Kundenmeinungen
Wenn Du denkst Du denkst dann denkst Du nur Du denkst....., 24. März 2007
Das Buch "Hirnforschung und Willensfreiheit" von Chistian Geyer ist eine Zusammenstellung von Texten und Meinungen von in der Wissenschaftswelt mehr oder weniger bekannten Philosophen und Neurologen zum sehr kontroversen Thema Willensfreiheit, Determiniertheit und Entscheidungsfreiheit. Aus den Beiträgen wird die Brisanz und der Sprengstoff ersichtlich der unter den Experten zur Zeit existiert und sich auf Grund der modernen Möglichkeit der neuronalen Analytik sich im Fluß befindet auf der Suche nach einer gemeinsamen Sprache und fächerübergreifenden allgemeingültigen Definitionen zum Thema Willenfreiheit. In der Diskussion spielen die Experimente von Libet, Haggart und Eimer immer wieder eine wichtige Rolle. Der Leser erhält einen guten Überblick über die zur Zeit geführten wissenschaftlichen Dispute und Fragen. Sind wir nur rafinierte Automaten? Wie kann man freies Handeln definieren? Was ist ein Willenruck? Wie werden soziale Regeln gebildet und wann spricht man von einer fehlgeleiteten Prägung? Gilt der Monismus oder Dualismus? Was sind "Zombie Agenzien"? ........ Das Buch und die Autoren geben zwar keine absoluten Antworten aber mindestens interessante Gedanken, Anregungen und Vorschläge. Ich habe nicht bereut das Buch gelesen zu haben.
Mäßig ergiebige Zusammenstellung, 20. August 2006
"Hirnforschung und Willensfreiheit" ist eine nicht sonderlich spannende Zusammenstellung des momentanen Status im Streit zwischen Neurologen und Geisteswissenschaftlern, besonders Philosophen, um die Möglichkeit oder Unmöglichkeit eines freien Willens. Am interessantesten sind dabei noch die Texte der Hirnforscher Roth/Singer, die dem Laien einen Einblick in die momentanen Möglichkeiten der Forschung verschaffen. Erschreckend schwach jedoch die Antworten der Philosophen, Juristen, Theologen etc.: Statt Argumente gegen die Thesen der Naturwissenschaftler zu liefern, wird da groß schwadroniert, ohne dass auch nur der Ansatz einer Widerlegung herauskommt. Immer wieder das Berufen auf die Notwendigkeit der Annahme von Willensfreiheit und deren intuitive Gewissheit, was die Hirnforscher jedoch überhaupt nicht schreckt. Dieses Buch macht einsichtig, warum der Dialog zwischen Neurologen und Philosophen so unfruchtbar bleibt. Und obwohl ich selbst zur philosophischen Seite gehöre, kann ich hier die Schuld eindeutig primär bei den Philosophen finden, die an ihren althergebrachten Denkmustern festhalten, welche die Philosophie immer näher an den Abgrund führen.
denkanstösse zu einem interessanten thema, 23. Juni 2006
intention: die gesammelten texte in diesem band, sind aus einer reihe der faz entstanden. zu wort kommen naturwissenschaftler, philosophen, rechtswissenschaftler, soziologen, etc, womit das thema willensfreiheit aus verschiedenen blickwinkeln betrachtet wird. für den interessierten leser sicherlich eine wertvolle sammlung für weitere denkanstösse. für fachleute wenig neues. aufbau: das buch ist so aufgebaut, dass zuerst die naturwissenschaftler zu wort kommen, dann die kritik durch andere wissenschaftler folgt. der herausgeber bemüht sich in eigenen artikeln die texte zu moderieren. gut gemacht.inhaltlich: die hirnforscher (nawi) vertreten aufgrund ihrer erkenntnisse aus der hirnforschung die meinung, (grob gesagt) dass es keinen freien willen gibt. philosophen versuchen den menschen als vorrangig geistiges wesen zu betrachten, wenn es zur frage der willensfreiheit kommt. persönliche anmerkung: bin philosophie absolvent. ich vermisse eine einführung, die begriffe wie willensfreiheit, determinismus und kausalität betrachtet. bei manchen philosophischen texten scheint mir der tiefere zugang zu der thematik tatsächlich zu fehlen. vor allem fehlt mir der verweis auf einen (viel zu wenig gelesenen) philosophen, der sich (auf kant aufbauend und ihn verbessernd) auf hunderten seiten mit willensfreiheit und determinismus beschäftigt: arthur schopenhauerkleine einführung: materie: fragt man nach dem zustandekommen eines materiellen ereignisses, ein auto prallt gegen eine wand, so sind die ursachen für den effekt meist schnell gefunden (denkt man!): geschwindigkeit, masse, fliehkräfte, etc. denkt man deterministisch, so sind die ursachen und auslöser unendlich viele und liegen bis ins unendliche zurück (das auto wurde gebaut, die wand wurde gebaut, der autokonstrukteur musste zur welt kommen etc).mensch: warum sollte es hier anders sein? das berühmte kant beispiel (vor einer hinrichtung kann man sich retten indem man über einen ehrenhaften menschen lügt), welches willensfreiheit beweisen soll, kann auch widerlegt werden, indem man sagt: der lügende ist aufgrund seines bisherigen lebens, aller umstände (undendlich viele, der erkenntnis nicht zugängige oder bewusste inklusive)zum lügen bereit; der nicht-lügner ist nicht dazu bereit. ändert er kurzfristig seine einstellung, auch dann gab es dafür (möglicherweise durch ration nicht nachvollziehbare, aber dennoch vorhandene) gründe.schopenhauer hat es in einem schönen satz ausgedrückt:"man kann zwar dies oder jenes wollen, aber man kann nicht wollen was man will."meine feststellung soll den determinismus nicht verherrlichen, sondern soll als ergänzung zum buch ein weiterer anstoss des nachdenkens sein.
neuro-biologisch-philosophischer Diskurs um d freien Willen, 14. April 2006
"Wahrheit, deren Richtigkeit ich beweisen kann, besteht ohne mich selber. [...] Wahrheit, aus der ich lebe, ist nur dadurch, dass ich mit ihr identisch werde." Soweit Karl Jaspers, der neben der Philosophie einen besten Ruf auch in der Psychischen Pathologie hat und somit posthum zum Thema beitragen könnte. Christian Geyer gelingt es hervorragend, die Deutung der neuesten Experimente in Einzelberichten und doch zusammenfassend darzustellen. Sein Buch spricht nicht von Lösung, sondern eben von Deutung und damit spiegelt sich bereits der Stand der Wissenschaft und zeigt die Streitkultur um dieses Thema. Alles rankt sich um die zurzeit en vogue gehandelten Matadore des Fachs, nämlich G. Roth und W. Singer. Diese beiden Wissenschaftler bestimmen in vielen Veröffentlichungen, sind deterministisch und betreiben auch ihre Forschung im Fach mit der Aussage, dass alles vorherbestimmt ist. Die Schuldfähigkeit und die Verantwortung des Einzelnen wären dann neu zu definieren, insbesondere im Strafrecht oder in der Forensik. Geyer hat im Weiteren eine gute Themenauswahl zum Diskurs gewählt. Das Hauptthema um den Determinismus mit Roth und Singer nehmen einen Großteil ein, die Frage des freien Willens wird in der Folge aus unterschiedlichen Perspektiven aus unterschiedlichen Disziplinen kategoriengerecht betrachtet. Die Frage, ob es nun einen neurobiologischen Gottesbeweis gibt, wie die mögliche Interessenslage eines Immanuel Kant dazu gewesen sein mag (Freiheit nur in selbst gegeben Gesetzen), wie viel weiter heute schon die Definition im Strafrecht ist (Gesetze seit 1952, 1959 mit aktueller Gültigkeit nicht nur aus juristischer Sicht), bis hin zum Totschlag-Argument, dass Determinismus immanent den Diskurs verbietet und vieles mehr begeistert und macht dieses Buch sehr lesenswert. Denn eines ist sicher, wie er sagt: "Mit dem Gehirn ist nicht zu spaßen." Wollten wir doch immer unser Ich finden, scheint es heute so, dass wir unser ICH erfinden müssen. (ICH von Werner Siefer; Christian Weber ebenso lesenwert)Anmerkung: Wenn eine Sache erforscht wird, kann sie doch nicht zugleich notwendige Voraussetzung der Analyse sein, sondern nur Ergebnis. So will es die reine Lehre der Kategorien. Hier erforscht das Gehirn sich selbst. Ein Paradox mit Ich-Verlust? Und mein limbisches System mit affektiver Stimulans der Amygdala zwingt mich noch zur Aussage, dass die bildgebenden Verfahren der Neurologie bis heute Korrelate aufzeigen. Vermehrte Hirnaktivitäten stehen in Korrelation zu den jeweiligen Stimuli. Aber es gilt auch, dass Korrelation nie kausal und nie intentional ist, die Aussage ist: es korreliert, mehr nicht. Die Sprachgenauigkeit innerhalb der Forschung ist hier sehr ernst zu nehmen will man die Alltagsphilosophie nicht noch mit Gerüchten versorgen. Und die Frage bleibt, welche Antwort uns Korrelationen geben?
Genau so müssen solche Sammlungen sein, 27. November 2004
Herzlichen Dank an den Herausgeber Christian Geyer, seines Zeichens Ressortleiter „Neue Sachbücher" im Feuilleton der FAZ. Dieses Zwischenfazit der Diskussion um Willensfreiheit war dringend notwendig. Denn so sehr ich mit den Gehirnforschern sympathisiere, beim Thema Willensfreiheit wird das Eis immer dünner und die Belastung immer grösser. Paradoxerweise sind es die Neurologen selber, die unsere Sehnsucht nach einer allumfassenden Welterklärungstheorie begründen und gleichzeitig erfüllen. Und es ist nicht ganz einfach, ihnen Widerstand zu leisten, wenn alles im Kopf passiert.
Der Herausgeber hat die 30 Beiträge sehr klug ausgewählt und lässt Hirnforscher, Philosophen, Theologen, Historiker, Literaturwissenschaftler, Juristen sowie sich selber zu Wort kommen. Das Ganze fügt sich dann zu einem Bild zusammen, das sich zwar schwer in einen Rahmen sperren lässt, aber dennoch mögliche Denkrichtungen skizziert. Die paar Euro sind bestens investiert. Denn der Herausgeber taucht für mich in die Publikationsflut, hebt offen daliegende Schätze, sucht aber auch unter den Steinen und entdeckt so Perlen, die mir verborgen geblieben wären. Nicht alles, was er an die Oberfläche beförderte, hat mir gefallen, musste ich doch einige lieb gewonnene Bilder von der Wand nehmen oder aus einem anderen Blickwinkel betrachtet. Aber genau das muss ja der Sinn solcher Tauchgänge sein. Wie bei Sammlungen dieser Art unvermeidbar, sind die einzelnen Beiträge von unterschiedlicher Qualität, wobei der freie Fall ins Grässliche nie eintritt. Beim Schwierigkeitsgrad der Artikel hat Christian Geyer offenbar darauf geachtet, allzu Unverständliches, Fachspezifisches und Esoterisches gnadenlos auszuschliessen. Das Ergebnis dieser Bemühungen ist eine Bestandesaufnahme, die zwar den Frontallappen und seine Umgebung fordert, aber das limbische System nicht überfordert. Anders gesagt, intellektuell anspruchvoll, aber wohltuend und sehr anregend. Die Neugier auf einzelne Autoren wurde ebenso geweckt wie die Absicht, wieder vermehrt auf die Edition Suhrkamp zu achten, wenn ich brauchbare Zwischenresultate suche.
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