Kundenmeinungen
Antidot, 4. Februar 2008
1. Kritisiert wird, das Ferkelbuch bediene sich einer Ironie, die Kinder nicht verstünden. Rückmeldungen von Kindern, mit denen ich das Buch angesehen habe, weisen nicht darauf hin. Sie verstehen nicht alles auf Anhieb, wenn's ihnen aber erklärt wird - vorausgesetzt, der/die Erwachsene versteht die verschiedenen Ironieebenen des Buches selber -, verstehen sie es auch.
2. Kritisiert wird, das Buch behaupte falsche Dinge. Stimmt, Schweine und Igel sprechen in der Tat eher selten in Menschensprache, sie suchen auch selten nach Gott. Wie ist es im Übrigen mit der Schöpfungsgeschichte? Engel, Teufel, Adam&Eva? Sintflut? Jungfrauengeburt? Auferstehung von den Toten? Lourdes? Padre Pio?
3. Kritisiert wird, das Buch missbrauche durch seinen ironischen Ansatz und bewusst falsche Behauptungen das Vertrauen der Kinder und indoktriniert sie. Lächerlicher geht's wohl nicht: Das Buch klärt auf und immunisiert gegen Indoktrinierungsversuche von Religions- und Bibelunterricht.
4. Kritisiert wird, das Buch vermittle ein oberflächliches, dilettantisch gezeichnetes Bild von Religion. Tatsächlich vermittelt der übliche Religionsunterricht ein verzerrtes Bild von Religion, indem er genau das, was das Ferkelnbuch zutreffend zeigt, nämlich deren strukturelles Gewaltwesen - sprich: all die Rachsucht, den Neid, die Eifersucht usw. des/der immer nur als gütig und liebevoll skizzierten Gottes/Götter samt seiner/ihrer jeweiligen Priesterschaft - unterschlägt.
4. Kritisiert wird, Kirchen, Synagogen, Moscheen würden als Geisterhäuser disqualifiziert. . Was sind sie denn sonst, als Häuser, in denen immaterielle Wesen (=Geister) verehrt werden. Um die bloße Architektur oder Ästhetik einer gotischen Kathedrale, einer klassizistischen Synagoge oder einer marokkanischen Moschee geht es hier nicht.
5. Kritisiert wird, das Buch führe letztlich zu einer Respektlosigkeit der Religion gegenüber, die zu brennenden Synagogen und Moscheen führen könnte. Nein, Kirchen, Moscheen oder Synagogen werden nicht von Atheisten angesteckt, sondern IMMER nur von fanatischen Vertretern ANDERER Religionsüberzeugungen bzw. ANDERER Götter.
6. Kritisiert wird, das Buch verkörpere eine intolerante, gehässige Haltung gegen Fremde und Fremdes. Ganz im Gegenteil, das Buch vermittelt Offenheit und Neugier, Fremdes kennelernen zu wollen ("Wo bitte geht's zu Gott?"), zugleich aber auch die Fähigkeit, Brauchbares von Unbrauchbarem zu unterscheiden und letzteres nicht zu übernehmen.
7. Kritisiert wird, die Bilder seien judenfeindlich und fremdenfeindlich. Tatsache ist, dass sie je EINEN unsympathischen Bischof, Islamgelehrten und Rabbiner darstellen, sonst gar nichts. Wer beim Bild eines Rabbiners mit Stopsellocken, der sich mit einem Bischof im Talar und einem Mufti mit Turban eine Rauferei um die "wahre Religion" liefert, Nazi- oder Stürmerassoziationen hat, sollte mal zum Psychiater gehen. (Nicht mal der Zentralrat der Juden kann Antisemitisches darin entdecken!)
Das Buch ist ein hervorragendes Antidot gegen religiöse Indoktrination in Kindergarten und Vorschule. Gerade deshalb wollen kirchliche Kreise es ja verbieten lassen.
Wirklich kritisch?, 4. Februar 2008
Falls Sie ein aufgeklärter, moderner, kritischer Mensch sind, muss ich Sie leider bitten, ab hier nicht mehr weiter zu lesen. Denn ich bin religiös, und damit bin ich natürlich gemäß der Homepage des Autors eine ebenso rückständige wie dumme und lächerliche Figur.
Sie lesen weiter? Vielen Dank, aber Sie wissen jetzt, was sie tun.
1. Pädagogik. Das Buch ist voll Ironie. Allerdings weiß jede Entwicklungspsychologie, dass Kinder bis zur Pubertät Ironie nicht verstehen können. Sie nehmen alles ernst. Schon von daher ist das Bilderbuch allenfalls ein Buch für Erwachsene. Ferner werden falsche Dinge behauptet (dass Nichtjuden nicht in die Synagoge dürfen u.a.). Das darf einem Kinderbuch nicht passieren. Denn Kinder haben ein tiefes Vertrauen in das, was sie lesen. Kritik: Das Buch missbraucht durch seinen ironischen Ansatz und bewusst falschen Behauptungen das Vertrauen der Kinder und indoktriniert sie.
2. Religionswissenschaft. Die Bemerkung, dass Mohammed vielleicht kein Prophet gewesen sei, sondern die Leute auf den Arm genommen und alles nur erfunden habe, spiegelt religionswissenschaftliche Ahnungslosigkeit. Sie unterstellt, dass sich jemand Religion ausdenken könne. Das ist ein Griff in die Mottenkiste antireligiöser Agitation. Kein seriöser Wissenschaftler wird so etwas behaupten. Kritik: Das Buch vermittelt ein oberflächliches, dilettantisch gezeichnetes Bild von Religion.
3. Kultur. Kirchen, Synagogen, Moscheen werden als Geisterhäuser disqualifiziert, wo sich graue Dummheit, falsche Freundlichkeit und geballte Aggression versammeln. Wie soll ein Kind da Staunen und Freude an der Schönheit und Kunst einer gotischen Kathedrale, einer klassizistischen Synagoge oder einer marokkanischen Moschee entwickeln? Das gleiche gilt für den respektlos banalen Umgang mit uralten Geschichten der Menschheit wie der Sintflut, die ja nicht nur in der Bibel, sondern auch im Gilgamesch-Epos überliefert ist. Kritik: Das Buch beschränkt die Freiheit der Kinder, Kulturgut unvoreingenommen zu entdecken und wertzuschätzen. Und ist die Sorge wirklich übertrieben, dass diese Respektlosigkeit zu brennenden Synagogen und Moscheen führen könnte?
4. Haltung. Das Buch verkörpert eine intolerante, gehässige Haltung gegen Fremde und Fremdes. Die Bilder finde ich judenfeindlich und fremdenfeindlich, z.B. die geifernden Türken in der Moschee. Autor und Illustrator verteidigen sich verzweifelt damit, alle drei Religionen lächerlich zu machen. Aber in Umfeld der Kinder sind Mufti und orthodoxer Rabbi nun mal Symbole des Fremden. Nicht nochmals erwähnen möchte ich die historische Nähe der Zeichnungen zu NS-Propaganda. Kritik: Die latente Fremdenfeindlichkeit in einem Kinderbuch finde ich schlicht gefährlich.
5.Virtueller Vergleich. Stellen Sie sich vor, ein katholischer Autor veröffentlichte in einem katholischen Verlag mit bischöflicher Druckerlaubnis dieses Buch, nur statt des Priesters erschiene neben Mufti und Rabbi ein Marxist mit Maomütze und Luxuslimousine, der der arbeitenden Klasse Trabi predigte und mit Gulag drohte. Die Entrüstung wäre zu Recht groß! Oder: Im Religionsunterricht meiner Kinder bespräche der Lehrer das Buch. Ich würde die Christentumskritik ja noch akzeptieren, denn Selbstkritik wird ja christlich-jüdisch seit jeher kultiviert (Propheten). Aber wegen der Darstellung von Jude und Moslem bäte ich um ein Elterngespräch und verbäte mir solch einen respektlosen Umgang mit Andersgläubigen.
Summa: Als Kinderbuch unzumutbar, als Beitrag zur Auseinandersetzung mit Religion unbrauchbar, allenfalls für erwachsene Verächter der Religion erbaulich und für erwachsene Verfechter der Religion zur sanften Beruhigung geeignet, auf welch niedrigem Niveau ihre Kritiker Bilderbücher machen.
Positiv, das was es sein soll !, 3. Februar 2008
Nachdem ich mir das kloine Schwoinchen gekauft hatte, um es meinen Neffen zu schenken, hab ich natürlich versucht, die Kritiken daran zu überprüfen. So wurde das Buch nach meiner Meinung nicht geschrieben, um religiösen Menschen auf den Schlips zu treten, sondern um noch nicht religiös vorgeprägten Kindern eine kritischere Betrachtungsweise zu ermöglichen. Ich denke, -aus der täglichen Realität- betrachtet, keineswegs als dogmatisch atheistisch. Die letztendlichen Aussagen sind stringent dargelegt, dass es nicht ratsam sei, sich auf die Macht-Interessen religiöser Institutionen einzulassen UND eventuell sogar, dass sich Gott nicht in deren mächtigen Gebäuden aufhält (eher in der Natur und dem Leben an sich) und keineswegs antisemitisch, wie eventuelle Interessengruppen versuchen politisch mit Hinweis auf Nazi-Propaganda - umzudeuten!
Leider ist den durchschnittlich deutschen Staatsbürgern, die hier instrumentalisiert werden sollen, das typische Erscheinungsbild orthodoxer jüdischer Gläubigen - aus bekannten Gründen, die für dieses Land selbstverständlich bedauert werden müssen - nicht bekannt. Aber gottseidank für jeden international Reisenden von Flughäfen oder Stadtvierteln eine völlig normale und selbstverständliche Begegnung.
Meine Neffen haben das Büchlein ohne sonstigen Schaden zu nehmen, interessiert und entscheidungsoffen aufgenommen.
Das war schon lange fällig..., 2. Februar 2008
Dieses Buch stellt eine intelligente und zeitgemäße Antwort auf alle religiös angehauchten Kinderbücher dar!
Wer seine Kinder nicht mittels beängstigender und irrealer Übermächte, welche sich herausnehmen mal eben die ganze Welt zu fluten nur weil sich die eigene Schöpfung nicht so entwickelt hat wie es wohl gewollt war, erziehen will kann mit diesem Buch keinen Fehler machen.
Das Werk stellt keine Hetze gegen diese Religionen dar, sondern läd vielmehr zum Nachdenken ein und dürfte dabei behilflich sein nicht alles zu schlucken was weltfremde Priester schon den Jüngsten einzutrichtern versuchen. Wenn etwas angegriffen wird, dann vielmehr die von sich selbst eingenommenen und rechthaberischen Kirchen der drei Weltreligionen...was den Kirchenoberhäuptern wohl ein Dorn im Auge, ein Grund Druck auszuüben ist - oder wie erklärt man sich das lächerliche Indizierungsgesuch des Familienministeriums ?
Die Meinungen mancher Kritiker, der Deutsche "dürfe" aufgrund vergangener Vorfälle bloß keine (berechtigte) Kritik dem Judentum gegenüber äussern, sind einfach unhaltbar. Diese Religion wird nicht speziell herausgepickt sondern gleichberechtigt und gleichgestellt mit Christentum und Islam "durch den Kakao gezogen". Wobei sich hier auch die Frage stellt ob es nicht vielmehr die Religionen selbst sind, welche sich oftmals der Lächerlichkeit preisgeben...
Abgrenzung gegen das Fremde, Rabbiner, 2. Februar 2008
Zur Religion und Religiösität mag jeder stehen, wie er will. Ob ein Buch dagegen oder dafür ist, soll daher letztlich meine Bewertung genauso wenig mindern, wie es die meisten anderen Bewertungen in die Höhe gezogen hat. Allerdings bin ich der Auffassung, daß nach der nationalsozialistischen Vergangenheit so nicht mehr mit den jüdischen Mitbürgern umgegangen werden darf. Im Buch begegnet ein sympathisches kleines europäisches Schwein einem merkwürdigen Rabbiner, der das Andere und Fremde symbolisiert (und für den das Ferkel und damit die Identifikationsfigur der lesenden Kinder religiös unrein wäre). Danach grenzt sich das Ferkel vom Anderen und Fremden ab. Natürlich nicht Antisemitismus, sondern nur gut gemeinte Religionskritik, die Kinder werden ja ein hervorragendes Differenzierungsvermögen haben und das alles schon auseinanderhalten!?
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