Kundenmeinungen
Spannende Geduldsprobe, 22. März 2008
Spannend lesen sich die ersten Seiten und auch das erste Beispiel, danach ermüdet das Wiederholen der gleichen Phänomene zunehmend. Knapp die erste Hälfte der immerhin 330 Seiten widmet Gerd Gigerenzer sich dem Mammographiescreening, weswegen man geneigt ist, den Buchtitel zu überprüfen, ob man nicht ein falsches Buch gewählt hat. Es liest sich streckenweise wie eine Abhandlung über Mammographiescreening, wird dann mit Prostatakrebsscreening und HIV-Tests etwas abgewechselt und man fasst neuen Mut, dass es nun wieder spannend wird. An Gedanken zu O.J.Simpsons Gerichtsprozess und den Wahrscheinlichkeitsberechnungen dieses Indizienprozesses schließt sich ein lamoriantes Beklagen von statistischem Unwissen bei Ärzten, Juristen und Beratern an. Außerdem wird ausführlich behandelt, dass Patienten vom Arzt Sicherheit in der Diagnose erwarten und ob diese Beruhigung vom Arzt geliefert oder eher über Risiken aufgeklärt werden sollte. Die Menge der Erwähnung von 'falsch-positiv', 'Zahlenblindheit' und 'Relative Wahrscheinlichkeit' sollte gesetzlich limitiert werden. Spätestens nach der fünften Erklärung begreift es auch der langsamste Denker. Die Beispiele werden mit vielen Bezügen rosenkranzähnlich wiederkehrend geleiert. Trotz Einteilung in thematische Kapitel, wirkt der Inhalt ziemlich unstrukturiert und schwer nachzuschlagen, wenn man doch noch einmal etwas nachlesen möchte. Nicht nur von den Beispielen her wirkt das Buch sehr amerikanisch. Hat man sich tapfer bis Kapitel 13 vorgekämpft, erfährt man wie man andere hinters Licht führt und wird mit ein paar amüsanten Aufgaben belohnt. Gerd Gigerenzer hätte dieses Buch auch in 50-80 Seiten zusammenfassen können und dann wäre es wirklich spannend gewesen. So ist es einfach enttäuschend angesichts des spannenden Titels.
...komplexe Zusammenhänge als Geschichte zu erzählt..., 27. Juni 2007
Statistiken zu verstehen ist nicht jedem gegeben. Das diese aber in der Regel nur der Täuschung dienen, ist bekannt. Dieses Buch zeigt, wie wichtig es ist, komplexe Zusammenhänge als Geschichte zu erzählen.Zahlensalat wird an Hand von Beispielen nachvollziehbar bzw. entsteht erst gar nicht im Kopf.In diesem Buch geht es nicht darum, Statistiken zu verteufeln, sondern diese besser interpretieren zu können.Das scheinbar Langweilige wird dadurch spannend.
Lass Dich von Statistiken nicht auf's Kreuz legen!, 26. Januar 2007
Es geht hier um die Entlarvung von Denkfehlern (unserer Denkfehler!) bei der Beurteilung statistischer Daten. Gerd Gigerenzer gehört zu den renommiertesten deutschen Psychologen. Vielleicht konnte ihm deshalb das gelingen, was unseren Mathematiklehrern oft nicht gelang: Mathematisches verständlich darzustellen. Gigerenzer's Ziel war es, leicht verständliche Regeln zu vermitteln, mit deren Hilfe Patienten, Ärzte und Juristen die Aussagen statistischer Studien besser abschätzen können. An Beispielen, die uns alle angehen zeigt er, was die Zahlen wirklich bedeuten und wie wir vermeiden können einem Trugschluss aufzusitzen, oder uns aufs Kreuz legen zu lassen.Warum tun wir uns mit Statistik so schwer?Gerd Gigerenzer verweist auf zwei Hauptgründe. Zum einen erliegen wir allzu leicht der Illusion von "Gewissheit". Wir wollen Gewissheit. Zum anderen sind Statistiken eine eher neuere Errungenschaft; in der Öffentlichkeit spielen sie erst seit etwa hundert Jahren eine Rolle. Wir sind im Umgang damit nicht geübt. Und in der Schule lernen wir ihn auch kaum.Kein trockener Zahlensalat.Wer hier trockenen Zahlensalat erwartet, wird enttäuscht werden. Die Beispiele sind es, die das Buch spannend machen: Beispiele aus dem richtigen Leben. Es geht um euphorische Darstellungen der Pharmaindustrie, um Brustkrebs-Screening, HIV-Tests und um Rechtssprechung (Zahlen, die bei Indizienprozessen herangezogen werden). Gerd Gigerenzer bespricht die Ausgangszahlen und zeigt, wie leicht (und häufig!) diese falsch interpretiert werden; zum Teil mit verheerenden Folgen. Und er zeigt uns, wie wir die Zahlen RICHTIG interpretieren. Ohne höhere Mathematik.Das Denken nicht den Pferden überlassen.Ein ausgesprochen "erhellendes" Buch. Nicht ganz schnell zu lesen, da man mitdenken muss. Wer es nur überfliegt, merkt es spätestens bei den "Aufgaben", wie die Illusionsfalle wieder zuschnappt. Das Buch hat einen besonderen Wert vor allem für diejenigen, die keine gründliche Statistik-Ausbildung genossen haben (das dürften ziemlich viele sein), aber im Alltag den angebotenen Zahlen nicht hilflos gegenüberstehen wollen. Oder, anders gesagt: Das Buch gehört in das Bücherregal (und in den Kopf) eines Menschen, der das Denken nicht den Pferden überlassen möchte.
Viele Seiten, wenig Inhalt, 29. Oktober 2002
Als Wissenschaftler, der täglich mit Statistiken und Bewertungen von Risiken und Chancen medizinischer Therapien befasst ist, erhoffte ich mir von diesem Buch einen besseren Einblick in die Trickkiste kreativer statistischer Darstellungen. Den habe ich auch bekommen - genau gesagt in dem Kasten auf Seite 57. Der Rest ist Wiederholung und liest sich in weiten Teilen als ein deplatziert wirkendes, flammendes Plädoyer gegen die Mammographie. Allein die ersten 160 von 330 Seiten befassen sich in endlosen Variationen fast nur mit diesem Thema. Bei allem Verständnis für den Versuch, dem Leser ein Gefühl für reale und eingebildete Risiken zu vermitteln - diese Art der Darstellung ist langweilig und kontraproduktiv, abgesehen davon, dass das eigentliche Ziel des Buches auf der Strecke bleibt. Wobei das Anliegen des Autors möglicherweise auch illusorisch ist. Aufklärung des Patienten ist wichtig und tut not, setzt aber rational denkende Patienten voraus.Dem Leser, der wirklich etwas zur Einschätzung individueller Risiken erfahren möchte, sei das Buch "Das Risiko der Sicherheit" von Klaus Heilmann ans Herz gelegt. Weniger Seiten zwar, dafür aber deutlich gehaltvoller und spannender zu lesen.
Wer die Häufigkeit nicht ehrt, ist der Prozente nicht wert, 13. Mai 2002
Ich habe als Informatiker eine durchaus solide mathematische Grundausbildung und auch einen guten Zugang zur Alltagsstatistik. Dennoch hat mir dieses Buch von Gerd Gigerenzer den "Lügenfaktor" und "Verschleierungscharakter" vieler statistischer Aussagen nochmals klar vor Augen geführt.
Ein wichtiges Buch, das zu lesen ich auch jenem Arzt rate, der sich über meine Bedenken zur 6-fach-Impfung meiner kleinen Tochter mokierte, weil ich den aus seiner Sicht wohl überflüssigen und untauglichen Versuch unternommen hatte, das Risiko solcher Impfungen aus medizinischen Studien und den darin enthaltenen Prozentwüsten zu destillieren. Trotz des oft leichtfertigen und auch unverantwortlichen Umgangs mit Zahlen durch Medien und Fachleute verteufelt Gigerenzer keineswegs den Wert statistischer Daten. Er zeigt aber deutlich auf, welche psychologischen und mathematischen Fallen vermieden werden müssen, um die richtigen Schlüsse daraus zu ziehen. Als Zeitungsleser, Nachrichtenseher und selbstbestimmter Mensch sollte man sich für dieses Buch ein paar Stunden Zeit nehmen. Schon nach der Lektüre der ersten Kapitel kann man statistische Aussagen und darauf basierende Empfehlungen besser interpretieren und blickt sozusagen von einer höheren Warte aus auf die Niederungen der Zahlenspielereien. Als Ergänzungsliteratur kann ich folgendes Buch empfehlen: "The Visual Display of Quantitative Information" von Edward R. Tufte
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