Kundenmeinungen
Viel mehr als erwartet, 23. Oktober 2008
In einer auch für Laien verständlichen Art gibt Paul Krugman einen geschichtlichen Abriss der amerikanischen Volkswirtschaft von 19. Jahrhundert bis heute. Das Buch beinhaltetweit mehr als sein Titel verrät. Er beschreibt den Aufstieg und den Abstieg der amerikanischen Mittelschicht nach dem 2, Weltkrieg bis heute. Parallelen zu der Entwicklung in Deutschland im gleichen Zeitraum sind nicht zufällig.Sehr empfehlenswert
Gegen die zunehmende Gerechtigkeitslücke, 14. Oktober 2008
Von Krugman kenne ich schon einige Bücher, insbesondere Internationale Wirtschaft: Theorie und Politik der Außenwirtschaft, welches fast ein Standardwerk ist, und Die Große Rezession: Was zu tun ist, damit die Weltwirtschaft nicht kippt. Beide Bücher habe ich mit großem Gewinn gelesen.Anlässlich des US-Wahlkampfes habe ich mir jetzt auch sein neuestes Werk zur Hand genommen, welches eindeutig politisch motiviert ist. Krugman möchte unter anderem höhere Einkommen deutlich stärker besteuern und eine allgemeine Krankenversicherung einführen, Maßnahmen also, die in Richtung soziale Marktwirtschaft zielen. Dabei erinnert er an den sog. New Deal unter Präsident Roosevelt, der zu breitem Wohlstand, einer starken Mittelschicht und gesellschaftlicher Solidarität und Zusammenarbeit führte."Nach Bush" ist ein hervorragend geschriebenes, glaubwürdiges und nachvollziehbares Buch. Einzig ein Punkt scheint er mir zu übersehen: In den letzten Jahrzehnten hat es noch eine weitere bedeutende gesellschaftliche Änderung gegeben, die auch von ökonomischer Relevanz ist: Die Gleichberechtigung der Frauen. Hier sehen einige Autoren eine eigenständige Problematik, auf die bislang noch nicht ausreichend reagiert wurde. Ich will diese nicht in Frage stellen, jedoch scheint eine Gesellschaft nicht funktionieren zu können, in denen Frauen und Männer genau die gleichen Lebensziele verfolgen.
Überraschung, 12. Februar 2008
Paul Krugman war mir bisher bekannt als einer der mit einfachen Worten dem Laien wirtschtswissenschaftliche Erkenntnisse verständlich macht und dabei weiterverbreitete Trugschlüße gekonnt beseitigt. Er hielt sich dabei bisher in meinen Augen an überparteiliche "main stream economics".Überrascht war ich, wie P. Krugman in "The Conscience of a Liberal" so klar parteipolitisch für die Demokraten Stellung bezieht, was aber nicht heißt, dass er unsachlich wird. Seine Untersuchungen über die Entwicklung der Einkommensverteilung in den USA: Drastische Angleichung ab dem 2. Weltkrieg und plötzlich steigende Konzentration seit den 1980er Jahren, ist sehr interessant.Im Economist erschien ein meines Erachtens relevanter Einwand zu P. Krugmans Thesen. Was zählt, ist nicht so sehr die Einkommensverteilung sondern die Verteilung der Konsummöglichkeiten. In den 20er Jahren hatten reiche Leute Autos, Kühlschränke und Telefone. Die Armen hatten nichts dergleichen. Heute haben reiche Leute vielleicht etwas fetzigere Autos als die Armen und einen Designer-Kühlschrank. Der Unterschied heute ist aber um ein vielfaches geringer als der zwischen Haben und Nicht-Haben. Darum hat auch Schumpeter in "Kapitalismus, Sozialismus und Demokratie" geschrieben, dass der Kapitalismus vor allem den ärmeren Leuten viel gebracht hat, trotz der ungleichen Einkommensverteilung.Etwas ganz anderes ist es freilich mit der von P. Krugman für sein Land dringend angemahnten allgemeinen Krankenversicherung. In der Medizin ist es nicht so wie bei Autos oder der Telekommunikation. Hier sorgt von Marktkräften getriebener technischer Fortschritt nicht dafür, dass das was heute teuer und den reichen vorbehalten ist, binnen kurzer Zeit billig und auch für die Armen bezahlbar wird. Moderne Medizintechnik wird vielmehr immer unerschwinglicher.Alles in allem fand ich andere Krugman Bücher wie "Pop Internationalism" pfiffiger. Das Buch gibt aber einen interessanten Einblick in aktuelle US Innenpolitik. P.S.: Gelesen habe ich die US-Ausgabe: Conscience of a Liberal
Mehr vor Bush als nach Bush, 25. Januar 2008
Liest man Bücher wie dieses, fragt man sich automatisch, welche Lektüre denn auf den Tischen der Auslandkorrespondenten liegt. Auch als ich jahrelang in Italien lebte, stellte ich mir solche Fragen. Klar, die meisten Journalisten schreiben süffiger als der amerikanische Wirtschaftsprofessor mit Aussicht auf Nobelpreiswürden. Aber im Zweifelsfall ziehe ich inhaltliche Gewinne den unterhaltsamen vor. Da Paul Krugman davon ausgeht, dass ohne Analyse der Vergangenheit jede Aussage über die Zukunft zur Wahrsagerei wird, ist der Buchtitel eher missverständlich. Denn was nach der Ära der Neokonservativen folgen soll, verrät uns der Autor erst ab Seite 218. Das ist auch deshalb nicht so schlimm, weil Krugmans Grabungen in den Schuttablageplätzen der Zeit nicht einfach Altbekanntes zutage befördert. Diese Einschätzung bestätigten auch in Amerika lebende Verwandte und Freunde, mit denen ich über Aspekte dieses Buches diskutierte. Was den Autor zudem auszeichnet, sind seine Kenntnisse europäischer Systeme und Eigenheiten. Als Schweizer bin ich immer froh, wenn ich keine Statements zu Ikea und Elchen abgeben muss. Wo Paul Krugman politisch steht, verschleiert er nicht. Und obwohl er unter Fachkollegen und international als wissenschaftliches Schwergewicht gilt, geht es mit dem Wort "Beweis" sehr sorgsam um. Mit Statistiken lässt sich alles belegen, Vor allem, wenn sie auf dürftigem Zahlenmaterial beruhen, wie das in Amerika bis vor einigen Jahrzehnten erstaunlicherweise der Fall war. Krugmann zieht es vor, genau zu beobachten, zu vergleichen und mögliche Thesen zu formulieren. Dann überlässt er es dem Leser, ihm zu glauben oder zu widersprechen. Nach der Lektüre des ganzen Buches braucht es allerdings schon fast mentale Loopings, um noch immer an die Mär zu glauben, die berühmte unsichtbare Hand würde ganz automatisch für Gerechtigkeit, Wohlstand und Demokratie sorgen. Wie Mythen geschaffen werden und den eigenen Zielen dienen, zeigt Krugman in einer Klarheit auf, die bei manchem Leser Empörung auslösen kann. Aber ohne Empörung, so der Autor zum Schluss, wird sich an den bestehenden Verhältnissen nichts ändern. Wen es also nicht weiter stört, dass der Mittelstand erodiert, die Reichen immer reicher werden und die Arroganten immer arroganter, liest lieber rechtskonservative Pamphlete. Allen andern kann ich dieses Buch empfehlen. Zu den Voraussetzungen für vollen Lesegenuss gehören jedoch: ausgeprägtes Interesse an Politik, Nachsicht für eine beschränkt spannende Erzählweise und die Fähigkeit, über Zahlen, Namen und länderspezifische Eigenheiten locker hinweglesen zu können. Da mich Krugmans Analysen inhaltlich zwar überzeugten, die Form ihrer Darbietung aber Verbesserungen ertragen würde, gibt es einen Stern Abzug.Mein Fazit: Wenn Amerika eine neue Führung bekommt, kann es nichts schaden, etwas mehr über die Politik und Gesellschaft der USA zu wissen. Wer sich bei Paul Krugman orientiert, wie es zur gegenwärtigen Misere kommen konnte, wird auch einiges besser verstehen, was in seinem eigenen Land vor sich geht. Für die politischen Berichterstatter der Medien sollte die Lektüre ohnehin Pflicht sein.
Suerreich, superarm? das muss nicht sein!, 18. Januar 2008
Paul Krugman will mit seinem furiosen, auch für Wirtschaftslaien sehr verständlich geschrieben Angriff auf die Konservativen in den USA eigentlich nur eines erreichen - er will die Kluft zwischen Armen und Superreichen schließen. Und das Erstaunliche ist:Seine Vorschläge:+drastische Steuererhöhungen auf privates Einkommen und Unternehemsgewinne, + Stärkung der Gewerkschaften, die in den USA weit weniger zu sagen haben als unser, die allerdings auch ständig an Macht verlieren, und eine + allgemeine Krankenversicherung, die es in seinem Land nicht gibt.Krugmans Vorschläge leuchten spontan ein. Weil sie (abgesehen von der Krankenversicherung) schon mal Realität waren. Unter Präsident Roosevelt im sogenannten New Deal. Der bescherte dem Land 30 Jahre lang vorher unbekannten Wohlstand. Durch eine ziemlich gleichmäßige Verteilung der Einkommen.Der Wirtschaftsprofessor von der Uni Princenton, inzwischen weltweit bekannt durch seine klugen, oft sogar witzigen, immer kontrovers zu diskutierenden Kommentare in der International Herald Tribune, greift die positiven Erfahrungen Amerikas mit den New Deal auf und plädiert für einen neuen Versuch mit ihnen. Damit die Bill-Gates-Society nicht noch reicher wird, die Armen in den Ghettos endlich wieder die Chance bekommen, die die US-Verfassung ihnen verspricht. "Nach Bush" ist also eine scharfe, aber immer faire Polemik gegen die sogenannten NeoCons, die "neuen" Konservativen, denen Machterhalt für sich und ihre Sponsoren wichtiger ist als soziale Fragen.Auf der anderen Seite ist "Nach Bush" ein brillant geschriebenes, wenn auch etwas trocken ins Deutsche übertragene Lehrbuch für alle, die sich mit Wirtschaft auseinandersetzen wollen oder müssen. Top-Manager, Politiker, Einfach-so-Interessierte. Und für Globalisierungsgener, owohl Krugman sich mit der Weltwirtschaft höchstens am Rande beschäftigt. Die Kämpfer gegen die globale Vernetzung können von ihm trotzdem lernen, dass es nicht auf einzelne Unternehmen ankommt, die nach Rumänien oder Indien auswandern, weil ihnen hier die Steuern und die Lohnkosten zu hoch vorkommen. Wichtiger ist, zumindest auf Dauer, dass eine Gesellschaft zusamenarbeitet, denn nur dann kreiert sie die nötigen Inventionen, um trotz Abwanderung der Global Player zu überleben. Und zusammenarbeiten können die Menschen der USA oer z. B. der EU nur, wenn die Gerchtigkeitslücke nicht zu groß wird. So wie zur Zeit auch bei uns. Paul Krugman beschreibt das sehr eindringlich. Und glaubwürdig. Zumindest für alle, die die Ideen der amerikanischen Demokraten richtiger finden als die der Repubikaner unter Bush.
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