Kundenmeinungen
Wichtiges Buch, leider völlig veraltet., 6. Januar 2008
Bei "Das andere Geschlecht" handelt es sich um ein sehr wichtiges Buch, insbesondere für das Selbstverständnis der beiden Geschlechter in modernen Gesellschaften. Es hat die Neue Frauenbewegung sehr stark beeinflusst bzw. initiiert.
Allerdings geht es in entscheidenden Punkten von falschen bzw. überholten Annahmen aus. Beispielsweise schreibt sie auf Seite 28:
"Zunächst aber muss darauf hingewiesen werden, dass der eigentliche Sinn der Unterteilung der Arten in zwei Geschlechter nicht klar ist. ... Die Biologie stellt die Geschlechtertrennung zwar fest, aber wie sehr sie auch von zweckgerichtetem Denken durchdrungen sein mag, gelingt es ihr doch nicht, diese Trennung aus der Zellstruktur oder aus den Gesetzen der Zellvermehrung oder aus irgendeinem Urphänomen abzuleiten."
Das mag damals so gewesen sein. Heute ist der Biologie der Sinn getrenntgeschlechtlicher Arten klar. Einerseits dient die Sexualität der sog. genetischen Rekombination. Hierdurch entsteht eine enorme genetische Vielfalt, aber wohl auch ein erhöhter Schutz vor Viren etc., die den genetischen Code sonst leichter knacken könnten. Allerdings erklärt das noch nicht, warum sich getrenntgeschlechtliche Arten gegenüber Hermaphroditen durchgesetzt haben, die reproduktiv leistungsfähiger wären (mehr Nachkommen haben könnten).
Heute glaubt man, der eigentliche Vorteil getrenntgeschlechtlicher Populationen liegt in der unterschiedlichen Verteilung der Elterninvestments zwischen den beiden Geschlechtern. Hierdurch ist nicht nur eine bessere Brutpflege möglich, sondern auch der genetische Code kann besser vor nachteiligen Mutationen bewahrt werden. Zur Realisierung solcher Vorteile wurden die Handicaps auf beide Geschlechter verteilt: So erledigen Pfauenweibchen etwa die Nachwuchsarbeit, dürfen dafür aber schlicht bleiben, während die Männchen ein riesengroßes, belastendes Gefieder mit sich herumtragen müssen (ein Handicap). Großes Gefieder und Nachwuchsarbeit in einem Tier geht aus energischen Gründen nicht, genauso wenig wie berufliche Spitzenleistung und große Familie von einer Person bewältigt werden können.
Bedenkt man, dass unsere Gesellschaft auch aufgrund des Werkes von Simone de Beauvoir (welches auf falschen Annahmen beruht) vorhat, die unterschiedliche Verteilung der Elterninvestments zwischen den Geschlechtern aufzuheben, dann kann man sich in etwa vorstellen, auf welche Katastrophe wir da zusteuern.
Simone de Beauvoir pocht auf das Recht, als Frau kinderlos zu bleiben, und stattdessen in die eigenen Kompetenzen zu investieren. Wer wollte ein solches Recht heute ernsthaft bestreiten. Allerdings konnte sie damals wohl nicht ahnen, dass mit der Pille für die Frauen auch die sichere Möglichkeit kommen würde, dies massenhaft zu tun. Ironischerweise weist sie schon damals ganz richtig darauf hin, dass man nicht sowohl Kinder aufziehen als auch im Beruf Spitzenleistungen erbringen kann, dass also die Vereinbarkeit von Familie und Beruf eine Fata Morgana ist.
Ihre persönliche Sicht der Dinge hat in der konkreten Umsetzung leider zu einem anderen Problem geführt: Dass eine Frau das Recht hat, kinderlos zu bleiben, ist eine Sache. Trotzdem muss dann noch immer geklärt werden, wie sich eine Gesellschaft so reproduzieren kann, dass nicht das Prinzip der Generationengerechtigkeit auf der Strecke bleibt. Dies zu klären hat man unterlassen. Die Folgen: Es wachsen nicht nur zu wenige Kinder auf, sondern ein Großteil davon auch noch in Armut.
Klasse Buch für Leute mit Grips, 3. Juni 2007
nur für Intelligente Leute geeignet,
nichts für deutsche PISA-Schüler
Wird nicht oft genug gelesen, 14. Juni 2005
"Das andere Geschlecht" von Simone de Beauvoir ist so etwas wie die Bibel des Feminismus, eine sehr detaillierte Auseinandersetzung mit der Situation der Frauen in Vergangenheit und Gegenwart (1949). Es wirkt auch nach 56 Jahren nur sehr wenig angestaubt, nicht mehr als das bei Marx, Freud oder Darwin der Fall ist. Das ist natürlich kein Grund, einen "Klassiker" zu überarbeiten, da er dadurch seinen historischen wissenschaftlichen Wert verlieren würde. Auch die Tatsache, dass das Buch aus Sicht des Existenzialismus geschrieben ist, scheint nur anfangs etwas gewöhnungsbedürftig. Man merkt schnell, dass dabei einfach die Freiheit als höchster Wert gesetzt wurde, was nicht verkehrt ist (ein Unterdrückter kann nicht wählen, frei zu sein, ein freier Mensch allerdings kann ein Sklavendasein wählen, wenn er das will). Mit seinen 900 Seiten samt umfangreichem Anhang und dem streckenweise sehr schwierigen Vokabular ist "Das andere Geschlecht" ein ziemlich schwerer Brocken, was aber weder Männer noch Frauen davon abhalten sollte, es zu lesen. Im Gegenteil, meiner Meinung nach ist das Buch als Schullektüre zu empfehlen (wo doch die Gleichstellung der Geschlechter heutzutage sogar gesetzlich verlangt wird).
Schwarz und Weiß im Gewand ihrer Zeit, 25. Februar 2005
Als ich das Buch gesehen habe, musste ich es unbedingt haben und war teilweise schon begeistert, als ich es gelesen habe.
Denn hier beschreibt die Autorin die Situation zwischen Mann und Frau, die teilweise noch heute unser alltägliches Leben bestimmen. Und das mit einer Genauigkeit, dass man sich schon beinahe davor erschrecken muss. Jedoch kann ich dem Buch nicht fünf Sterne geben, weil mich zwei Sachen daran störn. Zum einen der Inhalt an sich: Es ist ein Kind ihrer Zeit und zum Glück sind ein zwei Sachen überholt, ich sage einfach mal Verhütung. In den vierzigern gab es natürlich noch keine Pille und/oder Kondom (wann der richtig rauskam, weiß ich nicht, ich gestehe), daher war es klar, dass es mit der Verhütung anders war als heute. Und da die Autorin bis in die achtziger lebte, hätte es in diesem Bereich doch eine Überholung gut tun können. Dann beschreibt sie die alten Kulturen als primitiv. Da sollten sich die LeserInnen ruhig zusätzlich die Bücher von Heide Göttner-Abendroth zu Gemüte führen. Nur was früher existierte muss noch lange nicht schlecht sein. Weiter beschreibt sie Vergewaltigungen, als seien sie das normalste auf der Welt. Eigentlich könnte ich hier noch einige Beispiel aufführen, aber das wäre nicht gerecht, da diese dann das beste im Buch kaputt machen würden. Ein anderer Kritikpunkt geht an die ÜberseterInnen. Denn es gab viele Sprüche auf französisch und latein, die sie so übernommen haben ohne eine Übersetzung zu liefern. Früher haben die meisten sicherlich noch Latein gelernt, heute ist es aber nicht mehr so verbreitet und ich wüsste nicht, woher ich eine Übersetzung der Textpassagen bekommen könnte (bei den französischen Sachen schon eher). Daher wäre es schön gewesen, wenn sie das gemacht hätten. Fazit: Auch wenn vieles davon überholt ist und daher es wichtig ist, auch aktuelle Literatur zu lesen, ist das Buch einerseits eine wunderbare Zeitzeugin und eine aktuelle Berichterstatterin, wo es sich sehr wohl lohnt, es sich durchzulesen, trotz meiner obigen Kritikpunkte.
Ein Buch, das jede Frau gelesen haben sollte., 17. Juli 2000
Simone de Beauvoir arbeitet detaiiert und sachlich die Problematik der Rolle der Frau in der Gesellschaft auf. Sie hält sich an Fakten und stellt Bezüge zu anderen Autoren her (z.B. Freud), ohne sich in Klage über die Stellung der Frau oder Vorwürfe gegen Männer und andere Frauen zu verlieren. Trotz des teilweise sehr anspruchsvollen Schreibstils ( das Fremdwörterbuch ist öfter von Nöten), lohnt es sich sich durch das recht umfangreiche Werk zu kämpfen. Für jede Frau, die nicht davor zurückschreckt neue Erkenntnisse über sich selbst und ihre Umwelt zu machen und für jeden Mann, der die Frauen wirklich besser verstehen möchte, ist dieses Buch ein absolutes Muß.
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