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Oliver Uschmann: Voll beschäftigt: Ein Hartmut-und-ich-Roman

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Voll beschäftigt: Ein Hartmut-und-ich-Roman

von Oliver Uschmann

Fischer (Tb.), Frankfurt

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03/Dez/2008 - 20:29




Kundenmeinungen

produkt bewertung produkt bewertung produkt bewertung produkt bewertung produkt bewertung produkt bewertung  Die Männer-WG gefällt mir nach wie vor, 1. Januar 2008

Wieder genauso herzerfrischend, genauso fesselnd, genauso lustig wie der erste Hartmut-und-ich-Roman.Hartmut und "ich" gründen eine Institut für Dequalifikation, da Hartmut feststellt, dass überqualifizierte Akademiker keinen Fuss auf den Boden bekommen in unserer heutigen Welt. Ab sofort wird dequalifiziert, aus Anthropologen werden Malocher, aus Ingenieuren Zweiradmechaniker.Das Ordnungsamt steht plötzlich vor der Tür, will das Haus für baufällig erklären, aber keiner will ausziehen. Also wird improvisiert. Besonders in Bezug auf den verrostenden Ölkessel im Keller...Und das Mädchen vom See, das bei "ich" so Schmetterlinge verursacht....Man fühlt, riecht und schmeckt wieder mit, leidet mit Hartmut und "ich"."Ich" ist wieder genauso toll gelungen wie schon im ersten Roman: Man meint man ist dabei. Uschmann hats wieder klasse hingekriegt den Leser wieder bis aufs Extremste zu fesseln!Ich würd so gern losziehen und das Grüppchen kennenlernen!!! Ganz ehrlich!!!!


produkt bewertung produkt bewertung produkt bewertung produkt bewertung produkt bewertung produkt bewertung  Der Mann als Kuscheltier, 8. Dezember 2007

Dieses Buch teilt meinen Freundeskreis auf. Und zwar in der Tat so, dass die Frauen es lieben, während die Männer sagen: "Wär der Uschmann doch mal bei Teil 1 geblieben." Liebe Männer, warum diese Klischees? In Teil 1 waren Hartmut und sein Kumpel noch Singles, sie tranken viel, sie starteten wöchentlich eine anarchische Aktion, sie fielen von einem Extrem ins Andere. In Teil 2 mischt sich nun eine fiese, kleine Politsatire auf HartzIV und die Generation Praktikum mit zwei Liebesgeschichten. Hartmut und Susanne sind fraglos ein Paar, "Ich" erkämpft sich die Liebe einer von Hartz bedrohten Künstlerin, die das Amt zwingen will, eine Stelle als Anstreicherin anzunehmen.Männer, seid ehrlich, euch regt doch nicht auf, dass diese Caterina in diesem Buch als Kontrapunkt zu Susanne vor allem niedlich und hilfebedürfig ist. Euch regt auf, dass es bei Uschmann - im Gegensatz zu den meisten Popliteraten und Autoren von "Männerbüchern" - tatsächlich romantische Liebe gibt und der Mann sich bis zu einem gewissen Grad darauf einlässt, vom biersaufenden Packer zum gurrenden Kuscheltier zu werden. Die Art, wie das hier passiert, ist verhaltenstechnisch so amüsant realistisch (ihr seid ja auch so, aber ihr verbergt es vor den Freuden) dargestellt, dass Uschmann sich den Coolness-Bonus bei den harten Kerlen verspielt hat. Genau diesen Mut finde ich ohne Abstriche liebenswert!


produkt bewertung produkt bewertung produkt bewertung produkt bewertung produkt bewertung produkt bewertung  Gefletschte Zähne? , 25. Oktober 2007

"Das ist kein Lächeln, das sind gefletschte Zähne" steht auf der ersten Seite dieses Buches, ein Zitat der Crossover-Band Such A Surge. Die haben in den 90ern mit Liedern wie "Gegen den Strom" oder "Ideale" eine Menge Wind gemacht, waren aber nur ein Sturm im Wasserglas. Sie haben mitzuverantworten, dass revolutionäre Slogans zum Modescheiß für Skateboardvideos wurden, sinnentleert wie der Che Guavara, der heute in jeder Bar hängt. Dann lieber das Zitat von Sylvia Witt, nachdem die Wirtschaftsweisen "in Wirklichkeit Waisen waren" und man sich nur verhört habe. Das ist der Humor, mit dem dieses Buch sich der "Generation Praktikum" und ihrem Schicksal widmet.Die Grundidee, mittels eines Institutes zur Dequalifikation Akademiker zu Malochern und so wieder lebensfähig zu machen, bildet nur den Kern für eine Menge Seitenwege. Uschmann zieht auch Mitgliedschaften-Jäger in der Fußgängerzone und ihre Mitleidstaktik durch den Kakao. Er geht den Betrügern der "Heimarbeit"-Anzeigen nach. Er lässt Nazis und Antifa bei einer Demo gegen Hartz IV aufeinandertreffen und sie feststellen, dass sie heute die gleichen Slogans haben. Dabei sitzen seine Figuren über der Demo, auf dem Balkon. Das ist auch der Ort, wo Uschmann sitzt. Er inszeniert sich selbst durch seine Motive als Desillusionierten, der die ganzen politischen Kämpfe kennt, aber nicht mehr mitmachen will.Ist "Voll beschägftigt" ein linkes, ein rebellisches Buch? Oder ist es Turnschuh-Protest? Die Antwort gibt am ehesten das Ende, das uns als Botschaft mitgibt: Mache, was du willst, folge deiner Passion, scheiß egal, ob sich damit was verdienen lässt. Zugleich zeigt es die Malocherwelt, vor allem die von UPS, mit einer gewissen Sympathie, trotz aller Unterstellungen, die Menschen dort seien vor allem Onkelz hörende Proleten. Es kommt selten genug vor, dass Proleten (im eigentlichen Sinne des Wortes) überhaupt mal eine Rolle in der sogenannten Popliteratur spielen. Ebenso wenig soziale Wirklichkeiten oder politische Debatten. Allein deshalb ist dieses Ding eine echte Überraschung, auch wenn es außer dem eigenen Streben nach Glück keine Lösung anbietet. Es zeigt aber, dass dieses Streben eher nicht im System funktioniert, sondern mit einem Bein im "Außen". Das ist doch was.


produkt bewertung produkt bewertung produkt bewertung produkt bewertung produkt bewertung  Dahinplätschernde Unterhaltungsliteratur, 15. Oktober 2007

Da hab ich mich richtig drauf gefreut... Aber Hartmut und ich hat mir wesentlich besser gefallen als diese Fortsetzung. Das ist ja alles ganz unterhaltsam und stellenweise reicht es auch an den Vorgänger heran aber irgendwie wirkt mir das zu heimelig. plötzlich steht die vielbeschriebene Schöne vom See vor der Tür, schutzbedürftig und hilfesuchend... oder das Café, das plötzlich zufällig bei der pinkelpause genau im richtigen Moment aus dem nichts erscheint, obwohl eigentlich alles schief gehen müsste um glaubwürdig zu erscheinen. Bißchen was aus den Fingern saugen ist ja prinzipiell ganz okay wenn man nicht mehr weiter weiss, aber bitte auch wieder die Kurve kriegen und den Leser nicht für blöd verkaufen, Herr Uschmann! Den 3. Teil werde ich dann wohl weglassen...


produkt bewertung produkt bewertung produkt bewertung produkt bewertung produkt bewertung  Hartmut schmiedet Altphilologen zu Pfandrücknahmefachkräften, 3. Oktober 2007

Hartmuts neueste Geschäftsidee, die, und das ist neu am zweiten Hartmutband, die Rahmenhandlung bildet und als Träger für allerlei hartmuteske Skurrilitäten fungiert, ist wieder einmal dem Leben der anderen entnommen, entstanden aus einer Alltagsbeobachtung und binnen Stunden gereift und umgesetzt. Anderen helfen zur Selbsthilfe, frei nach dem Motto: Da kann man doch was machen." - Vor allem kann und muss Hartmut etwas machen. Ob er dadurch selbst eine Aufwertung erfährt oder einfach nur den tiefen Wunsch verspürt, zur helfen, bleibt freilich im Dunkeln. Die Wirtschaftlichkeit von Hartmuts Unternehmungen bleibt jedenfalls auch diesmal wieder fragwürdig.Aber die Grundfrage ist berechtigt, was wird aus all den Schöngeistern, die Ihr Leben dem Studium unwirtschaftlicher Qualifikationen gewidmet haben, aber selbst als Taxifahrer nichts taugen, weil man förmlich riechen kann, dass sie in einer ganz anderen Welt leben, einer Welt, in der HSE Luhmannsammelschuber unter das Volk bringen würde und Neun-Live-Quizfragen auf die Unterschiede zwischen der scholastischen und kantschen Definition der Transzendenz abzielten. - Die Antwort ist recht einfach, man wird Hartz IV Empfänger. Schnell erkennt Hartmut die Notwendigkeit, all diesen unglücklichen und arbeitslosen Soziologen, Altphilologen, Philosophen und Musikwissenschaftlern fehlt eine wichtige Eingangsqualifikation für den Niedriglohnsektor und das ist schlicht und ergreifend die Fähigkeit der realistischen Zurschaustellung eines genügend großen Tumbheitgrades, wenn nicht gar die Fähigkeit sich in dieser Rolle wohl zu fühlen. Das ist die Geburtsstunde des Zentrums für Dequalifikation und der erste Klient, der sich in Hartmuts Beisein erfolglos in der Frittenbude gegenüber beworben hat, kommt direkt mit und wird fester Bestandteil der WG. - Natürlich bleibt es nicht bei diesem einen Klienten und viele davon verbringen Ihre Tage im Schulungszentrum des Instituts, der Wohnung von Hartmut und ich", ein Umstand, der Zwangsläufig schon genügend Reibungspotential für ein ganzes Buch bildet.Aber Uschmann ist ja nicht Ideenlos, so webt er wieder eine bunte Mischung aus absurden Charakterzügen, Problemen, die keine sind, Alltagsreflektionen, Hauruckaktionen, Unsicherheiten, Tollpatschigkeit, blindem Aktionismus und allerhand Skurrilem auf diesen Rahmen und heraus kommt ein Teppich über den man zwar staunen, lachen, weinen und sich wundern kann, sich aber vermutlich niemals freiwillig in sein eigenes Wohnzimmer legen würde.Bei aller Wissenschaftlichkeit ist es kein Wunder, dass Hartmut seine Dequalifikationstheorien auch im universitären Rahmen doziert, nicht zu letzt auch zur Kundenakquise, denn wo findet man denn mehr zukünftige Klienten, als hier. Dass es die neuen Klienten nicht leicht haben, versteht sich von selbst. Wer zum Beispiel glaubt, er hätte kein Problem mit Small-Talk, weil er sich stundenlang über Bach im Wartezimmer des Homöopathen mit anderen Wartenden unterhalten kann, beim Thema Wetter aber die Flucht ergreift, der gehört über einen Ruhrgebietströdelmarkt gescheucht um sich mit seiner Malocherlebensunfähigkeit konfrontiert zu finden, um nur ein pädagogisches Mittel aus Hartmuts und ichs" Repertoire zu nennen und somit nicht zuviel zu verraten.Zwischen all der planmäßigen Verdummung wird der gestelzte Kulturbetrieb aufs Korn genommen (hier kommen Erinnerungen an Realweltbeispiele, wie P.D.Q. Bach hoch), herausgefunden, dass es nicht schädlich ist, auf einem PUR Konzert zu weinen, ein schiefes Hohelied auf die Generation Praktikum gesungen, die Staatsmacht und der Amtsschimmel als lösbare Bedrohung vorgestellt, eine Messe gestört, eingebrochen, eine Leiche" entsorgt, spontan ein Verein zur Abwehr von Einkauspassagenwerberübertölpelung gegründet, der philosophischen Grundlage von lukrativen Jobs in Heimtätigkeit nachgegangen, Sondermüll vorschriftswidrig entsorgt, ein Abstecher in die Mysteryserienwelt unternommen und das eigene Haus in eine statisch bedenkliche Lage gebracht. Zwischendurch findet auch endlich ich" einen passenden Deckel namens Caterina auf seinen Topf und kann seine Rolle im Geschehen deutlich ausbauen; Hartmut hat ja bereits am Ende des ersten Buchs zu Susanne gefunden und kann auch hier nicht von ihr lassen. Insgesamt ist Hartmut aber ruhiger geworden, die Extreme des ersten Bandes sind nicht mehr zu erkennen, die Handlungsansätze sind aber immer noch hartmutesk. Ich hatte ein wenig das Gefühl, dass sich Herr Uschmann mit seinem zweiten Band ein wenig bemühte, zurückhaltender mit Hartmuts Extremen zu sein, vielleicht ja auch, um zarter besaitete Leser nicht zu sehr zu verschrecken. Für mich machte jedoch die grobe Direktheit des ersten Bandes dessen besonderen Reiz aus. Voll beschäftigt" ist aber immer noch sehr frisch und witzig geschrieben, die Gesamtstruktur wirkt gereifter, überlegter und gelegentlich auch konstruierter, doch das ist eine zwangsläufige Entwicklung. Alles in allem war auch dieser Band für mich absolut lesenswert, eine Ansicht, von der ich glaube, dass diese beim zweiten Band, von einem höheren Anteil an Lesern getragen wird, als dies beim ersten Band der Fall war.




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