft mit dem Zwiegesang die Liebenden.
Auch in den kleinen Rollen sind hier große Namen vertreten, seien es nun der Tenor Erwin Wohlfahrt als Hirt, Gerd Nienstedt als Steuermann oder Peter Schreier als junger Seemann, der diese kleine Partie fast zu einer Hauptrolle umgestaltet.
Ein wenig aus dem Rahmen fällt Claude Heater als Melot. Er hat einen starken Akzent und fällt auch stimmlich etwas aus dem Rahmen. Sein Auftritt als Verräter macht allerdings den Bruch zu dem langen Liebesduett so deutlicher.
Klangtechnisch gibt es kaum eine bessere Liveaufnahme, wobei die Bayreuther Einspielungen oft von ausgezeichneter Qualität sind, was wohl an der einmaligen Akustik des Festspielhauses liegt. Natürlich poltert das eine oder andere Mal der Bühnenboden, allerdings hält sich das sonst oft störende Gehuste des Publikums in wohltuenden Grenzen. Die Zuschauer waren wohl genauso fasziniert, wie es der Hörer sein wird.
Jedem Wagnerfreund, der diese Einspielung noch nicht besitzt, sei sie mit unbedingter Empfehlung ans Herz gelegt.
Liebestod in Vollendung, 20. Februar 2007
"In dem wogenden Schwall, in dem tönenden Schall, in des Weltatems wehendem All, ertrinken, versinken, unbewusst, höchste Lust!" Mit diesen letzten Worten sinkt Isolde mit der Gewissheit von der Unsterblichkeit ihrer Liebe über Tristan zusammen, um auf Ewig im Tode mit ihm vereinigt zu sein. Jene fernen Sphären, die Wagners Musik in diesem Augenblick zu streifen vermag, können mit Worten nicht beschrieben werden.
Karl Böhm ist mit dieser Einspielung eine dem Meister würdige Interpretation gelungen, die wie gesagt dazu im Stande ist, jene hohen Sphären dem Hörer zu öffnen. Mit Ehrfurcht vor der Partitur ist Böhm an das Werk herangegangen und hat sie bis ins kleinste Detail ausgeleuchtet, um das Maximum aus der Musik herauszuholen. Das Bayreuther Festspielorchester ist nur selten so fasettenreich zu erleben, doch vor allem das Sängerensemble macht diese Aufnahem zur Referenzaufnahme des Tristan. Allen voran Birgit Nilsson, die den Hörer mit ihrer metallisch kernigen, doch niemals körperlosen Stimmführung begeistert. Vor allem aber ihre Höhe ist technisch so brilliant wie bei kaum einer anderen Sängerpersönlichkeit. Mit Leichtigkeit, die sie vor allem ihrem brillianten Stimmsitz zu verdanken hat, schmettern einem die aus Schönheit durch Mark und Bein gehenden hohen Töne um die Ohren. Doch dieser Isolde steht mit Wolfgang Windgassen ein mindestens genau so guter Tristan gegenüber. Seine Stimme ist zwar nicht ebenso strahlend wie die der Nilsson und seine hohen Töne wirken manchmal etwas gepresst, doch ist er für sie ein würdiger Partner. Christa Ludwigs Brangäne ist schlicht weg genial, ebenfalls Eberhard Waechter als Kurwenal, Martti Talvelas König Marke und Peter Schreier als junger Seemann. Wenn also eine Aufnahme von "Tristan und Isolde", dann diese!
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