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Richard Sennett: HandWerk

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HandWerk

von Richard Sennett

Berlin Verlag

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12/Okt/2008 - 05:47




Kundenmeinungen

produkt bewertung produkt bewertung produkt bewertung produkt bewertung produkt bewertung produkt bewertung  Handwerk: heute und gestern....., 2. Juni 2008

Richard Sennet Handwerk Berlin VerlagISBN 3827000335Handwerk beobachtet im Verlaufe der langen evolutionären, biologischen und menschlichen Geschichte: eine Entwicklungs- und Sozialgeschichte von außergewöhnlicher Dimension.Schon aus der Entwicklungsgeschichte von Kleinkindern wissen wir, dass die motorische Entwicklung mit der geistigen Entwicklung korrespondiert. D. h., wenn ein Kind sprachlich behindert oder entwicklungsverzögert ist, so ist die Behandlung einer motorischen Heilgymnastik das Mittel der Wahl, um die geistige Entwicklung zu fördern.In seinem Buch Handwerk zeichnet Sennet die philosophischen und gedanklichen Überlegungen zur Bedeutung des Handwerks im Zusammenspiel von Körper, Geist und Seele auf. Geist und Körper, Handwerk und Kultur gehen in eins.Sennet bemüht Hannah Arendt und Heidegger, Adam und die Verführung durch Eva im Sündenfall und die griechische Götterwelt, um seine Anschauungen aus verschiedenen Richtungen anzugehen. Homers Hymne auf den Schutzgott der Handwerker, Hephaistos, steht zu Beginn eines Kapitels, in dem der Autor Hephaistos als modernen Gott sowohl für die Weber als auch für den Linux- Programmierer für zuständig erklärt. Hephaistos repräsentiert den Handwerker als Friedensstifter und Schöpfer der Zivilisation.Nicht der Beginn der Zivilisation aber wird mit der Hymne gefeiert, denn die gab es schon lange zuvor. Das Nomadendasein der Menschen endete bereits, als der Mensch sich Handwerkzeug zunutze machen lernte. Das aber setzte Denkleistung und praktische Umsetzung voraus. Sennet vermag ausgezeichnet, Beispiele aus dem Alltagsleben mit theoretischer Anschauung zu verbinden. Er ist ein Meister der praktischen Darstellung und der intellektuellen Verarbeitung seiner Erkenntnisse. Am Beispiel verschiedener Handwerke zeigt er die Möglichkeiten und Widerstände auf, die das Handwerk seinem Schöpfer bietet.Dass Sennet in seinem Buch eine Kulturgeschichte des Handwerks entworfen hat, ist sein Verdienst,---- und ohne Zivilisationskritik ist diese Bilanz nicht möglich. Von der Arbeit in Konkurrenz und der Arbeit als Freude, von ihrer Bedeutung als Identitätsstiftung bis zu ihrer Verfremdung und Entartung hin zu Banalität des Bösen, nachzulesen bei Hannah Arendt, lässt Sennet nichts ungesagt. Für die Gefahren durch menschlichen Forscherdrang steht die Büchse der Pandora. Sie besiegelt die gefährlichen Risiken, die dem Menschen aus den Möglichkeiten seines Schaffens erwachsen können, wenn erst einmal erkannt ist, dass das, was möglich ist, auch machbar ist und zur Zerstörung werden kann.Die Zusammenhänge zwischen Hand - Werk und Zivilisation, zwischen Arbeit, Krieg und Frieden sind erstaunlich. Zur Ergänzung der Erkenntnisse über das Thema Handwerk sind Schriften wie die von Dawkins und Jared Diamond zu empfehlen. Fundiert, leidenschaftlich und durchdrungen von seinem Wissen liest sich das Buch wie alle Werke Sennets gut und eingängig. Für den interessierten Leser bietet das Buch eine Zusammenführung von Wissen und Erkenntnissen über die alte und die moderne Welt und ihre Lebensbedingungen, über ihre Gefahren und ihre Chancen. Sein Plädoyer gilt der Vereinigung von Handwerk und Geist.Richard Sennet ist ein bekannter amerikanischer Soziologe und Kulturhistoriker, der schon u.a. mit seinem Buch < Verfall und Ende des öffentlichen Lebens > kulturanthropologische Betrachtungen von eindringlicher Kraft aufgewiesen hat. Wie fast alle Wissenschaftsautoren amerikanischer Herkunft beherrscht er die Fähigkeit, schwierige Texte anschaulich und eindeutig zu vermitteln. Dass Wissenschaft faszinierend sein kann, das beweist Sennet mit diesem Buch einmal mehr. Es macht Lust auf Wissen, stimmt neugierig und bereichert den Leser um viele einschlägige Erkenntnisse.


produkt bewertung produkt bewertung produkt bewertung produkt bewertung produkt bewertung  Kopfarbeiter schreibt über Handwerker, 29. April 2008

"Ich bin Handwerker", betont mein Grafiker immer wieder. Und er hat wohl Recht, obwohl er vorwiegend Befehle an die Software eines Rechners erteilt. "Ich bin Handwerker", sagt mein Kollege, der soeben einen modernen Sportwagen an das Analysegerät anschliesst, bevor er sich dann unter das Auto legt. Und ich bin Handwerker, erzähle ich mir auch oft selbst, wenn ich an einem Fünfzeiler herumbastle, der auf einem Plakat für Aufmerksamkeit sorgen soll. Richard Sennett sieht sich als Kopfarbeiter, der uns Kultursoziologie näher bringen will. Und das macht er oft auf so spannende und verblüffende Art, dass seine Bücher zu Bestsellern werden. Doch sein neustes Werk hat mich eher enttäuscht. Nicht weil es langweilig oder holperig verfasst worden wäre, sondern weil aus ihm ein Kulturpessimismus spricht, mit dem ich immer weniger anfangen kann. Denn mich interessiert mehr, was sich aus gegebenen Umständen herausholen lässt oder wie das Gegenwärtige aus dem Vergangenen heraus entstanden ist. Doch der Blick von Richard Sennett ist zunehmend rückwärts gerichtet. Und daher lese ich zwischen den Zeilen immer wieder von der guten alten Zeit.Wieso ich dem Buch trotz etlicher Schwierigkeiten bei der Lektüre vier Sterne zubillige hat einen einfachen Grund. Richard Sennett ist eben ein so scharfsinniger Beobachter, dass er mich immer wieder auf Dinge und Zusammenhänge aufmerksam macht, die ich bei anderen Autoren nicht finde. Kurz: Er ermöglicht mir Entdeckungen. Und seine gegenteiligen Meinungen formuliert er so, dass sie Bilder ergeben und Zweifel wecken. Wer allerdings diesen Lesemomenten nicht so grosse Bedeutung beimisst und ein moderneres Bild handwerklichen Tuns hat, wird vom neusten Buch Sennetts eher enttäuscht sein. Irgendwo las ich, dass der Autor in einem Interview sagte, er habe ein positives Werk schreiben wollen. Das ist ihm nach meiner Ansicht nicht geglückt.Mein Fazit: Das neuste Buch von Richard Sennett hinterliess bei mir einen zwiespältigen Eindruck. Viele seiner Thesen und Ansichten überzeugten mich nicht. Vor allem weil sie auf einem Weltbild beruhen, das die reale Arbeitswelt schlecht widerspiegelt und in vielen Aspekten einem Idealismus huldigt, von dem sich Handwerker aus den verschiedensten Gründen grösstenteils verabschiedet haben. Empfehlen möchte ich das Buch nur Lesern, die sich an einem rückwärts gewandten Blick nicht stören und genügend Stehvermögen haben, aus über 400 Seiten die inhaltlichen und formalen Perlen herauszufischen.


produkt bewertung produkt bewertung produkt bewertung produkt bewertung produkt bewertung produkt bewertung  Plädoyer für die gekrümmte Linie, 5. April 2008

"Der klumpfüßige Hephaistos - mit seinem Stolz auf die eigene Arbeit und auch auf sich selbst - ist die würdigste Gestalt, die wer werden können." Mit dieser Reminiszenz an den antiken Gott der Arbeit, endet Sennetts großartige Studie über das Handwerk. Von der mittelalterlichen Goldschmiedewerkstatt bis zum modernen Architekturbüro untersucht er dabei die Fertigkeiten des Menschen. Zu Beginn kritisiert er die seiner Ansicht nach zu schlichte Unterscheidung Hannah Arendts zwischen homo faber und Animal laborans, und bringt den homo ludens ins Spiel. Während Ludwig Wittgenstein in seinem Versuch das perfekte Haus zu bauen scheiterte, weil keine ökonomischen Widerstände vorhanden waren, und Wittgenstein der Obsession unterlag, gelang dem immer wieder spielerisch Grenzen überwindenden Alexander Loos das Kunststück, gute Architektur zu schaffen, ohne die Geldmittel zur Verfügung zu haben, die eigentlich nötig gewesen wären. Für Sennett wird so der spielerische Einsatz des Handwerkers und dessen Kreativität und Fehlerakzeptanz zur eigentlichen Leistung im Gegensatz zu einer rein technokratischen Auffassung, die nur in toter Materie endet. Sennett stellt fünf Grundforderungen an das "gute Handwerk": Einmal Verständnis für die Bedeutung der Skizze. Der gute Handwerker hat ein Bewußtsein dafür, am Anfang noch nicht genau zu wissen, worauf es hinausläuft. Der gute Handwerker soll - Sennetts Ansicht nach - auf Zufall und Beschränkung positiv reagieren können. Sennett warnt vor der Obsession und erläutert den richtigen Umgang mit dieser Leidenschaft. Der gute Handwerker vermeidet Perfektionismus und er weiß, wann es Zeit wird, aufzuhören. Dieses Buch ist ein Plädoyer für interdisziplinäres Denken, für Kreativität und weiche Hierarchien. Ein ausgesprochen lesbares und bereicherndes Buch, ein Buch das Mut macht, sich einzumischen, sich seiner eigenen Fähigkeiten bewußt zu werden. Irren ist menschlich, aber nicht nur das, Irren ist ein kreativer Faktor, ein wichtiges Element im Gelingen einer guten Arbeit. Der Zwangscharakter, den Arbeit manchmal hat, zerstört die Freude am eigenen Tun und demoralisiert unsere Disziplin. Und Sennett versäumt es nicht, auf die drohende Pandora der gefährlichen Arbeit hinzuweisen. Hier ist sein Lösungsansatz nicht wirklich überzeugend, aber vermutlich gibt es auch keine ultimative Lösung für dieses zweischneidige Blatt das Arbeit (Atomenergie vice versa Atombombe) in sich trägt.


produkt bewertung produkt bewertung produkt bewertung produkt bewertung produkt bewertung  Prinzip Stradivari ?, 29. Januar 2008

Schrauber sterben aus ? Einen Kotflügel der Ente konnte der Schrauber in drei Minuten abnehmen und heute ? Man braucht ein kompliziertes Gerät, um die noch kompliziertere Programmierung nachvollziehen zu können. Verstehen kann man es kaum, selber tun ohnehin nicht. Die technischen Lösungen sind von einer Komplexität, dass man froh sein darf, ein paar Anwendungen zu verstehen,geschweige denn, selbst etwas mit der Hand bewirken zu können.Immer mehr Fähigkeiten werden delegiert an Systeme, an technische Hilfen, an Maschinen. Die Fähigkeit des Menschen geht verloren. Er kann nichts mehr reparieren, kein Instrument spielen, nicht im Kopf rechnen. Die Potentiale des Menschen schrumpfen.Dem stemmt sich sich Sennett entgegen.Zitat:"Die Rede vom Handwerk lässt dabei zuallererst an das geschickte manuelle Hantieren mit Dingen und Werkzeugen denken, an Handarbeit, die nahe an den bearbeiteten Materialien und Gegenständen bleibt. Dieser Bedeutungsakzent ist für Sennett wichtig, denn an ihm hängt sein Appell, unser Weltverhältnis auf solide "materialistische" Weise in der Welt der Dinge zu verwurzeln, mit denen wir umgehen. Außerdem lässt sich in einer im engeren Sinn handwerklich verstandenen Dingwelt am leichtesten voraussetzen, dass man auch wirklich weiß, was es heißt, eine Sache gut zu machen."Sennett versteht es, die Bedeutung des Hand-Werks an vielen Beispielen zu entfalten. Die Anfertigung einer Stradivari ist Hand-Werk auf allerhöchstem Niveau. Es ist die technische Fähigkeit, die unglaubliche Kenntnis über Holz und seine Verarbeitung, die Kunst , die Bearbeitung eines Gegenstands auf höchste Perfektionsebenen zu heben.Dieser Teil seines Werks wir sehr belobigt. Zitat: "Es sind vielleicht die überzeugendsten Passagen des Buches, die sich an Analysen dieser konkreten Praktiken versuchen. Und kein Zufall ist es, dass dabei im soziologischen Sinn der Übergang vom eher bodenständigen Handwerk zu Kunsthandwerk und Kunst genommen wird. Nicht dass Sennett hier schummeln würde: Die Annäherung von Handwerk und Kunst über das Mittelglied Kunstfertigkeit steht explizit auf seinem Programm."Die Übertragung dieser Erkenntnisse auf eine gesamtgesellschaftliche Orientierung hingegen stösst auf Kritik. Zitat:"Vom geschickten schlussfolgernden Umgang mit den - möglichst sinnlich konkret gedachten - Sachen sollen sich also Verbindungslinien ziehen lassen zur "geschickten", kompetenten Teilnahme an den Dingen des Gemeinwesens. Die demokratischen Institutionen hätten die in der Arbeit bewiesenen Kompetenzen ihrer Bürger aufzunehmen und weiterzuentwickeln. Wie man sich dies genauer vorzustellen hätte, dass aus gut Arbeitenden gute Bürger eines demokratischen Gemeinwesens hervorgingen - ohne auch nur einen Seitenblick auf die konkreten ökonomischen Verhältnisse zu werfen, unter denen sie ihre Arbeit leisten -, verrät Sennett nicht. Er weiß auch, dass man auf Gegenbeispiele leicht verfällt." und "....Für Stoßrichtung und Programm des Buches zeigt der Rezensent viel Respekt, beklagt aber, dass Sennetts soziologische Tiefenschärfe kaum über das Niveau von "Manager-Ratgebern" hinausreicht".Sennett ist seit Jahrzehnten ein brillianter Soziologe. Er hat sicher das Verdienst, auf wichtige Aspekte menschlichen Potentials hinzuweisen und dieses an vielen Beispielen zu entfalten. Aber er entgeht nicht der Gefahr, die Erkenntnisse zu überdehnen und damit die zutreffende Erkenntnisse vermehrten Einwänden auszusetzen.




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