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Butz Peters: Tödlicher Irrtum: Die Geschichte der RAF

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Tödlicher Irrtum: Die Geschichte der RAF

von Butz Peters

Fischer (Tb.), Frankfurt

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04/Dez/2008 - 01:36


Beschreibung

Das Vorwort stimmt den Leser bereits programmatisch ein: „Sie halten nicht den 528. Versuch in der Hand, den deutschen ,Terrrorismus' abschließend zu erläutern. Auch nicht das 324. Unterfangen, das Unerklärbare zu erklären“ - Klingt dies nach seriösem Journalismus, nach dem ernsthaften Versuch, fast dreißig Jahre Terrorismus in der Bundesrepublik historisch aufzuarbeiten? Abarbeiten wäre vielleicht ein Begriff, dem Autor Butz Peters zustimmen könnte. Weder Analyse noch Ursachenforschung war seine Sache. „Was vor Ihnen liegt“, so Peters, „ist die Rekonstruktion dessen, was die RAF in Deutschland anrichtete.“ Dies konnte man vom selben Autor zwar 1991 schon erfahren, im Zuge der aktuellen Reue- und Begnadigungsdiskussion jedoch - so dachte man wohl -, konnte eine erweiterte Neuauflage das Thema noch einmal vertiefen!

. 62 Tote. 250 Millionen Euro Schaden. 11 Millionen Seiten Ermittlungsakten. Ein trauriges Zahlenwerk, das die RAF hinterließ und das sich in Butz Peters akribischer, fast 900 Seiten starken Aufzählung ihrer Taten widerspiegelt. Nach dem „Prolog“, der Ermordung des Treuhand-Chefs Rohwedder („Das letzte Attentat“), beginnt Peters' Rückblende auf die „Vorgeschichte“ der Studentenbewegung, der Frankfurter Kaufhausbrände 1968 und den einsetzenden Mythos der Baader-Meinhof-Gruppe. Zahllose Morde und Anschläge später dann das vorläufige Finale, der Deutsche Herbst 1977, der in der Ermordung Pontos und Schleyers, der Befreiung der Geiseln in Mogadischu und den Selbstmorden der Stammheim-Häftlinge gipfelte. Auch wenn Peters geheimnisreich vom „größten Tabu“ der RAF spricht - den durchaus geplanten Selbstmorden -, wirklich Neues hält sein Bericht nicht parat.

Mit der dritten RAF-Generation und ihrer Selbstauflösung acht Jahre nach der deutschen Einheit, endet Peters ungeheure Recherchearbeit. Nicht jedoch, ohne die „13 Rätsel“ zu präsentieren, ein wiewohl ernst gemeintes, nichtsdestotrotz makabres RAF-Quiz. In Ideen wie diesen offenbart sich das Problem von Peters journalistischer Gratwanderung. Dokufiktion, nannte es die TAZ biestig. Dieser "um Aufmerksamkeit buhlende Erzählton" (Süddeutsche Zeitung), der reihenweise abgehackt gestammelte Suspense-Sätze und einen gefährlich raunenden „Aktenzeichen XY“-Sound produziert, kann dem ernsten Thema eigentlich nur Schaden zufügen. --Ravi Unger





Kundenmeinungen

produkt bewertung produkt bewertung produkt bewertung produkt bewertung produkt bewertung  Fundiert recherchiert - gewöhnungsbedürftig aufbereitet, 18. November 2008

Keine Frage - das Buch ist fundiert recherchiert, viele (wenngleich bereits bekannte) Fakten und Vorkommnisse werden verständlich erzählt und erläutert. Und doch wirkt der "Tödliche Irrtum" stellenweise wie Stückwerk: Wer das Buch "in einem Rutsch" durchliest wird irritiert sein darüber, dass zahlreiche Geschehnisse an mehreren Stellen des Buches immer wieder vorgetragen werden, als ob es sich dabei um Neues handelt, obwohl bereits in vorangegangenen Kapiteln ausführlich darüber berichtet wurde. (Dazu gibt's einen Anerkungsapparat am Ende des Werkes, der einem wissenschaftlichen Grundlagenbuch zur Ehre reichen würde, die Folge: andauerndes Hin- und Herblättern! Wie wäre es eigentlich mit Fußnoten ?) Das ist ärgerlich und wäre (bei einem guten Lektor) vermeidbar gewesen. Deshalb ist das Buch auch insgesamt zu umfangreich geraten - und gibt nur drei Sterne.


produkt bewertung produkt bewertung produkt bewertung produkt bewertung produkt bewertung produkt bewertung  Der Staat am Abgrund des Wahnsinns, 15. Oktober 2008

Leichen pflastern den Weg ins sozialistische Paradies. Wer Ende der 60er Jahre allen Ernstes glaubte, mit Terror und Toten die zu Wohlstand gekommene Bevölkerung für kommunistische Ideen wachrütteln zu können, war im konspirativen Kreis der radikalisierten Studentenbewegung gut aufgehoben. Deren Kampfstrategen der ersten Stunde legten jedoch eine Brutalität an den Tag, die ihnen von Beginn weg die erwünschte massenmediale Wirkung ins Gegenteil verkehrten. Wer sich nicht beirren liess, schloss sich ab 1970 der revolutionären Bombenbasteltruppe RAF an. Die Establishment-Linke Ulrike Meinhof brachte die abstruse Theorie vom antiimperialistischen Kampf und damit die Plakette des spektakulären Feldzugs, Andreas Baader, der sich das sorgfältig inszenierte Image eines Revolutionärs zurechtgelegt hatte, brachte die mörderische Überzeugungskraft und den nötigen Durchsetzungswillen mit. So begann ein privater Krieg gegen den herbeihalluzinierten, angeblich wieder auferstandenen faschistischen Staat, unter Begleitmusik hoch motivierter Medien und absolut unbeeindruckt von den Spielregeln zivilisatorischer Gepflogenheiten. Insgesamt 61 Tote und fast 300 Verletzte säumen die blutige Spur der RAF quer durch die BRD. Autor Peters unternimmt gar nicht erst den Versuch, die mörderische Entgleisung zu erklären. Zeiten der Heroisierung der RAF gab es ohnehin nie. Er stilisiert in keinster Weise die Täter und räumt das Vorurteil, die Avantgarde der Stadtguerillas hätte edle Ziele verfolgt, gehörig aus dem Weg. Sie waren die intellektuelle Bankrotterklärung der kämpfenden Linken, die ihre Ideale in ideologischer Verwirrung verbrecherisch durchzusetzen versuchte.In den letzten Jahren hat das Buchgewerbe viel Gedrucktes zum Thema geliefert, in keinem wird die Geschichte der Rotarmisten so akribisch recherchiert und beklemmend wiedergegeben. Der von der RAF bestialisch verhasste Rechts- und Polizeistaat hat sich der Herausforderung gestellt und sich in der über drei Jahrzehnte andauernden Auseinandersetzung gegen die klassenkämpferischen Irren eine Stärke angeeignet, die von den Stadtguerillas genau bekämpft wurde. So wurden ihre Absichten, das Gewaltmonopol des Staates zu zerschlagen, ins Gegenteil verkehrt, die sich heute in teilweise übersteigerten Massnahmen im Kampf gegen neue Varianten des Terrorismus niedergeschlagen haben. Den Triumph trägt eindeutig der Staat davon. Vielleicht deshalb, weil ihre Ziele diffus und viele Aspekte ihrer Geschichte bis heute im Dunkeln bleiben, übt die RAF bis heute eine seltsame und unheimliche Faszination aus.


produkt bewertung produkt bewertung produkt bewertung produkt bewertung produkt bewertung produkt bewertung  Erste Liga !, 14. September 2008

Ungeschlagen ist Butz Peters Werk eines der besten über die RAF. Auch eines der wenigen die detailliert die 1. bis 3. Generation beschreibt.Ein dickes Plus sind ganz klar die zahlreichen Fotos. Wie sonst soll man verstehen, daß die RAF so viele mit Ausstrahlung fesselte und zugleich in Angst und Schrecken versetzte, wenn man keine Fotos hätte?Das Buch liest sich spannend, flüssig, ja gerade zu fesselnd. Kriminalroman trifft Psychoanalyse. In keinem anderen RAF-Buch sind mir die Psyche und die Beweggründe der RAF-Mitglieder näher gebracht worden, wie in Peters Werk. Ob das Buch nun persönlich von Peters Meinung eingefärbt wurde, kann ich nicht bestätigen, da sich im Großen und Ganzen die Meinungen in vielen weiteren RAF-Büchern ähneln.Auch die Aufmachung und Gliederung des Buches ist optisch einwandfrei und klar strukturiert.Mir hat der Gesamtüberblick über alle RAF-Generationen und -handelnde gefallen, auch ohne zu viel Namen zu erwähnen, die keine große Rolle spielten, die man sich eh nicht merken kann und die den Rahmen eines guten Sachbuches sowieso gesprengt hätten. Man muß nicht unbedingt wissen, wann wer von der RAF auf Toilette war. Wichtig sind die Fakten, die Butz Peters für mich perfekt getroffen hat, ohne Wichtiges weg zulassen.


produkt bewertung produkt bewertung produkt bewertung produkt bewertung produkt bewertung produkt bewertung  Mit einem Wort: fesselnd! , 6. August 2008

Das Buch beleuchtet wirklich alle erheblichen Facetten der RAF, und der Autor tut dies in einer Weise, die niemals langatmig oder gar langweilig wird. Gerade der Verzicht auf halbseitenlange Schachtelsätze, an deren Ende man nicht mehr weiß, worum es am Anfang geht, macht dieses Buch trotz der immensen Informationsfülle sehr leicht und flüssig lesbar. Ob das Buch nun völlig neue Erkenntnisse ans Licht bringt oder nicht, ist nicht von Wichtigkeit. Viel beachtenswerter bei diesem Buch ist es, dass der Autor sich keiner gekünstelten und affektierten Journalistensprache bedient, sondern die Fakten rund um die RAF in einer Sprache und einem Schreibstil präsentiert, die einen das Buch nicht aus der Hand legen lassen. Insofern bleibt durch den fesselnden Schreibstil viel mehr an Information beim Leser hängen, als bei Büchern von Autoren, die sich an der trockenen Faktenauflistung und ihrer hierbei verwandten Intellektuellensprache selbst berauschen und dabei nicht bemerken, wie sehr sie damit den Leser ermüden. Das Buch hatte ich mir als Urlaubslektüre eine Woche vor Urlaubsbeginn gekauft. Bis Urlaubsstart war es bereits zu Ende gelesen... Mit einem Wort: das Buch gehört für mich zum besten, was jemals über dieses Thema geschrieben wurde.


produkt bewertung produkt bewertung produkt bewertung produkt bewertung produkt bewertung produkt bewertung  Wirklich lesenswert!, 1. Mai 2008

Eine durchaus gelungene, facettenreiche Abhandlung über die gesamte Geschichte der RAF, soweit diese, bei der Komplexität dieses Kapitels der jüngeren deutschen Geschichte, überhaupt in einem Band wiedergegeben werden kann. Peters räumt mit einigen sich auch heute noch hartnäckig haltenden "Legenden" (Folter der politischen Gefangenen, Ermordung Grams etc.) auf und stellt vieles richtig, bzw. relativiert. Im Ton manchmal recht plakativ, was aber nicht den Eindruck mangelnder Objektivität suggerieren sollte. Der "Tödliche Irrtum" ist für mich in Bezug auf die RAF-Thematik ein Standartwerk.




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