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Peter Handke: Die morawische Nacht

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Die morawische Nacht

von Peter Handke

Suhrkamp Verlag

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Beschreibung

Im Jahr 1963 reiste ein noch unbekannter Dichter aus Österreich auf die jugoslawische Insel Krk an der kroatischen Adria, um sein erstes Buch zu schreiben und seine erste Liebe zu durchleben. Seitdem hat der Dichter viele Bücher geschrieben und viele Lieben durchlebt, nicht nur solche zu Frauen. Auch Jugoslawien galt seine Liebe, gilt sie auch nach dem Tod des Landes noch: eine Liebe, die er in vielen Büchern besungen hat. Abschied des Träumers vom Neunten Land. Eine Wirklichkeit, die vergangen ist: Erinnerung an Slowenien ist der Titel eines solchen Buches, Eine winterliche Reise zu den Flüssen Donau, Save, Morawa und Drina oder Gerechtigkeit für Serbien ein anderes.

Jetzt ist der Dichter, der natürlich der für seine Jugoslawiennostalgie in der Öffentlichkeit stark kritisierte Peter Handke ist, ins Land seiner Träume zurückgereist, in einer Zeit „nicht lang nach Frühlingsanfang“, auf ein Haus- und Hotelboot, ans Ufer des Donau-Zuflusses Morawa, und in die Nähe der Insel Krk, die in der immerhin 560 Seiten langen „Erzählung“ aber anders, nämlich Cordura, heißt. An Bord der „Morawischen Nacht“ ist ein ehemaliger, ein „abgedankter“ Autor mit Papierallergie (!), der sich hier mit sieben (oder sechs?) Freunden trifft -- und die Gäste mit der Gegenwart einer Frau überrascht. Von einer planlosen „Rund- und Zickzackreise“ durch Europa erzählt er den Anwesenden von Fahrten zu den Orten, die wir aus anderen Romanen Handkes kennen, an deren Anfang die Flucht vor einer unbekannten Stalkerin, Verkörperung einer unfassbaren, unangreifbaren Gefahr. Der Weg führt zum Balkan, dem Ort, an dem er sich zuhause fühlt. Bis auch diese Sicherheit am Ende einer Lebensreise, die wieder von einer Frau flankiert wird, schwindet: „Was hatte er bloß bei den Verlorenen auf dem Balkan zu suchen gehabt? Der Verlorene, war das nicht in Wirklichkeit er?“

Ursprünglich hatte Handkes handlungsleeres, aber gedankenschweres Buch Samara heißen sollen, was man in etwa mit „die Nacht im Gespräch verbringen“ übersetzen kann. Jetzt spielt der Titel an auf die orientalischen Geschichten aus Tausendundeiner Nacht . Das hat einen guten Grund. Denn Handke erzählt, als ob es um sein Leben, seine Existenz als Dichter ginge. Poetisch, traurig, selbstironisch -- und über weite Strecken überaus gelungen. Die morawische Nacht ist ein Aufbruch zu neuen Ufern, der einen Handke zeigt, wie man ihn sich in den letzten Jahren immer wieder gewünscht hat. -- Thomas Köster, Literaturanzeiger.de





Kundenmeinungen

produkt bewertung produkt bewertung produkt bewertung produkt bewertung produkt bewertung  Große Enttäuschung, 22. Januar 2008

Durch recht positive Rezensionen im "Spiegel" sowie in der "Zeit" bin ich auf Peter Handkes neuen Roman "Die morawische Nacht" aufmerksam geworden. Da Handke als einer der bedeutendsten deutschsprachigen Autoren der Gegenwart zählt, habe ich den beiden Kritiken vertraut und 28 Euro in eine erhoffte Horizonterweiterung investiert. Das Ergebnis war eine absolute Enttäuschung. Der Roman war für mich inhaltlich belanglos und nervt mit seinem gekünstelten Schreibstil, der keinerlei erkennbare Funktion erfüllt.

Zum Inhalt: Ein ehemaliger Schriftsteller lädt nach einer ausgedehnten Europareise seine Freunde zu sich ein, um ihnen von seinen Erlebnissen zu berichten. Sein Domizil befindet sich auf einem Hausboot mit dem Namen "Die morawische Nacht", welches im Balkanort Porodin gelegen ist. Erzähler des Romans ist einer der anwesenden Freunde des Ex-Autors, der dessen Erzählung wiedergibt. Wir erfahren, dass die Reise des Autors "von der Flucht vor einer Frau" (24) motiviert gewesen ist und dass er sich häufig mit den nationalen und ethnischen Konflikten auseinander setzt: "Euer Staat, er dient euch nur dazu, euren Haß auszuleben, im Schutz eurer Staatsgrenzen, Flaggen, die Drohflaggen sind, und Hymnen, die Haßhymnen sind" (104).

Im Bericht des Ex-Autors verschwimmen des Öfteren die Grenzen zwischen Traum und Wirklichkeit. Das merkwürdige "Symposium der Geräusche" (Kapitel 3) gehört zu diesen Sequenzen ebenso wie die ihn verfolgende und beschimpfende Figur des Melchior (Kapitel 8). Das ist zwar durchaus amüsant, aber auch irgendwie sinnfrei. Das gilt auch für Handkes Schreibstil, der sich so oder so ähnlich über 560 Seiten erstreckt: "Im Dasein, in dem einen Leben, am Anfang ein reines Rätsel, das reinste Rätsel, das Rätsel der Rätsel, das Rätsel pur, und dann, mit der Zeit, nein, wider sie, ein furchtbares Rätsel, der Deckname für Tod, oder auch bloß für Langeweile, mit mir und meiner Zeit Nichts-anfangen-Wissen" (117). Prinzipiell stehe ich ja auf anspruchsvoll-verschachtelte Satzkonstruktionen. Hier habe ich aber den Eindruck, dass der Stil keinen anderen Zweck erfüllt als den, Dinge unnötig zu verkomplizieren. Des Öfteren wirken die Sätze wie frisch aus einem creative-writing Kurs übernommen.

Fazit: "Spiegel" und "Zeit" erwähnen, dass "Die morawische Nacht" ein stark autobiographisch gefärbter Roman sei. Da ich weder Werk noch Person Peter Handkes genauer kenne, kann ich das nicht beurteilen. Jedoch ist es für die Bewertung eines Textes nicht bedeutend, ob man nun einige Stationen oder Erlebnisse des Autors wiedererkennt oder nicht. Daher nur zwei Sterne.


produkt bewertung produkt bewertung produkt bewertung produkt bewertung produkt bewertung produkt bewertung  Mein erster Handke, 19. Januar 2008

Die morawische Nacht

Dies ist mein erstes Buch, das ich von Handke lese. In den letzten Jahren immer sehr präsent in den Medien, wollte ich mich nun einmal direkt mit diesem sympathischen Menschen auseinandersetzen. FAZIT: Ich wurde nicht enttäuscht. Sein Schreibstil ist so, wie ich es mag. Man kann so viel mit Worten ausdrücken, mit Worten malen, mit Worten ins Detail gehen - bis zur Unendlichkeit. Jedesmal, wenn ich das Buch zur Hand nehme, werde ich eingetaucht in eine besondere Magie (ich bin dann plötzlich auch Zuhörer auf dem Boot). Was Menschen auf dieser Welt tun und denken, das ist doch überhaupt das Interessanteste von allem - oder nicht? Und auch das sich Hineindenken . Es ist auch sehr viel HEIMAT in diesem Buch - egal, wo man sich gerade aufhält. Und auch viel Sachliches, aus dem man lernen kann (z. B. die Probleme am Balkan). Und auch eindeutig ganz viel Autobiographisches. Ich gratuliere auf diesem Wege dem Autor zu seinem Werk.


produkt bewertung produkt bewertung produkt bewertung produkt bewertung produkt bewertung  Enttäuschend - nicht der gewohnte Handke, 16. Januar 2008

Mit Erwartung nahm ich diese "Erzählung" in Angriff. Und wurde von der ersten bis zur letzten Seite enttäuscht. Als Handke-Fan, der ich nun mal bin, hatte ich nach dem Jahrhundertwerk "Mein Jahr in der Niemandsbucht" wieder Ähnliches erwaret. Nichts davon. Eine sehr konstruierte Erzählung, bei der sehr selten der Geist Handkescher Schreibart rüberkommt. Hier schwebt nichts oder kaum, hier wird um nichts palavert, hier wird leeres Wort gedroschen bis zum Gehtnichtmehr. Einzig die Situation, als er, der Nichterzähler, der ja doch der Ich-Erzähler ist, den Bruder wiedersieht, von der Mutter posthum als Nichtverantwortlich für deren Selbstmord (Siehe: Wunschloses Unglück) freigesprochen wird, erinnert an die Zeit- und Raum vergessende Handkesche Schreibweise der Nach-2000-Jahre. Hier geschieht gar nichts, wird nichts erlebt und kaum was erzählt, außer einer gekünstelt wirkenden Begegung auf einem ex-jugoslawischen Boot. Und viel Ex spielt mit. Was Handke damit sagen will, bleibt ihm selbst vorbehalten. Er erreicht weder mit Sprache noch mit Inhalt die Aussagen früherer Bücher. Ich habe den Eindruck, er wollte so schnell wie möglich etwas Aufgeschriebenes als Buch vermarkten. Die ungeheure Produktivität der letzten Jahre bestätigt dies. Und dass - bei den Verkaufszahlen - der Verlag alles abnimmt, was aus Handkes Bleistift kommt - versteht sich von selbst. Schade. Als Erzählung auf ein Fünftel geschrumpft, hätte sicherlich wieder etwas Bleibendes und Schönes herauskommen können. So bleibt ein schaler Nachgeschmack mit dem Beiwort: Was solls?




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