Kundenmeinungen
sehr sehr langatmig, 6. Dezember 2007
Den Inhalt des Buches haben meine beiden Vorrezensenten trefflich wiedergegeben, deshalb erspare ich mir dies.
Für mich war diese Buch einfach zu langweilig und langatmig geschrieben, ich hatte Mühe mehr als 10 Seiten am Stück zu lesen, zu gestellt war der Scheibstil und zu hoch war die Menge an Informationen mit denen der Leser zugeschüttet wird.
Als Sachbuch für den nur fakteninteressierten Leser sicher zu empfehlen, ich muss jedoch leider zugeben, dass ich nach der Hälfte des Buches das Lesen aufgegeben habe.
Noch ein Hinweis:
Das Buch behandelt zu 95% die Geschichte der italienischen Mafia, das amerikanische Gegenstück (ich dachte urspünglich daher kommt der Name Cosa Nostra?)wird nur in Verbindung mit Italien behandelt.
Unter der Oberfläche, 24. Oktober 2007
Romanhaft geschrieben und trotzdem faktenreich. Für den Süditalien- bzw. Sizilien-Liebhaber unabdingbar, um mehr über die Geschichte der zweiten, bzw. ersten Macht im Staate zu erfahren. Glänzend recherchiert. Und bekanntermaßen ist es nicht ganz einfach, über die Mafia zu recherchieren. Hier geht es nicht um Voyeurismus oder Mafia-Romantik a la Hollywood (Goodfellas, Der Pate, Donnie Brasco, etc.). Hier geht es um die Sache selbst, es ist dem Autor ernst.
Beim nächsten Sizilien-Urlaub schaut man mit anderen Augen, mit offeneren Augen auf die Insel und die Menschen - ohne dass man gleich paranoid werden müsste. Jedoch: Wer nach Süditalien reist und dieses Buch nicht kennt, der weiß zu wenig.
Dazu kommt, dass das Ganze wirklich spannend geschrieben ist. Sehr lesbar also, ohne marktschreierisch daherzukommen oder auf billige Effekte im Stile der Bild-Zeitung zu setzen. Es geht schlicht um eine unangenehme Wahrheit, die unter der herrlichen Oberfläche schlummert.
Beitrag zur italienischen Geschichte, 22. September 2007
"Die Existenz der Mafia zu leugnen ist genauso, wie jene der Sonne abstreiten zu wollen."
(Diego Tajani, ehemaliger Chefankläger in einer Parlamentsdebatte im Juni 1875)
Am Anfang seines Buches, das in der englischen Originalausgabe unter dem Titel "Cosa Nostra. The History of the Sicilian Mafia" bereits im Jahre 2004 veröffentlichte wurde, erläutert John Dickie die ursprüngliche Bedeutung des Wortes "mafioso", das aus dem Dialekt Palermos stammt und mit schön, kühn, bzw. selbstbewusst übersetzt werden kann. Jemand der als "mafioso" bezeichnet wurde, verfügte über "das gewisse Etwas", das in der Sprache der heutigen Jugend in dem Wort "Coolness" seine Entsprechung findet. Das im Jahre 1863 in Palermo uraufgeführte Theaterstück "I mafiusi di la Vicaria" schuf gar den falschen Mythos einer "guten Mafia" und ihren Ehrenmännern........
......die eine in der Realität (lange geleugnete) Gewaltindustrie etablieren konnten, die durch nichts, was ihr das 19. und 20. Jahrhundert entgegenzusetzen hatten, aufgehalten werden konnte.
Weder der Kapitalismus, die Entstehung des Nationalstaates, der Aufstieg und Fall der Ideologien des Faschismus und Sozialismus, noch die Weltkriege und die Industrialisierung usw. konnten dem auf seinen Säulen Einschüchterung, Mord und Schweigen errichteten Schattenstaat der Cosa Nostra bis zu Beginn der 1990Jahre weder auf Dauer bekämpfen noch den entscheidenden Schlag versetzten......
...bis dem führenden Anti-Mafia-Ermittler Giovanni Falcone doch noch der Durchbruch gelang, der ihn durch einen Bombenanschlag am 23.05.1993 das Leben kosten sollte. Seine Nachfolger konnte auf die Falcones Arbeit aufbauen, so dass im Juli 2005 Marcello Dell'Utri, ein enger Freund Silvio Berlusconis, wegen Außenbeziehungen mit der Mafia zu neun Jahren Haft verurteilt wurde. Nach seiner 43jährigen "Flucht" konnten die Behörden am 11.04.2006 schließlich "Binnu u tratturi" Bernado Provenzano und dann am 20.06.2006 -52- weitere bedeutende "Familienhäupter" in Palermo festnehmen....
Neben einem Blick auf Initationsriten der Cosa Nostra und ihren Entsprechungen auf dem Festland 'Ndrangheta (Kalabrien), Camorra (Neapel) und Sacra Corona Unita (Apulien), sowie in die Geschichte der amerikanischen Ableger erfährt der Leser viele historische Fakten Italiens, die auch oder besonders für die Cosa Nostra von Bedeutung waren. Zum Beispiel: Giuseppe Garibaldis Zug der Tausend landet auf Sizilien (Mai 1860), Niederlage in der Schlacht von Adua gegen den äthiopischen Kaiser Menelik (1.3.1896), Mord an König Umberto I. (29. Juli 1900), "Operation Husky" - Landung der Alliierten (10.03.1943) und der sich daraus entwickelnde Gedanke des Separatismus usw. Darüber hinaus ist es John Dickie gelungen, neben den Persönlichkeitsprofilen der wichtigsten Mafiosi und ihren spektakulärsten Verbrechen auch die traditionellen Tagesgeschäfte des Organisierten Verbrechens, von Zitrusfrüchten über Schwefelabbau, Beton, Rauschgift usw., sowie ihre politischen Verstrickungen aufzuzeigen.
Vier Landkarten Siziliens/Palermos, ein Glossar, sowie ein 20seitiges Literatur und Zitatsquellenverzeichnis und ein anschließenden alphabetisches Register runden das Gesamtbild des hoch informativen und packenden Sachbuches ab. Sehr empfehlenswert: 5 Amazonsterne.
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