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Jared Diamond: Arm und Reich: Die Schicksale menschlicher Gesellschaften

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Arm und Reich: Die Schicksale menschlicher Gesellschaften

von Jared Diamond

Fischer (Tb.), Frankfurt

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20/Nov/2008 - 13:34


Beschreibung

Seit dem 16. Jahrhundert haben die Europäer maßgeblich bestimmt, wo es langgeht in der Welt -- in guten wie in schlechten Tagen. In Arm und Reich. Die Schicksale menschlicher Gesellschaften erläutert Jared Diamond, warum sich die Dinge so entwickelt haben. Es ist eine elementare Frage, und Diamond ist gewiß nicht der erste, der sie stellt. Seine besondere Leistung besteht jedoch darin, daß er sich auf wissenschaftliche Fakten stützt statt auf fadenscheinige Theorien über die genetische Überlegenheit der Europäer. Diamond, ein Professor der Physiologie an der University of California at Los Angeles (UCLA), weist darauf hin, daß die Geographie Eurasiens bestens geeignet war für die Entwicklung der Landwirtschaft und der Viehhaltung sowie für den freien Informationsfluß. Die bevölkerungsreicheren Kulturen, die sich daraus entwickelten, hatten komplexere Regierungs- und Kommunikationsformen -- und eine erhöhte Resistenz gegenüber Krankheiten. Darüberhinaus nutzte das zersplitterte Europa die Kraft der wettbewerbsorientierten Innovation in einer Weise wie es China nicht tat. (Zum Beispiel benutzten die Europäer die chinesische Erfindung des Schießpulvers, um die Schußwaffen zu entwickeln, mit denen sie dann die Neue Welt unterwarfen.) Diamonds Buch ist komplex und ein wenig verwirrend. Aber die These, die er methodisch vorbringt -- die Untersuchung der "positiven Feedback-Schleife" der Landwirtschaft, der Viehhaltung, der Bevölkerungsdichte, der Innovation, und so weiter -- ergibt Sinn. Geschrieben ohne Partei für irgendeine Seite zu ergreifen, ist Arm und Reich ein gutes Buch über die Weltgeschichte.




Kundenmeinungen

produkt bewertung produkt bewertung produkt bewertung produkt bewertung produkt bewertung produkt bewertung  Warum erorberten die Inkas nicht Spanien, 10. Oktober 2008

Die unterschiedliche Entwicklung in verschiedenen Kulturkreisen , von den ach so zivilisierten Europäern auf der einen Seite bis zu den steinzeitlichen Jägern in Tasmanien , die nicht in der Lage waren , selbstständig Feuer zu entfachen auf der anderen Seite wurde früher oft mit rassistischen Theorien erklärt. Ein überzeugender gegenteiliger Entwurf wird in diesem Buch dargelegt. Die Unterschiede haben ökologische Ursachen, habe viel mit der Ausstattung an kultivierbaren Pflanzern und Tieren zu tun, mit geographischen Gegebenheiten und ähnlichen Faktoren.Diamond belegt auch, dass eben bestimmte Kulturen sich wenig entwickelten, weil sie nur geringem Selektionsdruck unterlagen. Günstige Umweltfaktoren haben den entscheidenden Einfluss. So konnten viele Großtiere, wie Rind, Schaf, Ziege Pferd und Kamel im Nahen Osten domestiziert werden mit vielfältigen positiven Folgewirkungen. In Afrika, wo Tiere und Menschen schon länger zusammenlebten, hatten die Tiere früh einen Fluchtreflex, wie etwa das Zebra, so dass sie nie domestiziert werden konnten. Auf der andern Seite wurde Amerika so spät von den Menschen besiedelt, das die dort lebenden Grosstieren kaum einen Fluchtreflex entwickelten und daher von den Indianer sehr früh ausgerottet wurden, bevor sie hätten domestiziert werden können. Das ist nur ein Beispiel, denen im Buch viel Folgen. So waren Infektionserkrankungen für die indianische Bevölkerung verheerend. 95 % starben an den von Europäern eingeschleppten Erkrankungen. DIAMOND erklärt, warum die Europäer die Indianer infizierten, es aber umgekehrt kaum zu Ansteckungen ab. Das hat mit dem Zusammenleben vom Mensch und Tier zu tun, weil oft Erreger übertragen werden, aber auch mit Bevölkerungsdichte, DIAMOND beschreibt auch, dass gewisse Vorteil von Zeitalter zu Zeitalter wechseln können, auch dass es unter bestimmten Umstände Rückschritte" geben kann. Japan hatte 1600 zum Beispiel die größte Schusswaffendichte der Welt, ein Jahrhundert waren die Schusswaffen verschwunden. In China wurde n mechanischen Uhren und die Seeschifffahrt aufgegeben. Das Buch ist äußert informativ und erhellend. Es zerschmettert Vorurteile.


produkt bewertung produkt bewertung produkt bewertung produkt bewertung produkt bewertung  Das passende Buch zur gegenwärtigen Hungerdiskussion, 2. August 2008

Was will Diamond erklären?"Dieses Buch unternimmt den Versuch, die Geschichte aller Völker in den letzten 13 000 Jahren zu skizzieren. Die Frage, die es zu beantworten sucht, lautet: Warum nahm die Geschichte auf den verschiedenen Kontinenten einen so unterschiedlichen Verlauf?" Insbesondere geht es Diamond um die Erklärung der heutigen weltweiten Verteilung von arm und reich. Dabei verweist er auf natürliche insbesondere geographische Gegebenheiten, die in der Vergangenheit zu unterschiedlicher "Entwicklung" geführt haben sollen und die Unterjochung von Völkern und Armut erklären soll.Was taugen seine Erklärungen?Dass der Mensch ohne oder mit geringer Naturbeherrschung tatsächlich von natürlichen und auch geographischen Bedingungen abhängig ist, ist nicht zu bestreiten. Was Jared Diamond daraus macht, hat mit diesem relativ banalen Sachverhalt wenig zu tun. Er will geschichtliche Phasen erklären und bringt dabei folgende Widersprüche zu Stande.1.Auf der einen Seite behauptet Diamond, dass die "Entwicklung" von geographischen Voraussetzungen abhängig ist, die für den Austausch der Entwicklungsfortschritte und damit für eine beschleunigte Entwicklung sorgt. Damit unterstellt er, dass die Menschen ihr Wissen austauschen wollen. Auf der anderen Seite soll aber ein Entwicklungsfortschritt dazu führen, dass andere Völker beherrscht werden, was ja nun gerade das Gegenteil eines Austausches ist, der zu einem Ausgleich von Wissen und dessen Nutzung führt.2.Die historische Entwicklung soll dabei so verlaufen sein, dass auf der einen Seite diejenigen, die landwirtschaftliche Überschüsse über den unmittelbaren Verbrauch hinaus produziert haben, andere Menschen benötigt haben, die ihre Vorräte schützen. Damit sollen diese in einem arbeitsteiligen Interesse der Produzenten von der Produktion freigestellt worden sein. Auf der anderen Seite sollen aber genau diese "Beschützer", Herrschaft über die Vorräte und die Produzenten haben, also im glatten Gegensatz zu den Produzenten stehen.3.Schließlich soll die Erweiterung der landwirtschaftlichen Produktion die "Erklärung" dafür sein, dass Waffen aus Stahl produziert wurden. Dass es ein Interesse und einen Bedarf an Waffen erst einmal geben muss, und damit jemand entscheidet, dass aus Stahl Waffen und keine Pflüge hergestellt werden, ist Jared Diamond völlig fremd.4.Als Subjekte der Geschichte, die sich "entwickeln", benennt Diamond die Völker. Er behandelt diese als einheitliches Interesse und gemeinsamen Willen. Warum diese Völker dann eine Staatsgewalt hatten, was ja wohl Interessengegensätze innerhalb des Volkes unterstellt, taucht bei Diamond nicht auf.5.Daher fällt ihm auch nicht einmal auf, dass damals wie heute innerhalb eines Volkes sehr wohl gravierende Unterschiede im Zugang zum technischen Fortschritt und dessen Nutzung bestanden bzw. bestehen.6.Die Methode, Geschichte zu erklären, derer sich Diamond bedient, bezeichnet er als historisch. In der historischen Begründung wird ein gesellschaftlicher Zustand so erklärt, dass er das Resultat des zeitlich vorherigen Zustands ist. Das "Vorher" - also ein zeitliches ins Verhältnis setzen zweier Perioden - wird als Ursache des "Nachher" behauptet. Die Frage, warum in einer Gesellschaft aus einer Vorperiode etwas weiterexistiert oder nicht, kann nur in dieser Gesellschaft gefunden werden, und nicht darin dass es so etwas vorher einmal gab.7.Diese Denkweise schafft Freiraum für alle Beliebigkeiten, die Diamond sich als Ursache für das, was er gerne als Erklärung nehmen möchte, heraussuchen kann. Nach Diamonds Logik ist überhaupt nicht einzusehen, wieso er schon bei der Einwanderung des Cromagnon aufhört und nicht bis zum Urknall zurück geht.8.Zu seiner historischen Methode gehört auch, der in x-facher Gestalt variierte Gedanke, dass in der Geschichte irgendetwas eingetreten ist, weil es die Möglichkeit dazu gab. Wegen der Möglichkeit aus Stahl Waffen zu produzieren, gab es Stahlwaffen; wegen der Möglichkeit mit Nahrungsüberschüssen eine Herrschaft zu ernähren, gab es Herrschaft; etc. etc. Das spannende "Warum" scheint Diamond überhaupt nicht zu interessieren.9.Das "Streben nach Reichtum und Macht" ist bei Diamond eine inhaltsleere Bestimmung. Da setzt Diamond den Inhalt der Macht und des Reichtums beim Cromagnon (höchstwahrscheinlich hatten die auch eine Bundeskanzlerin und der reiche Cromagnon hat immer auf sein volles Bankkonto gestarrt.) mit Kolonisatoren und modernen Staatenlenkern gleich. Weder taucht auf, worin dieser Reichtum oder die Macht bestehen, warum es Macht gibt, und danach gestrebt wird, wer Nutznießer und Geschädigter der jeweiligen Macht und des Reichtums ist. Ein inhaltsleeres Macht- und Reichtumsstreben kann es in der Wirklichkeit nicht geben, außer man hat ein gedankliches Konstrukt vor, womit Macht und Reichtum als menschliche, natürliche Grundeigenschaft behauptet werden. Hier wird Diamond selbst rassistisch, indem er dem Menschen das "Streben nach Macht und Reichtum" als Naturkonstante unterstellt.10.Ähnlich geht Diamond auch bei der Beherrschung der Natur in Landwirtschaft und Technik vor. Er unterstellt den Zweck "Entwicklung". Was soll das sein? Wozu und warum wurde die Technik jeweils weiter entwickelt. Kann es wirklich im Interesse aller Mitglieder der "Völker" gelegen haben, wenn die "Entwicklung" dazu stattfindet, Mittel für Kriege zu entwickeln, oder hat jeder Erdenbürger die Landung auf dem Mond bestellt.11.Besonders absurd wird aber seine Erklärung der gegenwärtigen Armut. Heutzutage, da seit mindestens 150-200 Jahren die Naturbeherrschung durchgesetzt ist, da es keine relevanten geographischen Schranken mehr gibt (Wie kamen denn sonst die Eroberer zu den "Nichtentwickelten"?), wo es eine gigantische Produktivität gibt, mit der alles - allerdings nur unter dem Vorzeichen, ob sich damit Geld verdienen lässt - hergestellt werden kann und wo ein Vielfaches der gegenwärtigen Weltbevölkerung ernährt werden könnte, behauptet Diamond doch glatt, dass die heutige Armut eine Wirkung der geographisch bedingten ungleichen "Entwicklung" sei. 12. Ob Diamond nun die Absicht hat oder nicht, ist egal. Aber sein Buch ist nichts anderes als ein Erklärungsmodell, das mit dem Gestus des Bedauerns konstatiert, dass das, was sich heute so als Elend (arm und reich) vorfindet, leider historisch notwendig ist.Die Mühe der fast 600 Seiten kann man sich daher sparen. Dann schon lieber das Buch von Lueer. Warum verhungern täglich 100.000 Menschen?: Argumente gegen die Marktwirtschaft


produkt bewertung produkt bewertung produkt bewertung produkt bewertung produkt bewertung produkt bewertung  alle Menschen sind Brüder (äh, und Schwestern :-) ), 14. Juli 2008

Ich war zu neugierig, was denn nun bei den verschiedenen Menschen Sorten zu diesen unterschiedlichen Entwicklungen geführt hat. Antwort (in aller Kürze) die verschieden häufig vorkommenden kultivierbaren Wildpflanzen gaben auf den unterschiedlichen Kontinenten den ersten entscheidenen Anstoß zu einer sich entweder schnell entwickelnden Landwirtschaft oder zum bestehen bleiben der Jäger und Sammler Nomaden. Es ist ganz einfach, die Menschenstämme, die in ihrer Umgebung Pflanzen vorfanden, die sie landwirdschaftlich nutzten konnten und somit zu Nahrung machen, konnten auch sesshaft werden. Viel Nahrung, viele Nachkommen. Die weiteren Entwicklungen waren dann schon komplexer, politischer Art oder größere Resistenzen gegenüber Krankheiten oder verschieden "gute" Kriegskunst. Nix mit "Überlegenheit" kontra "Unterlegenheit" von wem auch immer. Wir sind alle gleich. Bei allen auftretenen Unterschieden, ob in Hautfarbe, Körperformen oder entwicklter "Kultiviertheit" Wenn man alle Klichees hinter sich läßt.


produkt bewertung produkt bewertung produkt bewertung produkt bewertung produkt bewertung produkt bewertung  Warum ist die Welt, wie sie ist?, 10. Januar 2008

Wer schon immer das Gefühl hatte, dass die heutige Weltsituation einer genauren Erklärung bedarf, ist mit Jared Diamonds Werk bestens beraten! Der Evolutionsbiologe vermag es auf geradezu unterhaltsame Weise einen völlig neuen Verständnisansatz unserer Lebenssituation zu liefern: Diamond erklärt die unterschiedlichen geografischen Voraussetzungen zu den Ursachen für die ungleiche Verteilung der Güter. So erläutert er in drei Teilen als erstes die unterschiedlichen Voraussetzungen, dann im zweiten Teil die daraus resultierenden verschiedenen Entwicklungen von Krankheiten, Technik, Schrift und politischen Systemen und als drittes überträgt Diamond seine Beobachtungen auf die konkreten Geschichten verschiedener Regionen der Welt. Im ersten Teil erklärt er bespielsweise die Existenz domestizierbarer Tierarten zu einem wichtigen Einflussfaktor für die spätere Entwicklung. Im letzten Teil zeigt Diamond seine Beobachtungen an der Geschichte Chinas, der Besiedelung Australiens und Papuaneugineas und z.B. auch noch Eurasiens und Nordamerikas auf.Das Buch besticht v.a. durch Diamonds flüssigen Stil, sein überaus umfassendes Wissen (von Linguistik über Archäologie bis zu Epidemologie) und die zahlreichen persönlichen Erfahrungen und Anekdoten, die der Wissenschaftler einfließen lässt.


produkt bewertung produkt bewertung produkt bewertung produkt bewertung produkt bewertung produkt bewertung  Eine ökologische Weltgeschichte der Spitzenklasse, 27. Oktober 2006

Jarred Diamond unterhielt sich eines Tages mit einem Melanesier auf Papua Neuguinea über dies und das wurde plötzlich gefragt, warum die westliche Welt so viel höher entwickelt sei als die Heimat der Melanesier. Das ist "Yalis Frage", die der Autor am Beginn des Buches formuliert und deren Beantwortung ihn zu einem Galoppritt durch die menschliche Evolution veranlasst. Dieser Galoppritt beginnt immerhin vor etwa sieben Millionen Jahren, als sich in Afrika der Urahn des Menschen aus dem Primatenbaum separierte, ehe er vor zwei Millionen Jahren mit Hilfe des Feuers auch in Gebiete außerhalb Afrikas vordrang. Doch erst mit dem Auftreten des homo sapiens bzw. des sprachbegabten Cro Magnon Menschen ging es vor etwa 50.000 Jahren so richtig los: Der homo sapiens kennt Behausungen und Kleidung und weitet er seine Lebensräume bis nach Sibirien, Amerika und Australien aus. Das ist die gute Nachricht. Die schlechte Nachricht ist, dass er, wohin er auch kommt, die Großtierarten ausrottet. Dodo, Vogel Rock, das amerikanische Mammut ab in den Orkus der Schöpfung. So weit so schlimm, doch was ist mit Afrika passiert? fragt der Autor. Hatte denn Afrika als die Wiege des Menschen nicht einen ungeheureren Vorsprung und wieso konnten die Menschen in Afrika diesen Vorsprung nicht halten? Die Antwort ist, dass nur die Ehtnien denen es gelang, die Landwirtschaft zu entwickeln soziokulturell abgehen wie die Raketen - die anderen müssen in den Gesäßfalten der Naturgeschichte verharren. Wie sich nun dieser Übergang vom Nomadentum zur Landwirtschaft in den verschiedenen Weltteilen ökologisch gestaltet, gehört zu den interessantesten Passagen des Buches. Der erste Schritt war die Verwertung von Wildpflanzen, wobei sich zunächst 90 % aller Wildpflanzen als ungenießbar erwiesen. Doch alles das, was dem Menschen nicht schmeckt verschwindet, die Biomasse wird domestiziert, und schnell bedecken die 0,1 % der sehr gut verwendbaren Pflanzen den allergrößten Teil der Anbauflächen. So geht das mit zuerst mit Weizen, Geste und Erbsen, später mit Obst, Oliven, Feigen Datteln, danach mit Äpfel, Birnen und Pflaumen und so weiter. Parallel dazu treten auch Rind, Schaf, Schwein Pferd, Huhn und Ziege (wo ist der Hund?) als domestizierte Wesen in das Haus des Menschen ein. Ihre Haltung als Fleisch- und Milchlieferant und als Zugtiere erhöhte die Möglichkeiten der Feldbestellung und damit die sesshaften Perioden. Sesshaftigkeit steigert wieder die Fruchtbarkeit, denn nun müssen die Frauen den Balg auf der Wanderung nicht immer mit sich rumschleppen sondern könne ihn auch mal hinter die Feuerstelle zum Trocknen legen. Von den vier Gebieten, in denen die Landwirtschaft unabhängig voneinander erfunden wurde (der fruchtbare Halbmond, China, die Ostküste der USA und Mittelamerika) könnten nun die "Bipopakete" in alle Welt exportiert werden. Doch leider gelang das nur in Eurasien, weil sich die Nehmerkulturen der Ägypter, Inder, Iraner und Griechen auf einem ähnlichen Breitengrad der Ost-West Achse befanden. Eine analoge Verbreitung auf dem amerikanischen und afrikanischen Kontinent war (abgesehen davon, dass die Erfindungen erst viel später gelangen) wegen der Nordsüdausdehnung und dem Wechsel der Klimazonen nicht in vergleichbare Weise möglich. Doch kaum hat der Mensch in großer Zahl Tiere domestiziert, wird er von Seuchen befallen, denn was sind Seuchen anderes als mutierte Übertragungen von Schädlingen vom Tier auf den Menschen ( siehe Aids). Was sich als eine Plage der sesshaften Viehbesitzer anhört, ist jedoch in Wahrheit eine Stärkung: denn nun werden innerhalb der Agrargesellschaften die Schwachen die Seuchen ausselektiert, es überleben die Starken, die gegen die Schädlinge eine Art Resistenz entwickeln. Der Erfindung der Landwirtschaft und der Resistenzenbildung gegen Seuchen folgte die Entstehung differenzierter und arbeitsteiliger Gesellschaften, politischer Organisationen (Staat) und die Entwicklung einer Produktivität, die die Unterhaltung stehender Heere gestattete. Bei Zusammenprall der Kulturen im 16. Jahrhundert und später gaben dann die Seuchen der eurasischen Völker den bis dahin weltabgegelenen verspäteten Kulturen den Rest. Was für ein Glück, denkt man als Europäer unwillkürlich, dass wir in den alten Zeiten so tolle Biopakete von den Orientalen erhalten haben und dadurch so reich geworden sind, dass wir uns solche Bücher leisten können. Aber im Ernst: das vorliegenden Buch, dessen Facettenreichtum hier noch nicht einmal angedeutet werden konnte, ist ein intellektuelles Abenteuer, eine ökologische Weltgeschichte der Extraklasse, für die fünf Sternchen fast noch zu wenig sind. Unbedingt vor dem Bestseller "Kollaps" vom gleichen Autor zu lesen.




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