Kundenmeinungen
Inhaltlich absolut lesenswert, einige Punkte geben aber Anlass zu Kritik, 17. November 2008
Ich denke, es herrscht wahrscheinlich allgemeiner Konsens, dass es von der Theorie her an "Söhne und Weltmacht" nichts zu meckern gibt. Es wird auf umfassende Weise die sog. "youth bulge"-Hypothese vorgestellt und historisch erläutert. Im Kern geht es dabei darum, dass der fundamentalste Grund von Imperialismus, Kriegen und Genoziden nicht in Weltanschauungen oder Armut liegt, sondern in einem Überschuss junger, nach Status strebender zweit- und spätgeborener Männer. Für diese gäbe es keine Möglichkeit, in "normalem" Rahmen in ihren jeweiligen Ländern Karriere zu machen. Aus dieser Frustration entstehe die Energie für Konflikte.Weniger ansprechend ist für mich der Stil des Buches. Häufig hatte ich den Eindruck, es hier mit einer Doktorarbeit zu tun zu haben und nicht mit einem auch an den "allgemeinen Leser" gerichteten Werk. Diese Ausgabe hat ca. 190 Seiten, davon sind allein ca. 20 Seiten Literaturverzeichnis. Häufig wird vom Autor Quelle an Quelle und man kommt sich wie in einer schlechten Statistikvorlesung vor. Dies passt für mich auch zum Schreibstil. Es ist ein sehr wissenschaftliches Buch und dementsprechend auch nicht wirklich anregend geschrieben. Es wäre schön gewesen, wenn der Autor hier noch ein paar "Abrundungen" gemacht hätte. Auch wird häufig von Region zu Region und in der Zeit gesprungen, so dass mir teilweise der Text etwas fragmentarisch schien.Auf der anderen Seite enthält das Buch für eine wissenschaftliche Arbeit für mich zu viel persönliche Überzeugung. Man merkt, dass der Autor doch ziemlich "Pro-USA-Politik" ist und das Eigentums-System für sehr positiv hält. Auch ist es mir sauer aufgestoßen, als er mehrfach erwähnt, dass die Jugend des Westens, die zu Frieden und Gewaltlosigkeit erzogen ist, keine Chance im Kampf gegen die Jugend der 3.Welt und der Islamstaaten hätte. Dies mag vielleicht schonungslos ehrlich sein, aber ich halte es für wenig hilfreich, deratige Bedrohungsbilder beiläufig zu suggerieren.
Hexenverfolgung und der Aufstieg Europas, 19. Mai 2008
"Söhne und Weltmacht" ist eines jener seltenen Bücher, die mit ungewöhnlichen und für die meisten wohl auch neuen Ideen aufwarten, denen man zwar nicht intuitiv und unmittelbar folgen kann, die aber so fundiert dargelegt werden, dass man die Thesen doch weiter in Betracht ziehen möchte. Dass eine Perspektive suchende junge Männer ein Konfliktpotenzial darstellen - das Hauptthema dieses Buches - ist direkt einleuchtend. Besonders interessant fand ich aber eine Nebenthese von Heinsohn: Die Hexenverbrennung, die hauptsächlich Hebammen getroffen hat, sei eine Reaktion auf den Bevölkerungsschwund nach der Pest. Punktuell belegt der Autor, dass vor der Pest etwa 3-4 Kinder je Frau geboren wurden, später 7-10. Er schlußfolgert, dass die Hebammen offenbar auch empfängnisverhütende Kräuter bereitet haben und deshalb als Hexen verfolgt wurden, weil man zunächst nach der Pest die Bevölkerung wieder steigern wollte. Später hätte sich das Thema dann verselbständigt. Ironie der Geschichte wäre, dass somit die Pest indirekt zum Bevölkerungsboom in Europa beigetragen und damit schließlich die Kolonialexpansion getragen hätte...
Politisch unkorrekt aber absolut richtig, 3. Januar 2008
Der Autor beweist seine Thesen stichhaltig. Laut Angaben eines anderen Rezensenten sollen seine Thesen in "Der Zeit" ja widerlegt worden sein. Da diese "Zeitung" ihm jedoch keine Möglichkeit der Gegendarstellung bot, hat der Autor in der "Jungen Freiheit" die sogenannte "Widerlegung" seiner Thesen widerlegt, sowie in einer TV-Sendung bei Peter Sloterdijk. Die "Zeit" führte z.B. Botswana als Gegenbeispiel an. Dazu schreibt Heinsohn: "Dort führen die überzähligen Youth Bulge"- Männer in der Tat keinen Bürgerkrieg, aber sie sind auch zu über 30 Prozent durch Aids geschwächt, was der Autor Klingholz nicht bedacht hatte."
Ein spannenderes und aufschlussreicheres Sachbuch gibt es wohl so schnell nicht wieder, 7. September 2007
Wer einmal einen aufschlussreichen und zugleich spannenden Text über Hintergründe amerikanischer Politik und den Ursprung von Aufständen, Revolutionen, dem Aufstieg und Fall ganzer Nationen lesen möchte und dabei sowohl historische als auch viele aktuelle Beispiele, bzw. Beispiele aus jüngster Geschichte, in einem spannenden Buch lesen möchte, ist hier goldrichtig. Ich bin normalerweise zu faul eine Rezension zu schreiben, aber hier spricht absolute Begeisterung--JEDEM ZU EMPFEHLEN-- ES GIBT SELTEN EIN DERART INTERESSANTES UND PACKENDES SACHBUCH
Interessante Thesen, 26. August 2007
Der Autor präsentiert seine Forschungsergebnisse nicht immer stilistisch souverän, aber dafür mit zwingenden Argumenten. Anhand von Zahlen und Fakten erläutert er in eindringlicher Weise, welche Zusammenhänge zwischen der wachsenden Zahl gewaltbereiter junger Männer und sich ausweitenden globalen Konflikten bestehen kann. Mit der Betonung auf "kann", wohlgemerkt, denn es ist klar, dass hier vieles sehr kontrovers diskutiert werden sollte, ja sogar muss. Dennoch ist der Ansatz ein überaus beachtlicher, man sollte Heinsohns Thesen nicht ins Reich der Legende verbannen, sondern es als das begreifen, wozu es ohne Wenn und Aber taugt: als weiter zu entwickelnden und hochinteressanten Denkansatz, der das Zeug zum Erklärungsmodell haben könnte. Eine ungemein lohnenswerte Lektüre!
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