Kundenmeinungen
Kurzweiliges Lesevergnügen, 25. Januar 2008
Stollberg ist ein Wissenschaftler, der stirbt und unerwartet in der Vorhölle landet. Dort trifft er bekannte und berühmte Leidensgenossen, wie Camus, Marx, Nietzsche usw.
Die Erlebnisse in der Vorhölle werden immer wieder durch die unangenehmen Befragungen der Inquisitoren unterbrochen. Irgendwann beschließen die "großen Köpfe" den Aufstand gegen Gott zu proben und durchwandern die verschiedenen Vorhöllen bis zum Thron Gottes.
Fazit: Eine lustige, groteske Reise ins christliche Jenseits. Sicherlich bleiben einige Fragen offen und man hätte den Plot durchaus zu einem dicken Roman ausbauen können, aber das Buch wird ja auch als "Groschenroman" angepriesen. Tatsächlich ist es ein bisschen mehr. Sehr hilfreich ist das Personenregister im Anhang, das einen kurzen Abriss über die im Roman vorkommenden Persönlichkeiten gibt.
Insgesamt ein gelungener Spass, der allerdings mit 16 EUR ein bisschen teuer ausfällt für einen "Groschenroman".
Hm, hm, hm...., 2. Januar 2008
Ja, das Buch ist einerseits etwas ganz Besonderes, leider aber hat es eben den Sprung zur großen Literatur doch nicht geschafft.
Es ist die Geschichte des Jan Stollberg, der während einer antireligiösen Vorlesung stirbt und sich prompt in der christlichen Vorhölle wiederfindet. Alles, was in der Bibel steht, erweist sich als wahr, und er begegnet all jenen, die Gott und die absolute Bedeutung der Bibel ebenfalls geleugnet haben: Dort sind Camus und Nietzsche versammelt, Sartre und Marx und Lenin und Simone de Beauvoir und Schopenhauer. Jan Stollberg und die anderen Inhaftierten entschließen sich: Das beste Argument gegen den Glauben an Gott - ist Gott selbst - dieser ist grausam, und es muss gegen ihn revoltiert werden. Folglich proben die Eingesperrten den Aufstand.
Ein pfiffiger Gedanke, es hätte ein ganz großes Buch werden können. Viele kleine Zitate und Bemerkungen weisen den Autor als Kenner mancher philosophischer Schrift und auf jeden Fall als gewitzten Kritiker der christlichen Religion aus.
Dennoch: Das Buch ist keine 'große Literatur'. Warum nicht? Erstens ist der Stil meines Erachtens nicht ausreichend. Worte wie 'kotzen' statt 'sich übergeben' etc. lassen den Leser oft vom Text ein wenig abgestoßen zurück. Zu viel plakative Sexualität führt den Leser gar in die Schundheftchenecke. Nein, genau das, was große Literatur ausmacht, dass sie verschweigt, wo alles gesagt ist, dass sie andeutet, wo die Gedanken farbig werden - all das hat der Autor hier leider nicht beachtet. Wollte er es so? Dann gehört das Buch zur innovativen "Ausprobierliteratur" unserer modernen Tage, wie wir sie in unterirdischen Dichterzirkeln hören und die zurecht oft als zweifelhaft bezeichnet wird. Wollte der Autor provozieren? In der Zeit einer ständigen Provokation auf allen Theaterbühnen und in vielen Büchern wird die Provokation als Mittel an sich langweilig. Das wäre dann nicht nötig gewesen und auch nicht neu.
Dennoch. Ein nettes Buch, zeitweise sehr spannend und mitreissend geschrieben und im Rahmen der Religionskritik sicher auch einmal lesenswert. Ich war durch ein Fernseh-Interview mit dem Autor auf das Buch aufmerksam geworden und halte ihn für einen sehr klugen Mann, der durch Lebenserfahrung auf seinen Weg gelangt ist und nun durch kluge Worte andere anleitet. Er hat mich beeindruckt. Das Buch zeigt aber auch, was sich im Interview ebenfalls zeigte: wie jung der Autor noch ist. Und dass die Mäßigung, die auch dem größten Denker oder Agitator nichts von seiner Macht nehmen muss - im Gegenteil! - ihm irgendwie noch fehlt. Da wird noch erklärt, wo alles klar ist. Da wird die Nazizeit und Auschwitz aufgetischt, wo ein einfacher Stacheldraht alles gesagt hätte. Da sagt Nietzsche immer noch mehr Worte gegen Gott, und ist immer noch wahnsinniger als zuvor...
Trotzdem - von diesem Autor kann man gespannt auf mehr warten. Ich freue mich auf sein nächstes Buch.
Insgesamt lesenswert, mit kleinen stilistischen und inhaltlichen Abstrichen: 3 Sterne.
Eine gute Idee! Die Umsetzung war nicht so toll., 15. Februar 2007
Wie gesagt, die Idee, also mit der Hölle, den Philosophen usw., ist richtig Klasse. Auch die Religionskritik ist meiner Meinung nach gut untergebracht. Für mich allerdings zu einseitig, da die Kritik meist nur auf den christlichen Gott gerichtet ist. Auch die Vorhölle der Unkeuschen ist für mich ein Wenig zu hart und hätte nicht ganz so drastisch geschildert sein müssen. Die Liebesbeziehungen die Jan zu Elly aufbaut, geht mir zu sehr nach einem viel zu oft gebrauchten, alten schema, ist für mich ein bisschen plump und scheint nach meinem Empfinden nur da zu sein, damit Jan's "Leben" zum Schluss doch noch einen Sinn bekommt. Auch unter dem Klappentext steht, dass dieses Buch einen rasanten Überblick über 500 Jahre Kulturgeschichte gibt; Wenn man kein Wissen über die besagten Philosophen hat, weiß man nach dem Buch kaum mehr über Geschichte als vorher. Mein Fazit deshalb: Kann man kaufen, ist aber nicht umbedingt notwendig.
Die Vision eines Religionskritikers, 14. Januar 2007
Stollbergs Inferno handelt um die Vorstellung eines Religionskritikers über das Jenseits, die Idee dass der Mensch kurz vor seinem Tod den Inhalt seinens Lebens noch einmal vor Augen sieht wird auf die Vorstellung der Irrtümer und Ungereimtheiten des Christentums projeziert, wodurch ein polemisches Gebilde eines paradoxen Jenseits ensteht.
Im Grunde genommen könnte das Buch genauso als Propaganda für das "wahre Christentum" oder religionslos einfach nur den "Liebenden Gott" gehalten werden da es unverblühmt auch die Aggression von Atheisten gegen religiöse Vorstellungen darstellt.
Das Buch ist einfach zu lesen, stellenweise ein wenig flach, im großen und ganzen aber zufriedenstellend. Ich vermute das einige der vorigen Bewerter das Buch nicht zuende lasen und daher nicht wissen dass Jan Stollberg alles in seinen letzen Lebensminuten erträumte um sein bisheriges Leben zu verarbeiten.
Zur Hölle mit der Hölle, 5. Januar 2007
Ein einfallsreicher Aufstand gegen den christlichen Gott in seiner biblischen Originalversion, das ist Stollbergs Inferno.
Der Haupt-Handlungsstrang mag dabei "trivial" sein, wobei man einen solchen kaum im durchschnittlichen Heimatroman erblicken wird: In der schlimmsten Vorhölle treffen atheistische Philosophen aufeinander und zetteln eine Revolution gegen Gott an, der die Seelen der Un- und Halbgläubigen foltert. In den Himmel, wie ihn sich die Bibel vorstellt, kommt nämlich so gut wie niemand, weshalb fast die ganze Menschheit letztlich in der Hölle landet.
Es kommen viele Philosophen als Charaktere in diesem Buch vor. Um sie "lebendig zu machen" sind 240 Seiten vielleicht nicht genug, aber ihre Ansichten werden durchaus korrekt wiedergegeben. Es ist gar nicht nötig, etwa Nietzsche oder Albert Camus ungläubige Ansichten in den Mund zu legen, denn sie waren nun einmal Atheisten. Es gab nicht viele große Denker, die tief religiös waren. Warum wohl? Mit den Quellen wird also korrekt umgegangen, mit Nietzsche ist sogar ein besonders amüsanter Charakter gelungen.
Ob man etwas mit der Handlung anfangen kann, in der sich Atheisten durch die Hölle bis hoch zu Gott durchkämpfen, das ist immer subjektiv. Mir hat diese Idee gut gefallen, denn sie ist wenigstens ehrlich und nicht halb-aufgeklärt oder halbreligiös. Im Detail jedenfalls ist das Buch anspruchsvoll und stilistisch leicht zu genießen.
Klar, kaum jemand in unserem Kulturkreis glaubt heutzutage noch an die Hölle und an den biblischen Gott. Umso geeigneter ist Stollbergs Inferno, um eine wichtige Frage aufzuwerfen: Ist es überhaupt sinnvoll, sich noch als Christ zu bezeichnen, wenn man all diese Dinge nicht glaubt?
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