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Zwei Frauen in der Realität des Islam, 31. Januar 2008
Die Geschichte seiner Heimat Afghanistan lässt Khaled Hosseini nicht los. Mit dem Romandebüt "Drachenläufer" landete er einen weltweiten Erfolg, der vor allem durch persönliche Weiterempfehlungen der begeisterten Leser zustande kam. Sein neuer Roman "Tausend strahlende Sonnen" spielt ebenfalls in Afghanistan und erzählt vor dem Hintergrund der wechselvollen Geschichte dieses zerstörten Landes das Leben zweier Frauen mit ganz unterschiedlicher Herkunft.
Mariam wird 1959 als uneheliches Kind geboren. Ihre Mutter wird außerhalb des Anwesens der Großfamilie in einer armseligen Hütte untergebracht, denn der Vater hat mit seinen drei anderen Frauen und deren Kinder schon genug Mäuler zu versorgen. Doch immer wenn er zu seinen wöchentlichen Besuchen über den Fluss kommt, wartet Mariam ungeduldig auf ihn. Er erzählt von der wunderbaren Stadt Herat und bringt Abwechslung in Mariams kleine Welt. Als sie jedoch wirklich seine Hilfe braucht, versagt dieser Mann und greift zu einer für ihn ganz einfachen Lösung: Er verheiratet Mariam, die gerade fünfzehn wurde, mit einem viel älteren Schumacher aus Kabul. Nur schwer findet sie sich mit ihrem Leben als Ehefrau zurecht. Ihr Mann Raschid verlangt von ihr, dass sie die Burka trägt und ihm tadellos den Haushalt führt. Gehorcht sie seinen Wünschen nicht widerspruchslos, bestraft er sie mit brutalen Schlägen.
Das Leben in Kabul verändert sich rasch. 1978 marschieren die Russen in Afghanistan ein und der Krieg hinterlässt Spuren in der Stadt, doch noch verheerender sind die Schäden, als die Mudschaheddin um die Macht kämpfen. Kabul wird zwischen den verfeindeten Warlords aufgeteilt und der Kampf verlagert sich in die einzelnen Viertel und Straßenzüge.
In derselben Straße wie Mariam lebt Laila. Ihr Vater ist Lehrer und er erzieht seine Tochter zu einer selbstbewussten jungen Frau, die später einmal die Universität besuchen soll. Als Lailas Familie bei einem Bombenangriff stirbt, findet sie bei Mariam und ihrem Mann Unterschlupf. Zunächst stehen sich die beiden Frauen feindselig gegenüber, doch schnell solidarisieren sie sich gegen die wachsende Brutalität Raschids, der Laila als Zweitfrau für sich beansprucht. Laila ist von ihrem Jugendfreund Tarik schwanger. Da sie glaubt, dass er getötet wurde, willigt sie widerwillig in die Ehe mit Raschid ein. Mittlerweile sind die Taliban an die Macht gelangt und das Leben für die Frauen wird unerträglich. Sie dürfen das Haus nicht mehr ohne ihren Mann verlassen, Radio und Fernsehen sind verboten, die Kinos geschlossen, an einen Universitätsbesuch ist nicht zu denken.
Das wechselvolle Leben von Mariam und Laila steht im Mittelpunkt von Khaled Hosseinis neuem Roman. Während der "Drachenläufer" eher autobiografische Züge trägt, auch Hosseini ist wie seine Hauptfigur nach Amerika ausgewandert, nimmt er jetzt die weibliche Perspektive ein. Denn vor allem das Leben der Frauen war von den Taliban streng reglementiert. Doch manchmal sind Hosseini die politischen Geschehnisse im Wege und dadurch wirken seine Figuren hölzern in ihren Handlungen. Wer sich jedoch die letzten fünfzig Jahre afghanischer Geschichte noch einmal vor Augen führen möchte, der sollte Mariam und Laila auf ihrem schwierigen Weg begleiten.
Würdiger Nachfolger, 29. Januar 2008
Khaled Hosseini zeigt uns auch in seinem Zweitwerk, dass der moderne Roman in funktioneller Hinsicht nicht vom Aussterben bedroht ist. Diese schicksalhafte Geschichte zweier afghanischer Frauen geht nicht nur frau unter die Haut; und doch ist trotz all der Dramatik stets der logische Aufbau und die Intention der Geschichte zu verfolgen. Sowohl inhaltlich als auch handwerklich ein strahlender Stern am Literaturhimmel.
Es sei verziehen, dass sich der vierte und letzte Teil des Romans zu sehr in die Länge zieht, da der Rest in seiner Komposition einfach hundertprozentig stimmt. Besonders gelungen ist Hosseini wieder einmal die narrative Umsetzung. Anstatt eines Ich-Erzählers (wie in seinem Debüt "Drachenläufer") entscheidet sich der Autor diesmal für zwei personale Erzähler, die in der dritten Person das Handlungs- und Gedankenkonstrukt der zwei Protagonistinnen wiedergeben. Dabei verwischen nie die Grenzen; stets liegt eine klare Abgrenzung beider Erzähler vor.
Interessant gestaltet ist auch die Zueinanderführung beider Hauptfiguren. Im ersten Teil des Romans wird die Vorgeschichte Mariams erzählt, im zweiten Teil die Lailas. Im dritten Teil entsteht somit schon allein durch das Aufeinandertreffen die Ahnung eines sich nähernden Höhepunkts, der durch eben diese Erzähltechnik förmlich explodiert ... doch das lese man selbst.
Eine wirklich solide Leistung eines bemerkenswerten Autors, der einen Hoffnungsschimmer für das Niveau des modernen Romans darstellt.
Haben Sie schon einmal bei einem Film geweint ?, 18. Januar 2008
Haben Sie schon einmal bei einem Film geweint ?
Ja und bei welchem ? "Titanic" ...vielleicht?
Habensie schon einmal beim Lesen eines Buches geweint ?
Ich jetzt zum ersten Mal ! Und nicht nur das ...ich hatte schon lange nicht solchen Höhen und Tiefen wie bei diesem Buch !
Man geht total mit und am Ende ist man traurig wenn man die Geschichte verläßt ich freu mich schon auf das nächste Buch von diesem Schriftsteller ...
Einfach Irre !
Einfühlsamer, ans Herz gehender Lesestoff, 7. Januar 2008
Für mich wars der erste Roman des Autors, ich bin durch eine Zeitschrift auf das Buch aufmerksam geworden und bin dankbar, den Buchtipp nicht überlesen zu haben. Eine Geschichte aus einer völlig anderen Kultur, eine schwer nachvollziehbare Mentalität der Menschen dort. Verachtend die Stellung der Frauen in der Gesellschaft, es schauderte mir manches Mal beim Lesen ... neben allen Dramen, die die beiden Hauptfiguren erleben und erleiden müssen, erfährt man auch noch soviel über Afghanistans Geschichte, die einen mehr als frösteln läßt. Absolut empfehlenswerter Lesestoff !!!
Man freut sich immer auf das Weiterlesen, 24. Dezember 2007
Hosseini schafft es in diesem Roman wieder zu zeigen, wieviel Leid ein Mensch ertragen kann, wie unmenschlich ein Krieg sein kann und wie Menschen es dennoch schaffen können, darin Gutes zu fühlen und zu tun und wieviel Kraft das Gute in Menschen ihnen und anderen geben kann.
Als Leser bekommt man dazu einen guten Einblick und ein Gefühl dafür, was das Land Afghanistan in den letzten Dekaden erleben und ertragen musste.
Ein starker, fesselnder Plot mit sehr lebendig gezeichneten Figuren mit denen der Leser mitleben und -füheln muss. 4 Sterne für dieses Buch, der 5. bleibt trotz allem Lobes seinem Vorgänger "Der Drachenläufer" vorbehalten.
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