Kundenmeinungen
Hörenswerte Einspielungen mit kleineren Mängeln, 21. November 2007
Herausragendes Stück der Einspielung ist zweifellos Liszts h-moll Sonate. Bei der Ungarischen Rhapsodie verschluckt Argerich einige rhytmische Feinheiten gerade in den Anfangspassagen. Es ist aber vielleicht auch von Vorteil, dass die damalige Aufnahmetechnik noch nicht sämtliche Huscher, die objektiven pianistischen Schwierigkeiten geschuldet sind, wegretuschierte. "Jeux D'Eau" ist sehr schön, aber extrem subjektiv gespielt, kommt aber gerade deswegen nicht an Gilels schwer zu übertreffende Aufnahme heran: bei "Wasserspielen" gibt es nun einmal keine Geschwindigkeitsschwankungen; dies ist kein Stück über subjektive Stimmungen, sondern über Lichtreflexionen. Chopin wird so gespielt, wie von einer Chopin-Preis-Gewinnerin zu erwarten, ein Vergleich der Barcarole mit der von Harasiewicz hilft allerdings, dies ein wenig zu relativieren. Statt der unreif gespielten Brahms-Stücke wäre besser die Schumann-Sonate ausgewählt worden, die sich auf der LP mit der Liszt-Sonate befand.
"typisch Argerich", 12. Oktober 2007
Diese CD zeigt die typischen Eigenschaften von Argerichs Spiel (im Studio) , wie sie später vielleicht noch extremer wurden: tigerhaftes Temperament und unglaubliche Oktaven sowie geniale Momentaufnahmen bei schlampigem Pedalgebrauch und unrhythmischem Vernuscheln vieler Details, man merkt einfach immer, dass vieles aus dem Moment geboren ist, was auch spontan und überraschend sein kann, aber leider manchmal auch einfach nicht durchdacht und ohne musikalische Linie. Manches ist einfach nur schnell ohne Sinn zu ergeben, manche Endungen sind mit Pedal aufgeweicht (Sonate !), obwohl nicht nur Punkte, sondern sogar Keile notiert sind.Aufregend ist das, aber viele Pianistenkollegen haben musikalisch und technisch besser gespielt. Argerich sollte man live hören, im Konzert ist ihre Magie bezwingend, bei Studioaufnahmen sind die Schlampereien doch ein bißchen zuviel.
Das haut einen um!, 13. November 2006
Martha Argerich Debüt-Platte von 1960: Hinreißende, umwerfende Zeugnisse einer blutjungen, damals gerade knapp 20-jährigen Ausnahmekünstlerin. Noch heute, über 40 Jahre später, hält man schier den Atem an, wenn man diese CD anhört. Serge Prokofievs Toccata oder die Jeux d'eau von Maurice Ravel sind einfach in dieser Interpretation nicht zu toppen. Auch Liszts Ungarische Rhapsodie Nr. 6 wird in gut sechs Minuten wie ein Feuerwerk abgebrannt. Das ist Klavierartistik in Reinkultur.Als "Zugabe" bringt die CD noch die große Klaviersonate h-moll von Franz Liszt, die Martha Argerich 1971 eingespielt hat, eine absolute Spitzenleistung, großartig und unverwechselbar, mit den Aufnahmen von Svjatoslav Richter, Claudio Arrau (beide Philips), Artur Rubinstein oder Emil Gilels (beide RCA) in eine Reihe gehörig und doch von einem jugendlichen Feuereifer beseelt, den die abgeklärten großen Pianisten so nicht ganz zu entfachen vermochten. Einzig die 1932er Einspielung von Vladimir Horowitz (EMI) läuft "außer Konkurrenz" und stände auf derselben Stufe, wenn nicht die Aufnahmetechnik der 1930er Jahre für heutige Ohren erbärmlich klänge.Die DGG hat die Argerich-Produktionen digital ausgezeichnet re-mastered, und es liegt ein sehr gutes Booklet der CD bei. Ein würdiges Stück in der verdienstvollen "Originals"-Serie.
Es knallt wie nie zuvor, 23. Januar 2006
Die vorliegende Cd zeigt die besten Seiten der argentinischen Kultpianistin Martha Argerich. Die feurige Grande Dame der Klavierkunst zeigt in diesen Aufnahmen ganz deutlich, daß kein anderer Pianist ihr in Sachen Technik, Temperament, Darbietungereichtum das Wasser reichen kann. Und tatsächlich wer schafft es der prokofievschen Toccata einen solchen Klang zu verpassen? Wer ist in der Lage Liszt 6. Rhapsodie mit diesem Feuer,raffinierten Staccati und in diesem Wahnsinnstempo zu spielen? Und in den Rhapsodien op.79 von Brahms trifft sie genau den richtigen Klang, der an einen spätherbstlichen Sturm erinnert. Nahezu unerreichbar ist ihre Interpretation der "mörderischen" h-moll Sonate von Liszt.
Diese Cd ist sehr gut geeigent für diejenigenm die Argerich kennenlernen möchten...und ein Muss für all ihre Fans.
Unglaublich..., 12. Juli 2004
Auf der Suche nach der richtigen Interpretation von Liszts h-Moll Sonate muss man früher oder später auf Martha Argerich stoßen. Die Aufnahme ist einfach eine Sensation. Die Sicherheit, mit der sie durch die Takte fliegt, wie sie zwischen brachialer Gewalt und zarter Melodie hin und her wechseln kann begeistert mit Sicherheit jeden. Dabei ist die Interpretation nicht einfach auf Tempo anngelegt. Sie liefert wirklich ein Stück aus einem Guss, spannt einen Bogen, der bis zum Ende nicht abreisst. Es gibt wenige Aufnahmen, auf denen das einem Pianisten gelingt. Besonders bemerkenswert finde ich die Dynamik, die Bewegung, die Argerich hervorbringt. Wenn bei vielen Interpreten in den Übergängen Tempi abgebrochen werden und ein neues beginnt, dann ist der Übergang bei dieser Interpretation eine Bewegung. Der Schwung wird weiter gegeben. Dadurch entsteht ein Fluss und ein Zusammenhalt, der anderen sehr fehlt.Die Interpretation von Yundi Li finde ich herausragend wegen des strahlend kalten und perfekten Spiels (ein Rezensent spricht von Fingern, die durch Marmorlocken streichen). Emil Gilels ist sensationell im Cantando espressivo, auch für Argerich unerreichbar. Aber er hat ein paar fürchterliche Patzer bei der Live-Aufnahme. Krystian Zimerman halten viele für die ultimative Aufnahme; ich finde sie dumpf im Ton und insgesamt perfekt aber an keiner Stelle begeisternd. Martha Argerich ist sicher die beeindruckendste. Aber für mich ist das nicht der richtige Liszt-Ton. Jorge Bolet interpretiert Liszt weniger spätromantisch, dafür schon impressionistisch. Sein Spiel ist absolut sauber und die Noten perlen und fließen nur so. Er interpretiert aus meiner Sicht am schlüssigsten. Aber dann wieder Martha Argerich... Unglaublich!
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