Kundenmeinungen
sehr gemischte Tracks und Qualität, 14. Dezember 2007
Bin ein großer Fan von Klezmer Musik und auch von elektronischen Variationen osteuropäischer Musik, wie zB Balkan Beat Box.Bei Shtetl Superstars finden sich jedoch nicht nur hervorragende Stücke in dieser Kategorie (Yuriy Gurzhy und die bereits erwähnten Balkan Beat Box sind natürlich exzellent) sondern auch eher klassischer Klezmer von mitelmäßiger Qualität sowie Hip Hop der einfach nur langweilig ist. Dazu Musik aus Israel, die musikalisch und textliche überhaupt nichts mit Klezmer bzw. osteuropäisch jüdischer Kultur zu tun hat. Das Konzept "alle Stücke sind von Juden" mag dann dahinterstehen, führt aber bei der Vielfalt jüdischer bzw. israelischer Kultur zu einem Sampler, der von den Stilen und der Qualität der Tracks sehr gemischt ist, und das oft nicht im positiven Sinne.Lohnenswert, aber der Wiederhörfaktor hat sich bei mir darauf beschränkt, dass ich das großartige erste Stück auf Festplatte gespeichert habe, Balkan Beat Box sowieso von den zwei Alben höre, und die CD sonst in die untere Hälfte meiner Plattenkiste gelegt habe.
Shtetl-HipHop auf Weltreise, 23. Dezember 2006
Klezmer, wie man ihn noch nie gehört hat!Die Musik des osteuropäischen Schtetl besteigt die Eisenbahn und macht sich auf den Weg, quer durch alle nur vorstellbaren Musikstile: Da gibt es Klezmer in allen vorstellbaren und unvorstellbaren Varianten, mal eher traditionell, oft unterlegt mit Rap; mal lassen der Vordere Orient und Nordafrika fröhlich grüßen, mal der Tango, und dann wieder Reggae mit jiddischem Text, Indio-Flöte und jamaikanischem Rhythmus. Mal fetzt die Musik wie alle Balkan-Orchester zusammen, und dann wieder mutiert der Klezmer zum melancholischen Jazz -- oder aber er variiert Dave Brubecks "Take Five" in bester Klezmer-Manier ("This And That"). Und was immer man gerade hört -- alles ist vom Feinsten!Programmatisch ist der erste Song, "Immigrant Song". Los geht's auf Gleis 10... und wir merken uns: Auch der Klezmer kann den klassischen Dampflok-Sound aufnehmen. Nachgerade "klassische" Klezmermusik mit authentischer Instrumentierung, von Basstuba bis Maultrommel, bildet das Rückgrat zum allerschönsten Rap. Überhaupt, je länger je deutlicher merkt man hier, dass Rap keine Errungenschaft der neusten Neuzeit ist: Egal, ob die Shtetl Superstars eher traditionell aufspielen, oder ob sie den Fiddler von seinem Dach runter- und mitten in die Russendisko reinschicken: Deutlicher wurd's mir noch nie, dass Klezmer-Gesang mehr Rap enthält, als sich die Gralshüter der reinen Lehre oder die typische MTV-Klientel träumen lassen.Wenn dieses Album "nur" Klezmer und HipHop vereinigen würde, wär es zwar auch schon erstklassig, aber die Amsterdam Klezmer Band unter der Regie von Yuriy Gurzhy hat noch viel mehr drauf:Mal klingt ihr HipHop-Klezmer nach allen Bazaren und Kasbahs Nordafrikas, mal atmet die Musik argentinische Tango-Sensucht, mal macht sich zarter Rhythm'n'Blues bemerkbar, mal elegischer Reggae -- alles gespielt mit klassischen Klezmer-Instrumenten... Und dann gibt es diese fulminanten Tracks, in denen der Balkan samt seiner umwerfenden Musik alles und jeden umhaut -- und womöglich gar noch mit spanischer Flamenco-Gitarre harmoniert ("The Souvlak")... So könnte man weitermachen bis zum Umfallen: Klezmer kann klingen wie Underground-Dancefloor in Marrakesch (z.B. in "Lamentation Walloo") oder augenzwinkernd Country-Punk ins Gepäck nehmen ("Adventures Of Rabbi Jacob"). Tolle Jazz-Impressionen in "Gypsy" (Diese Sängerin! Diese Klarinette!) oder eben diese unglaubliche Dave-Brubeck-Hommage in "This And That" wechseln sich ab mit "Never Again", einem Rap, dessen Text die Leidensgeschichte der Juden und insbesondere den Holocaust thematisiert. Nichts für Verfechter der leichten Muse, sondern unglaublich beklemmend. Wer solche schweren Text-Geschütze auffährt, darf sich musikalisch keine Blößen geben. Die Amsterdam Klezmer Band gibt sich keine Blöße, im Gegenteil. Wer hat übrigens das Gerücht in die Welt gesetzt, im HipHop könne man keine ernstzunehmenden Texte erwarten? Dieses Album widerlegt diese Mär Track um Track aufs neue, nicht nur mit "Never Again".Die Musiker der Amsterdam Klezmer Band kennen keine musikalischen Grenzen, können die gute alte "Havana Nagila" mit südamerikanischem Drive unterlegen und einen ganz neuen Text draufpacken -- keine Ahnung, was diese Könner NICHT können! Die CD groovt in allen Musiktraditionen dieser Welt, von melancholischem Largo bis zu überschäumendem Balkan-Furissimo.Auch sprachlich präsentieren sich die Shtetl-Superstars (treffender hätten sie sich nicht nennen können!) unorthodox -- Die Texte wechseln ebenso unbekümmert wie die Musik zwischen den verschiedenen Sprachen: Jiddisch, Russisch, Englisch, Hebräisch. Auch dahinter steckt System; jede dieser Sprachen hat ihre eigene Sprachmelodie, und manche Sprachen lassen einen Song noch hinreißender klingen als die anderen. Bei aller unüberhörbaren Freude am Musizieren: An derlei Details erkennt man, wie intensiv sich die beteiligten Musiker mit ihrer Musik befasst haben, wie durchdacht ihre Musik ist.Wahnsinns-Musik frrrom acrrross de borrrderrline -- diese CD ist ein Muss unter den Müssen!Fünf(zig/hundert/tausend) Sterne!
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