Kundenmeinungen
Schöne Ideen, schlechte Umsetzung, 1. Oktober 2008
Plot:Lenina Braun und Sigmund Marx leben in der schönen neuen Welt. In dieser Zukunft ist jeder Mensch glücklich und zufrieden, denn sie sind so programmiert worden. Durch biologische, chemische und pharmazeutische Eingriffe/Methoden werden fünf Menschengruppen erschaffen: die Alphas, Betas, Gammas, Deltas und Epsilons. Nach absteigender Reihenfolge hin werden mehr und mehr hemmende Chemikalien und Hormone in die Blutsurrogate der Föten/Klone gegeben, was ihr späteres Wachstum und auch ihre Intelligenz bzw. ihr Denkvermögen verringert. Die Kinder werden in Brutfabriken aufgezogen und einer Schlafschule unterzogen, welche ihnen ihre gesamte Kindheit von der Herrlichkeit der neuen Welt berichtet. Sie werden darauf genormt in der jeweiligen Kaste glücklich zu sein und perfekt in der künstlichen Gesellschaft zu interagieren. Das Leben besteht aus Konsum, Sex und der legalen Droge Soma, die jederzeit genommen werden darf wenn man sich traurig oder einsam fühlt. Während die hübsche und überaus perfekte Alpha-Frau Lenina ihr Leben genießt, sucht der exzentrische Alpha-plus-Mann Sigmund nach einem Sinn in dieser perfekten Welt. Und obwohl die beiden unterschiedliche Lebensauffassungen haben, fahren sie zusammen in ein Reservoir in Neu-Mexico einen von der zivilisierten Welt unerschlossener Ort, an dem Wilde leben. Dort treffen sie eine Frau aus der neuen Welt, die vor vielen Jahren dort gestrandet ist und entgegen aller Normung und Schicklichkeit ein Kind zur Welt gebracht hat. Schließlich nehmen die beiden Alphas sie und ihren Sohn mit in die neue Welt, was dort für einigen Aufruhr sorgt.Meine Meinung:Mir persönlich hat das Buch überhaupt nicht gefallen. Vielleicht liegt es an der Art zu schreiben, die die Menschen in den 1930ern hatten oder es liegt ganz einfach an Huxley selbst (obwohl Remarques Werk Im Westen nichts Neues meiner Meinung nach klar gegen die erste These spricht). Das ganze Buch über herrschte Detaillosigkeit, Schnelllebigkeit und pure Langeweile. Das erste Kapitel hatte noch etwas von diesem Kitzel in sich, den man empfindet wenn man sich eine Zukunft vorstellt, aber danach ging es immer weiter bergab. Huxleys Sätze waren teilweise viel zu kompliziert und lang gezogen um eine richtige Stimmung aufkommen zu lassen die vielen Fachbegriffe taten dann ihr Übriges.Auch die Charaktere trugen viel dazu bei, dass die Handlung platt und langweilig wirkte. LeninA und Marx waren stumpfsinnig und ohne jegliche Tiefe und selbst wenn dies an ihrer Normung liegen sollte, so spricht doch wenigstens der Wilde und Sohn der in der Prärie gestrandeten Feline für diese Tatsache. Er war der einzig wirklich revolutionäre Charakter, der diese neue Welt hasste doch auch er hatte so viel Herz wie ein Stein. Nachdem ich das Buch durchhatte, hasste ich einfach alle Charaktere, wohl vor allem weil sie so stumpfsinnig und unauthentisch dargestellt waren.Das schlimmste an dem Roman war jedoch etwas anderes. Mir kam es so vor als wolle Huxley einfach alle dramatischen Elemente die es gab in seine Geschichte hineinbringen, ohne dabei unnötig Zeit und Papier zu verschwenden. Gewalt, Selbstmordgedanken, unerwiderte Liebe, Hänseleien und Mordlust wurden beispielsweise in nur einem Kapitel abgearbeitet (und meist nur in wenigen Sätzen). Ganz zu schweigen von dem Ende, das ihm ziemlich misslungen ist und genauso spontan und unecht wirkte, wie alle anderen emotionalen Ideen des Buchs.Anfangs habe ich mir eingeredet, es liegt an der deutschen Version, dass es so schlecht ist, aber inzwischen habe ich die Hoffnung aufgegeben [Die Übersetzung ist wirklich sehr schlecht gelungen. Man nehme nur einmal den Fakt, dass die Namen und die Ort unterschiedlich sind. Michel, der Wilde, heißt im Englischen John und das ganze spielt auch nicht in Berlin, sondern ursprünglich in London. Wenn man also den Versuch Brave new world unternehmen möchte, dann doch lieber im englischen Original.]Ich könnte nun noch viele Dinge aufzählen, die mich an dem Buch gestört haben aber ich möchte hier erstmal einen Schlussstrich ziehen.Fazit: die Ideen die Huxley hat sind im Grunde genommen wirklich schön und auch wirklich spannend, nur die Umsetzung war ein glatter Reinfall. Es fehlte mir die Dramatik, die Details, die Furcht erregende Erkenntnis am Ende. Ich fand Huxleys Schöne neue Welt ganz und gar nicht abschreckend, dafür hat er sie viel zu lieb und vor allem harmlos beschrieben. Nun, letztendlich kann ich dieses Buch nicht weiter empfehlen. Seine guten Ansätze wiegen einfach nicht gegen den Rest des Buches auf.
Sehr gut und informativ, 6. September 2008
Zufällig habe ich von diesem schon älteren Buch erfahren. Es ist sehr interessant und empfehlenswert.
Sex, Drogen und Leidenschaftslosigkeit, 5. September 2008
Wie sorgt man dafür, dass alle Menschen glücklich leben können? Ganz einfach: Man schafft Krankheit, Alter und sämtliche negativen Gefühle ab. Aldous Huxley schildert in Schöne neue Welt eine solche Utopie: Technischer Fortschritt hat jegliche Schmerzen besiegt und alle Probleme scheinbar gelöst. Die Menschen werden industriell produziert und schon im Embryonenalter auf ihre spätere Rolle in der Gesellschaft genormt, sodass sie diese perfekt ausfüllen können. Die Spanne zwischen Bedürfnis und Bedürfnisbefriedigung auf ein Minimum reduzieren das ist das oberste Ziel einer äußerlich perfekten Spezies. Ein Ziel allerdings, das sich als Horrorvision entpuppt. Als Huxley 1931 sein Hauptwerk schrieb, waren geklonte Menschen, manipulierte Embryonen oder Psychopharmaka noch ferne Zukunftsmusik. Umso frappierender und beklemmender ist die brennende Aktualität des Buchs. Eine Welt, in der das gedankenlose Vergnügen zur Maxime erhoben wird? Das kommt uns doch irgendwie bekannt vor. Dieser Roman ist nicht immer noch lesenswert. Sondern mehr denn je.
"Schöne" neue Welt ?, 21. Juli 2008
Mal ehrlich, können Sie sich so die Zukunft vorstellen? Ich fand das Buch war sehr weit hergeholt und so eine Gesellschaft wird es meiner Meinung nach nie geben. Das Buch beschreibt eine Welt die in meinen Augen überhaupt nicht schön sodern eher zum davonlaufen ist. Ich hatte mir mehr erwartet und würde es auch keinen weiterempfehlen, da es zu dem nicht besonders gut geschrieben wurde.
Lesenswert aber technisch unausgereift, 1. April 2008
Aldous Huxleys ist neben Orwell und Samjatin der dritte große Anti-Utopist des 20. Jahrhunderts; sein Werk unterscheidet sich aber erheblich von den düsteren Vorahnungen von "1984" und "Wir". In Ozenanien und dem Einheitsstaat aus "Wir" werden die Menschen unterdrückt und all ihrer Freiheiten beraubt: In der Schönen Neuen Welt haben sie ihre Unabhängigkeit freiwillig gegen Vergnügen und Konsum eingetauscht. Religion, Philosophie und Kunst wurden als unruhestiftend abgeschafft; Kinder kommen nun als puppenhaft-schöne Fertigprodukte aus dem Reagenzglas: Alle Menschen wurden Brüder und leben tagein tagaus in einem Zustand niemals endender Glückseligkeit. Der Höhepunkt des Tages ist die Ausgabe des Rauschmittels Soma, das auch das letzte bisschen Freiheitsbestreben übertäubt.Viele halten "Schöne Neue Welt" für realistischer als 1984; der amerikanische Medienkritiker Neil Postman meinte sogar, dass nicht Orwell, sondern Huxley schlussendlich Recht behielt, weil der moderne Mensch von heute seine Grundrechte lächelnd für den allabendlichen Spielfilm eingetauscht hat, und durch die unaufhörliche Berieslung aus der Röhre jegliche Fähigkeit zu kritischem und unabhängigem Denken verliert.Man mag darüber geteilter Meinung sein meine Meinung zum Roman steht hingegen fest, und ich bin nicht besonders begeistert: Das liegt allerdings nicht daran, dass mich das Thema nicht überzeugt hätte, sondern eher an Huxleys noch nicht ganz ausgereifter Fähigkeit, eine straffe und ausbalancierte Geschichte zu erzählen: In jeder Anti-Utopie gibt es den Andersdenkenden; der Mann in der gleichgeschalteten Menge, der eines Tages die Missstände der angeblich perfekten Gesellschaft entdeckt und eine stumme Rebellion anzettelt: Bei Huxley gibt es verwirrenderweise zwei solcher Charaktere, ohne das dafür ein Nutzen für den Roman erkennbar wäre- zum einen ist dies Bernhard Marx, der sich nicht recht in die Gesellschaft eingliedern kann, angeblich weil bei seiner Zeugung im Labor Alkohol in sein Reagenzglas floss, und zum anderen John, der "edle Wilde", ein Mann aus der angeblich unzivilisierten Außenwelt jenseits der großen Stadt, der den Segen all diesen Fortschritts nicht sehen kann, und der schlussendlich an dieser Schönen Neuen Welt zerbricht: Bis zur Hälfte des Buches rutscht Huxley mehr oder weniger ungeschickt zwischen den beiden Figuren hin und her, als könnte er sich selbst nicht entscheiden, wer in seiner Geschichte die Hauptrolle spielen soll.Die Zahl der Figuren, die zwischendurch noch auftreten ist übermäßig hoch, und die einzelnen Charaktere auseinanderzuhalten ist alles andere als leicht; viele Darsteller werden über mehrere Kapitel vollends vergessen und tauchen plötzlich unverhofft wieder auf und auch die Geschichte schraubt sich mit quälender Langsamkeit einem eher unbefriedigenden Ende entgegen: Es ist kein Buch, das den Leser beim Kragen packt und ihm eine alptraumhafte Zukunft vorführt; es ist ein Buch mit vielen Höhepunkten aber darauf folgt häufig eine 30-Seitige Talfahrt von trockenen Dialogen oder Beschreibungen des Stadtgeschehens.Huxley hatte gute Ideen über die Entwicklung neuer Technologie und hat diese auch sehr wirksam in seinen Roman eingebettet; als Science-Fiction-Buch ist Schöne Neue Welt auch durchaus bereichernd, aber an den gesellschaftlichen Alptraum von Orwell reicht Huxleys Vision nicht ansatzweise heran. Ich will nicht ausschliessen, dass ich das Buch in ein paar Jahren wieder in die Hand nehmen werden; aber "1984" hat mich beim Lesen erschüttert, wie es kaum ein anderer Roman je geschafft hat; "Schöne Neue Welt" stellte ich zurück ins Regal und war froh, nun etwas anderes Lesen zu können.
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