Kundenmeinungen
Interessante Einblicke in die Welt der Finanzen, 18. März 2008
"Mein Leben für die Wirtschaft" hat weitaus mehr zu bieten, als es der Anschein zunächst vermuten lässt. Alan Greenspan, gefühlte hundert Jahre lang Vorsitzender der amerikanischen Notenbank Fed, zeigt sich in dieser Autobiografie von einer ungewohnt redseligen Seite. Für seine kurzen und nicht für jedermann verständlichen Aussagen während seiner Amtszeit bekannt, erlebt der Leser ihn in diesem Werk auf eine gänzlich neue Art. Wenn er von seinen Erfahrungen und Erlebnissen berichtet, sprudelt es regelrecht aus ihm heraus. Der Text liest sich flüssig, wenn man einmal von einigen Druckfehlern absieht. Das Buch ist grob in zwei Teile untergliedert. Zunächst beschreibt Greenspan die Geschehnisse während seiner Amtszeit und ermöglicht dem Leser auf diese Art und Weise einen Einblick hinter die Kulissen der Fed. Und diese Einblicke sind für jeden, der sich für den Themenkomplex Finanzen / Wirtschaft / Börse begeistern kann, sehr interessant. Wann sonst hat man die Gelegenheit, die Gedankengänge einer derart mächtigen Person nachverfolgen zu können.Im zweiten Teil - und an dieser Stelle kann man kaum mehr von einer Autobiografie sprechen - äußert sich Greenspan zu den Kräften des freien Marktes und hält mehr oder minder ein Plädoyer für diesen. Dabei befasst er sich mit verschiedenen Theorien und Problemen bezüglich der wirtschaftlichen Entwicklung - insbesondere der Vereinigten Staaten. Alles in allem ist "Mein Leben für die Wirtschaft" ein hoch interessantes Buch. Greenspan versteht es auf den ersten Blick trockene Themen mit einigen Anekdoten zu würzen und den Leser so bei Laune zu halten. Einen Stern Abzug erhält die Wertung einzig durch den Umstand, dass man sich ab und zu doch eine weitere Vertiefung gewünscht hätte. Denn teilweise kratzt der ehemalige Notenbanker lediglich an der Oberfläche, ohne dabei ins Detail zu gehen. Schade, aber wahrscheinlich hätte das Buch ansonsten einige hundert Seiten mehr...
Schwer zu lesen, 4. Februar 2008
Wenn jemand wie Alan Greenspan, Jahrgang 1926, seine Autobiografie schreibt, sollte das doch eine spannende Sache werden. Dachte ich mir zumindest und kaufte voller Freude das Buch. Leider war der Inhalt doch enttäuschend. Es liest sich unglaublich zäh und kaum unterhaltsam-anekdotenhaft. Die Seiten sind angefüllt mit Fakten, Fakten, Fakten, die schon beim Umblättern fast wieder vergessen sind. Es ist die Fülle, die erdrückt. Mitunter auch ein Durcheinander von Themen. Man kann dies nicht über hunderte von Seiten aufnehmen. Vielleicht wäre eine gewisse inhaltliche Tiefe statt einer sprunghaften, ausufernden Themenbreite besser gewesen.
Zwischen einem und fünf Sternen, 27. Januar 2008
Wie viele Sterne gibt man einem Buch, welches in der ersten Hälfte begeistert und in der zweiten Hälfte langweilt? Persönliche Sichtweise, Zusammenarbeit mit verschiedenen Präsidenten und die Faszination, mit Zinsentscheidungen das Weltgeschehen verändern zu können, prägen den ersten Teil der Buches. Langweilige und sich wiederholende Theorien aus US-Sichtweise prägen den zweiten Teil des Buches, die jedem wirtschaftlich Interessierten keine großartigen neuen Erkenntnisse bringen. Hätte er den wesentlichen Inhalt des Buches auf 300 Seiten komprimiert, hätte ich 5 Sterne vergeben.
Faszinierendes Leben und spannende Einblicke, 16. Januar 2008
"Mein Leben für die Wirtschaft" ist wohl nur in Teilen eine klassische Biografie, insgesamt ist es viel mehr eine kurze Darstellung der Funktionsweise freier Märkte angereichert mit hunderten kleiner Epioden und Erläuterungen wichtiger methodischer Ansätze, die jedoch - sehr laienverständlich aufgereitet - stets gut lesbar und anschaulich gestaltet sind.In der ersten Hälfte des Buches schlägt Greenspan einen großen Bogen von seiner Kindheit über seine Leidenschaft zur Musik und die Karriere in der Wirtschaft bei Townsend & Greenspan bis hin schlußendlich zu seinen politischen Aktivitäten die in der allseits bekannten Funktion als Vorsitzender der US-Notenbank Federal Reserve System gipfeln. Dabei nimmt er den Leser mit auf eine - gerade für einen Wirtschaftswissenschaftler erstaunlich anschaulich erzählte - spannend ausgerollte Entdeckungsreise in seine Erkenntnisprozesse. Er erklärt, wie er im Laufe der Jahre zu seinen Überzeugungen gekommen ist, welche Widersprüche sich ergaben und wo die (häufiger) politischen und (seltener) marktwirtschaftlichen Grenzen liegen. Dabei reichert er die Geschichte mit einem kaum überschaubaren Fundus an Erinnerungen, Gesprächen, Ansichten an, der zu einem lebendigen Bild der Wirtschaftspolitik der vergangenen dreißig Jahre wird.Im zweiten Teil des Buches schließlich setzt er sich mit Einzelthemen auseinander, wie der besonderen Rolle einzelner Staaten und der mit ihnen verbundenen Ideologie, sowie ökonomisch besonders relevanten Bereichen, wie der Bildungs- oder Energiepolitik, sowie der sich verändernden demografischen Situation. Das Buch beschließt er mit einem Ausblick in die Zukunft des Jahres 2030, der zwar keine fundamentalen Überraschungen birgt, wohl aber anschaulich zeigt, welche Prognoseleistungen die Wirtschaftswissenschaften leisten können, ohne dass es ein bloßer Blick in die Glaskugel wäre.Durchgängig präsentiert Greenspan ein überzeugend stimmiges Plädoyer für die freie Marktwirtschaft und eine restriktive Haushaltspolitik und rechtfertigt damit implizit eben die Prinzipien für die er auch in seiner aktiven Zeit bei der Notenbank eingetreten ist. Negativ kann man vielleicht anmerken, dass Greenspans eigene Aussage über dieses Buch, dass er sich nicht scheue einige durchschlagende Hypothesen zu formulieren, vielleicht etwas zu vollmundig ist, sind doch seine Rückschlüsse nicht wirklich neu. Beeindruckend ist jedoch - und eben das macht das Buch äußerst lesenswert - die Detailschärfe seiner Betrachtungen.Im Ergebnis ein "must read" für jeden wirtschaftspolitisch interessieren Leser.
Leider nur Mittelmaß, 3. Januar 2008
Um es kurz zu machen: ein sehr interessantes Buch, das die politischen und wirtschaftlichen Fragestellungen der vergangenen Jahrzehnte aus einer für den Durchschnittsleser sicher ungewöhnlichen und hochinformierten Perspektive beleuchtet und auch die Probleme der unmittelbaren Zukunft, wirschaftliche Entwicklung in China, Rußland, Indien, demographische Entwicklung (drohende Verrentung der "Baby-Boom Generation") in den Industrienationen u.v.m. anspricht und mögliche Lösungsansätze aufzeigt. Für mich als Deutschen war es dabei besonders informativ, sozusagen ganz nebenbei aus berufenem Munde zu erfahren, wie lange auch in dem amerikanischen Regierungssystem, das doch angeblich mit jedem neuen Präsidenten die gesamte Ministerialbürokratie auswechselt, immer dieselben Personen die politischen Fäden ziehen (oder wer hätte gedacht, daß Persönlichkeiten wie Dick Cheney oder Donald Rumsfeld schon unter US-Präsident Ford wichtige Funktionen im Washingtoner Politkarussel innehatten?).Dennoch weist das Buch zahlreiche Schwächen auf: so merkt man ihm in vieler Hinsicht an, wie schnell es entstanden und übersetzt worden ist (Es behandelt noch Probleme aus dem Jahr 2006!). Zum einen ist die Übersetzung weitgehend suboptimal. Das fängt schon bei dem Titel an: "Die Autobiografie" ist viel zu eng, da trifft es der amerikanische Originaltitel: "The Age of Turbulence. The Adventures of a New World" schon viel besser. Einige Schwächen können klar einem mehr als mäßigen Lektorat zugeordnet werden. So kommt es wiederholt vor, daß ein und derselbe Satz in genau identischer Form zweimal auftaucht - innerhalb ein-und desselben Absatzes (Beispiel: S. 417 oben).Die wesentlichen Schwächen gehen aber doch wohl auf mangelnde intellektuelle Disziplin des Autors selbst zurück: so hätte man den - an sich hochinteressanten - Inhalt des Buches ohne substantiellen Verlust ohne weiteres auch auf 300 oder gar 200 statt der tatsächlich benötigten 600 Seiten unterbringen können. Dafür hätte er allerdings das behandelte Material durch eine bessere Auswahl und Gliederung entschlacken und veredeln müssen - dazu hat er sich jedoch leider nicht die Zeit genommen.Alles in allem: Ein zwar äußerst lesenswertes Buch eines ausgesprochen klugen Zeitgenossen, dem man allerdings zurufen möchte: "Sorry, Alan, you could have done better!"
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