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Gerd Gigerenzer: Bauchentscheidungen. Die Intelligenz des Unbewussten und die Macht der Intuition

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Bauchentscheidungen. Die Intelligenz des Unbewussten und die Macht der Intuition

von Gerd Gigerenzer

Bertelsmann, München

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Kundenmeinungen

produkt bewertung produkt bewertung produkt bewertung produkt bewertung produkt bewertung  zu seicht, 12. November 2007

Gerd Gigerenzer ist einer der vier Direktoren des Max Planck Instituts für Bildungsforschung in Berlin (Forschungsbereich "Adaptives Verhalten und Kognition"). Das Buch, das er geschrieben hat, liest sich allerdings eher so, als wäre es vom Aufseher eines Kindergartens geschrieben. Hier eine Leseprobe (S. 59): "Betrachten wir zwei Ehepaare, die Eintrachts und die Streits, die in jeder Hinsicht gleich sind mit einer einzigen Ausnahme: Die Eintrachts sind freundlich, herzlich, fürsorglich und kommen sehr gut miteinander aus. Die Streits dagegen zanken sich, schreien sich an, beleidigen einander und sind im Begriff, sich zu trennen. Wie können wir den Unterschied erklären?"

Zumindest denjenigen, die sich ernsthaft für psychologische Forschung interessieren, kann ich dieses Buch nicht empfehlen. Es handelt sich letztlich bloß um eine lose Aneinanderreihung von Anekdoten, Gedankenexperimenten, Bonmots von Prominenten und Gelehrten, Grafiken und Bildchen, besserwisserischen Kommentaren zu unterschiedlichsten Themen sowie ein paar eingestreuten Untersuchungsergebnissen. So etwas wie eine Theorie über die Intuition oder darüber, was es mit dem Unbewussten auf sich hat, sucht man vergeblich. Stattdessen erfährt man, dass Gigerenzer viel Geld mit Akzien gemacht hat, dass er seine Bürotür immer offen stehen lässt, und dass er den Chef der britischen Zentralbank persönlich kennt.

Die Kernaussage des Buches ist schnell zusammengefasst: Unter "Bauchgefühlen" (intuitiven Urteilen) versteht Gigerenzer Entscheidungen und Vorhersagen, die auf unbewussten "Faustregeln" (Heuristiken) beruhen. Sein Hauptanliegen ist es, zu zeigen, dass sich mit Hilfe solcher "Faustregeln" unter realistischen Bedingungen wie unvollständiger Information und Zeitmangel oft bessere Entscheidungen treffen bzw. Vorhersagen machen lassen als durch planvolles Nachdenken.

Ganz interessant fand ich auch noch den folgenden Punkt (der in dem Buch allerdings ganze drei mal ausführlich erläutert wird): Unter bestimmten Umständen kann jemand, der WENIGER über ein Thema weiß, MEHR richtige Antworten auf Fragen zu diesem Thema geben. Wenn Sie zum Beispiel gefragt werden, ob Detroit oder Milwaukee die größere Stadt ist, und sie von Milwaukee noch nie etwas gehört haben, dann gibt Ihnen das einen Hinweis darauf, dass Milwaukee nicht so bedeutend und folglich wahrscheinlich auch nicht so groß ist. Wenn Sie beide Städtenamen kennen, wissen sie damit zwar in einem gewissen Sinne mehr, Sie sind damit, was die Beantwortung der Frage anbelangt aber im Nachteil, weil ihnen dieser Hinweis dann fehlt.

Ansonsten bringt Gigerenzer nur lauter alte Hüte: Intelligente Reaktionen auf komplexe Probleme können zuweilen auf recht simplen kognitiven Mechanismen beruhen. - Verhalten ist nicht nur von Personmerkmalen, sondern zugleich auch von Umweltbedingungen bestimmt. - Unsere Urteilsdispositionen sind das Produkt der evolutionären Entwicklung unserer Spezies und unserer je individuellen Lerngeschichte. - Ein kompliziertes statistisches Modell, das sehr eng auf einen spezifischen Datensatz angepasst ist, wird zumeist schlechtere Vorhersagen über neue Daten machen, als ein simpleres Modell, das nur die Hauptfaktoren berücksichtigt. (Dass das schon allein aus wahrscheinlichkeitstheoretischen Gründen so sein muss, kann man in jedem Statistiklehrbuch nachlesen. Gigerenzer hat es zur Sicherheit aber auch noch mal empirisch nachgeprüft.) - Wenn Versuchspersonen in Fragebögen augenscheinlich unlogische Antworten ankreuzen, dann liegt das nicht unbedingt daran, dass sie dumm wären, sondern vielleicht daran, dass sie die Aufgabenstellung nicht so interpretiert haben, wie der Forscher sie gemeint hatte. - Die Rechtfertigungsgründe, die wir für unsere spontanen Urteile anführen, sind oft bloß nachträgliche Rationalisierungen, und haben mit den Beweggründen, die uns tatsächlich dazu gebracht haben, so zu urteilen, oft gar nichts zu tun. - Menschen sind keine hyperrationalen egoistischen Nutzenmaximierer. - Gäääähn...


produkt bewertung produkt bewertung produkt bewertung produkt bewertung produkt bewertung  Plädoyer für Bauchentscheidungen, 10. November 2007

In unserer Gesellschaft werden Bauchentscheidungen grundsätzlich für unzuverlässiger gehalten als Kopfentscheidungen. Und auch die akademische Psychologie hält unsere Intuitionen grundsätzlich für fehleranfällig und rät dazu, bei Entscheidungen alle Pro und Kontras sorgfältig gegeneinander abzuwägen. Doch diese Maxime ist laut Gerd Gigerenzer überholt und resultiert aus Experimentalsituationen, die den Probanden bewusst in die Irre führen wollen. Doch im Normalfall funktionieren Bauchentscheidungen zuverlässiger oder mindestens genauso zuverlässig wie aufwendige Kosten-Nutzen-Analysen.
Dies zeigt er anhand wissenschaftlicher Studien, Anekdoten und Beispielen aus unserem Alltag. Ihm gelingt ein flott geschriebenes Buch, das seine Thesen gekonnt untermauert. Oft gerät ihm der rote Faden aber ein wenig aus dem Blick, vieles hätte kürzer gefasst werden können. So wird nicht immer klar, worauf der Autor gerade hinaus möchte oder was einzelne Kapitel miteinander gemeinsam haben, zumal sein Begriff der "Bauchentscheidung" auch etwas "schwammig" definiert ist. Auch ist nicht jede Erkenntnis, die er uns hier anbietet, wirklich neu. Dennoch ein empfehlenswertes Buch.


produkt bewertung produkt bewertung produkt bewertung produkt bewertung produkt bewertung  Vorhaben verfehlt, 26. Oktober 2007

Was ist denn nun Intuition? Gigerenzer gibt darauf für mich keine befriedigende Antwort. Seine Beispiele umfassen unterbewusste rationale Entscheidungen, das Befolgen von Gesetzen, pures Glück, bewusst angewendete Alltagsregeln und simple Vorurteile. So viele, vollkommen unterschiedliche, Mechanismen als ein Phänomen zu behandeln ist für mich nicht korrekt.
Der Schreibstil ist angenehm verständlich. Wenn es dann um die ständig erwähnten evolutiven Prozesse geht, beginnt der Autor aber doch merklich zu schwimmen. Ziemlich nervig ist das ständige Wiederholen bestimmter Thesen und Sachverhalte, die Gigerenzer wohl für besonders wichtig erachtet. Aber ein bisschen Vertrauen in die Leser sollte man schon haben. Wenn man eine relativ banale Tatsache nun zum fünften oder sechsten Mal erklärt bekommt, ist man doch geneigt das Buch einfach zur Seite zu legen.
Warum das Buch dann doch 3, statt der angedachten 2, Sterne bekommt: die vielen psychologischen Studien die hier vorgestellt werden und die, zumindest für auf diesem Gebiet relativ unbelastete Leser, immer wieder interessante Erkenntnisse bieten und den eigenen Horizont erweitern können.


produkt bewertung produkt bewertung produkt bewertung produkt bewertung produkt bewertung produkt bewertung  Ein weiterer Sieg der Sozialpsychologie, 17. September 2007

Nach der Lektüre von Jens Försters Meisterwerk "Kleine Einführung ins Schubladendenken" habe ich eine Lesereihe "Sozialpsychologie" initiiert, die vor allem leicht geschriebene Bücher zu den Themen Entscheidungen und Personenbewertungen beinhaltet. Auch dieses Buch gibt einen wunderbaren Überblick zum Stand der Entscheidungsforschung, auch dieses Buch ist schön geschrieben, mit zahlreichen Beispielen ausgestattet und unbedingt lesenswert. Manchmal fehlt ihm die Frische, mancherorts kommt es ein wenig unbescheiden daher und natürlich kann es mit dem rasanten, kreativen Schreibstil von Förster nicht mithalten. Insgesamt jedoch ist es wunderbar, wie gerade die deutsche Psychologie den Spagat zwischen leserfreundlicher Vermittlung und Wissenschaftlichkeit meistert. Dagegen sollte man amerikanische Bestseller wie Gladwells "Blink" oder Cialdinis "Sozialer Einfluss" lieber meiden. Jene lesen sich dagegen wie verklemmte Kinderbücher aus den 50er Jahren.


produkt bewertung produkt bewertung produkt bewertung produkt bewertung produkt bewertung produkt bewertung  Der "Bauch" im Kopf: hocheffizient doch nicht unfehlbar., 1. August 2007

Als Harry, ein Freund des Autors und Psychologen Gerd Gigerenzer, vor der schwierigen Wahl stand, sich für eine Partnerin entscheiden zu müssen ("Die oder Ich"), folgte er dem erprobten Rat Benjamin Franklins. Er listete Für und Wider auf, gewichtete und rechnete. Das Ergebnis unter dem Strich war eindeutig - und er wusste, dass es falsch war. Woher? Als ein Experte jene griechische Statue aus dem 6. Jahrhundert v. Chr. sah, die dem J.-Paul-Getty Museum in Los Angeles für zehn Millionen Dollar zum Kauf angeboten wurde, hatte er spontan den Eindruck "frisch". Umfangreiche wissenschaftliche Untersuchungen hatten die Echtheit des antiken Kunstwerks bestätigt. Doch der Experte behielt Recht: Es war eine Fälschung. Wie konnte er dies erahnen? Übersinnliche Wahrnehmung? Intuition? Die beiden Beispiele (das zweite ist aus dem Bestseller "Blink - Die Macht des Moments" von Malcolm Gladwell) beleuchten eine Fähigkeit des Menschen die man zwar gemeinhin Bauchentscheidung, Intuition oder Ahnung nennt, jedoch getrost als "tiefere Intelligenz" bezeichnen kann. Die Wissenschaft beginnt, die Funktionsweise dieser Form der Intelligenz zu erfassen - und zeigt, unter welchen Umständen wir auch mit Intuitionen erheblich danebenliegen können.

Mehr als Logik.
Grundlage der menschlichen Intelligenz ist das logische Denken - so meinen immer noch viele von uns. Doch das logische Denken sieht nicht, was "zwischen den Zeilen steht" und ist blind für den Inhalt. Die Sätze "Markus wurde zornig, und Maria ging" und "Maria ging, und Markus wurde zornig" enthalten jeweils zwei gleiche Aussagen, die durch 'und' verknüpft werden. Trotzdem sind die beiden Sätze vollkommen verschieden in ihrer Bedeutung. Wir erkennen intuitiv den Inhalt und den Unterschied. Gute Intuition, so Gerd Gigerenzer, muss nicht logisch sein. Sie kann über die Logik hinausgehen, indem sie Informationen hinzuzieht, die im Augenblick gar nicht vorliegen.

Die Kunst besteht, darin zu wissen was wir *nicht* zu wissen brauchen.
Bauchgefühl, Intuition oder Ahnung war früher etwas Geheimnisvolles und Unerklärliches. Weil wir alle schon mal in dunkler Vorahnung die Erfahrung eines flauen Magens gemacht haben, oder Schmetterlinge im Bauch fühlten, glauben wir, dass die Intuition so eine Art Gefühl ist. Ist es aber nicht. Intuition ist Intelligenz und findet im Kopf statt. Intuition besteht aus der unbewussten Benutzung von Faustregeln. Wir filtern nur wenige relevante Informationen heraus, vereinfachen auf diese Weise umfangreiche Betrachtungen und erhalten schnell und effizient ein Ergebnis. Die Kunst liegt darin, die richtige Faustregel für die jeweilige Situation (unbewusst) auszuwählen. Dafür hat das Gehirn des Menschen im Laufe der Evolution ein ganzes Arsenal von Fähigkeiten entwickelt, die uns helfen, aus einer komplexen Welt schnell einen Sinn herauszufinden - Fähigkeiten, die Tiere nicht haben.

Ziel des Buches ist es, solche Faustregeln zu erläutern und zu zeigen, wann Intuition zum Erfolg, und wann sie zum Scheitern führen kann. An Hand von Untersuchungsergebnissen und mit Beispielen aus Beruf und Alltag weiht uns Gerd Gigerenzer in die Geheimnisse der Intuition ein. Er zeigt, welche Faustregeln unser Gehirn verwendet. Wir benützen diese Fähigkeiten ständig; wir können gar nicht anders, als Schlüsse zu ziehen. Neu dürfte für viele sein, dass es möglich ist, Intuition zu trainieren.

Überzeugend.
Gerd Gigerenzer ist es wieder einmal glänzend gelungen, einen komplexen und für viele undurchschaubaren Sachverhalt anschaulich darzustellen. Die Lektüre gewinnt einen besonderen Wert dadurch, dass wir daraus lernen können, bewusst an unserer Intuition zu arbeiten; sie letztlich dort einzusetzen, wo sie die verlässlichste Methode darstellt um zu einer Entscheidung zu kommen. Die Aussage des Klappentextes, "dass es gute Gründe gibt, sich auf seine Bauchgefühle zu verlassen", ist allerdings nur die halbe Wahrheit und spiegelt den Sachverhalt nicht richtig wieder. Leider können wir uns eben *nicht* immer und blind auf unsere Intuition verlassen. Und, wer das Buch - wörtlich genommen - verschlingt, wird eine echte Bauchentscheidung erfahren.




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Gerd Gigerenzer: Das Einmaleins der Skepsis. Über den richtigen Umgang mit Zahlen und Risiken.

Malcolm Gladwell: Blink! Die Macht des Moments

Jens Förster: Kleine Einführung in das Schubladendenken. Über Nutzen und Nachteil des Vorurteils



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