Kundenmeinungen
Ein literarischer Schatz, 19. September 2007
"Die Summe seines Schaffens" steht auf dem Klappentext - und das stimmt, trifft man hier doch mehrere "Prototypen" seiner anderen großen Romane wieder, sofern man bei Dostojewskijs u nglaublich facettenreichen Figuren überhaupt von Prototypen sprechen kann. Da haben wir eine völlig integre und gutherzige Figur die an Fürst Myschkin aus "Der Idiot" erinnert, wir finden rationalistische Intellektuelle wieder wie Raskolnikow aus "Verbrechen und Strafe" oder Werchowenski aus "Die Dämonen", hinzu kommen andere Charaktere die man in solcher Ausprägung bei D. noch nicht kennengelernt hat, wie z.b. den alten Karamasow, ein Mensch der ausschliesslich von seinen Trieben geleitet wird, und nicht die Kraft hat der kleinsten Versuchung zu widerstehen.Besonders fasziniert hat mich die Darstellung des Starez Sosima, ein Weiser, der offenbar in seiner spirituellen Entwicklung soweit vorangeschritten ist, daß man in quasi als einen "Heiligen" bezeichenen kann, ein Mensch der im Einklang mit sich, der Natur und seinen Mitmenschen lebt. Wenn man eine solche literarische Figur entwirft läuft man stets Gefahr, daß sie unrealistisch oder kitschig wirkt. Das ist hier aber nicht der Fall. Vordergründig erweckt Sosima den Eindruck ein wenig naiv zu sein, aber im Gespräch mit den Karamasows wird schnell klar, daß er nicht deshalb so ist, weil er die schlechten Gedanken nicht hat, sondern weil er alles schon durchdacht hat und einfach seinem Wesen entsprechende Schlüsse aus diesen Gedanken gezogen hat.Zwar sind "Die Brüder Karamasow" nicht so intensiv und athmosphärisch dicht wie "Verbrechen und Strafe" oder "Der Idiot", allerdings konzentrieren sich diese Werke auch vor allem auf eine Person, während es bei den Karamasows 5-7 Protagonisten gibt, je nachdem wen man dazu zählt, die aber alle psychologisch so tiefgründig ausgearbeitet und schillernd sind, wie die meisten anderen Autoren nicht einmal eine Figur hinbekommen.Im Grunde kann man auf 2 Arten an das Buch herangehen: 1. man liest es oberflächlich in ein paar Tagen weg, dann hält man einen spannenden Kriminalroman und ein interessantes Sittenporträt jener Epoche in Rußland in Händen... man wird dann kaum enttäuscht sein, wenn einem auch die Essenz entgeht. 2. man erforscht das Buch, ließt es mit Zeit, läßt das Gelesene auf sich wirken und greift vielleicht für etwas Hintergrundforschung auch mal zu einer Biografie und dem ein oder anderen Kommentar und man wird einen Schatz in Händen halten...
Einer der besten Romane, die je geschrieben wurden., 25. Januar 2007
Die Brüder Karamazow ist ein Familiendrama, eine Kriminalgeschichte, eine philosophische Abhandlung und vieles mehr.Die Handlung kreist um drei Brüder, die zwar äußerlich sehr verschieden, aber alle von tiefer Leidenschaft ergriffen sind. Dmitri, der älteste, ist ein Soldat des Zaren. Iwan, der die Universität besucht hat, verkörpert den atheistischen Intellektuellen, der sehr von den gängigen wissenschaftlichen und beinahe schon mystischen Überzeugungen des aufkeimenden Sozialismus beeinflusst ist. Alexei schließlich, den der Leser die meiste Zeit über begleitet, ist Novize in einem Kloster und somit ein klassischer Antagonist seiner beiden Brüder. Allesamt stehen sie jedoch in unerbittlichem Konflikt mit ihrem moralisch verkommenen Vater Fjodor. Der vierte Bruder ist - so wird es zumindest im Buch angedeutet - Smerdjakow, Bediensteter und unehelicher Sohn von Fjodor Pawlowitsch Karamasow und Lisaweta Smerdjastschaja (wörtliche Übersetzung: Die Stinkende, eine Verrückte aus dem Dorf, die der Vater noch in seiner Jugend vergewaltigt zu haben scheint).Dmitri geht es um Geld, das ihm der Vater angeblich noch schuldet, zum anderen um eine hinreißende Frau, Gruschenka, die beide heiraten wollen und die ebenfalls mit beiden - Vater und Sohn - zu kokettieren scheint . Dmitri schwört, den Vater töten zu wollen und greift ihn dann auch tatsächlich an. Als der Vater wirklich umgebracht wird, fällt der Verdacht natürlich sofort auf den ältesten Sohn, zumal dieser am Tatort war und scheinbar die 3000 Rubel, die sein Vater aufbewahrt hatte, um sie der Geliebten Gruschenka zu schenken, später ausgegeben hat. Er wird schließlich zur Zwangsarbeit in Sibirien verurteilt, akzeptiert dies zwar anfänglich als gerechte Strafe für seinen Hass und seine Mordgedanken, willigt dann aber doch den Fluchtversuchsplänen seines Bruders Iwan ein. Er wird sich nämlich zusammen mit seinem Bruder Alexej darüber bewusst, dass die Strafe, zumal er unschuldig ist, für ihn zu schwer wäre und er daran zu Grunde gehen würde. Der wirkliche Täter ist Smerdjakow, der sich am Tag vor dem Prozessbeginn erhängt. Unverkennbar ist hier die tief in die Handlung greifende ewig christliche Stellung zum Leben. Nicht umsonst erhängt sich Smerdjakow und folgt somit dem Vorbild seines literarischen Ziehvaters Judas Iscariot, der Christus an die Römer verraten hat. Auch ansonsten ist dieses Werk voll mit Glaubensfragen, die aus dem Standpunkt des gläubigen Sohnes Alexei betrachtet, stets auf die moralischen Grundwerte Dostojewskis und des orthodoxen Glaubens im Allgemeinen schließen lassen.Mit diesem Hauptstrang der Handlung verweben sich weitere, so z.B. die Geschichte des Starzen Sosima, eines hoch angesehenen Mönchs aus einem Kloster nahe der Stadt, in dem Aljoscha eine Zeit lang gelebt hat; die Geschichte des Hauptmannes Snegirjow, der von Dmitri beleidigt und geschlagen wurde, und seines Sohnes Iljuscha, der diese Beleidigung nicht überwinden kann und schließlich krank wird und stirbt.Der Roman entfaltet eine Fülle tiefer Gedanken über die christliche Religion und die in ihr aufgehobenen menschlichen Grundfragen nach Schuld und Sühne, Leid und Mitleid, Liebe und Versöhnung. Dabei gibt die Figur des Starzen Sosima Dostojewski die Möglichkeit, seine eigenen religiösen Überzeugungen zu vermitteln. Iwan steht für den intellektuellen, westlich denkenden Zweifler an Gott und allen Werten, der sozusagen an der Aufklärung erkrankt ist (Dostojewski war sichtlich nicht sehr darum bemüht, diese Aspekte zu überzeichnen oder zu karikieren). Seine Zweifel treiben ihn bis an den Wahnsinn, bis er sich von einem sehr mittelmäßigen Teufel verspottet glaubt. Er muss erkennen, dass er Smerdjakow den Anlass zu dem Mord gegeben hat und in Wirklichkeit dessen Gebieter war. Doch vor Gericht will ihm niemand Glauben schenken, da er in einer Art Fieberwahn spricht und weil die anwesenden Ärzte von seinen Visionen wissen. Vielmehr wird diese Aussage als Zeugnis seines Edelmuts von der Anklage gedeutet, da man ihm unterstellt, dass er lügt um den Bruder zu entlasten.Die Brüder Karamazow (Dmitri der Soldat, Iwan der Intellektuelle, Alexej der Mönch, Smerdjakow der Lakai) kommen in ihrem Rang als literarische Figuren neben Don Quijote, Don Juan oder Faust zu stehen. Der Vater der Psychoanalyse Sigmund Freud soll gesagt haben, dass die Brüder Karamazow der beste Roman sei, der jemals geschrieben wurde. Doch auch Thomas Mann und Hermann Hesse waren völlig hin und her gerissen von der literarischen Größe und der philosophischen Wichtigkeit und Weitsichtigkeit dieses wundervollen Romans. Empfehlung: Kaufen, egal in welcher Auflage oder von welchem Verlag od. welche Übersetzung. Eines der wichtigsten Bücher der abendländischen Kultur überhaupt. Besonders diese gebundene Ausgabe ist zu empfehlen, da sie sehr preiswert ist.
Genial!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!, 18. Januar 2007
Ich habe zwar lange gebraucht, aber es hat sich gelohnt. Das ist sicher (und hier stimmt es auch) einer der besten Romane der vergangenen und noch kommenden Menschheitsgeschichte. Dostojevsky kreiert einen ganzen Kosmos von interagierenden Figuren und schafft so eine eigenständige Welt, die die Realität letztlich so genau beschreibt wie es nur sehr wenige Romane schaffen. Oft scheitern Romane mit mehreren Figuren für mich daran, dass einige der Figuren im Ensemble langweilig wirken, jeder Mensch interessiert einen schließlich nicht, aber bei diesem Roman ist mir das niemals passiert. Es ensteht einfach ein atemberaubener Sog, alle Menschen scheinen zu verschiedenen Seiten eines eizigen Wesens zu verschwimmen ohne, dass man das Gefühl hat dass auch nur eine Figur zweidimensional wäre. Die Brüder Karamasov selbst stechen nochmal besonders hevor: ein Mönch, ein intellektueller Atheist oder Agnostiker, ein Lebemann und eine seelisch zurückgebliebende Kreatur, die empfänglich ist für absurde Botschaften, es erinnert gar an Selbstmordattentäter. Aber das allertollste oder vielleicht gleizeitig erschreckendste ist, dass die Gedanken in diesem Roman genau die sind, die wir heute denken. Wir haben uns geistig scheinbar nicht über das neunzehnte JAhrhundert hinausentwickelt, oder wir sind nach einigen fehlgeleiteten Versuchen wie dem Nationalsozialismus wieder dort angekommen, ich weiß es nicht. War Dostojevsky seiner Zeit so weit vorraus, oder stagnieren wir geistig. Im neunzehnten Jahrhundert dachte man, jetzt würde man bald alles erforscht haben, eine Formel für die Welt finden, dann machte die Quantenphysik einen Strich durch die Rechnung. Aber scheinbar ist es nur den Naturwissenschaften gelungen neue Ansatzpunkte zu finden, jegliche Form von moderner geisteswissenschaftlicher Erkenntnis ist in diesem Roman, der vor über hundert JAhren gschrieben worde schon enthalten. Unglaublich genial - das Buch für die Insel. Zum Schluss noch ein Rat an den Leser: Nimm dir Zeit, dieses Buch liest man nicht nebenbei, es ist keine Lektüre vor dem Schlafengehen. Dieses Buch ist Qualitätszeit und verlangt die volle Aufmerksamkeit. Wenn es diese aber erhält, dann wird man es nicht bereuen, denn es ebenso unterhaltsam wie anspruchsvoll. Dafür hat man das Lesen erfunden!!!!
Gott oder nicht Gott, 8. Dezember 2005
Dostojewski beschäftigt sich quasi auf jeder Seite des Romans mit Fragen über die Existenz Gottes und die Bedeutung der Sünde sowie dem Umgang von verschiedenen Charakteren mit diesen Fragen. Die Spanne von Lösungen reicht von der Negierung der Existenz Gottes bis zur Annahme einer Gesamtschuld jedes Einzelnen und wird unglaublich mitreißend und einleuchtend dargestellt. Die Empfindungen der verschiedenen Charaktere beleuchten das Thema der Religiösität von verschiedensten Seiten und ermöglichen eine Vielzahl neuer Erkenntnisse. Absolut lesenswert.
A classic story, 2. August 2005
THE BROTHERS KARAMAZOV, which is one of Dostoyevsky's all time best, perhaps the best, adds to make him perhaps the best writer of all times. The author came up with so many great ideas and characters that are so real to life even in their complex emotions and rationales that we relate to the characters as if we are in their heads. In the end, not only do we have a great story, we are also left with a beautifully written work of political, psychological, sociological, ethical and psychological thought that is very true not only to Russia, but to other lands and peoples as well.
The greatest soul writer of all times and great contributor to human psychology successfully created a beautiful and amazing dynamism between the Karamazov brothers that has been the core of many stories after involving siblings. There is the unreliable father, the old Fyodor Karamazov whose life dominates his sons and whose death casts a huge shadow on their future. Sensual Alyosha who is the youngest of the Karamazov brothers is the main character of the story, and he is noted for his strong faith in god and humanity, deep kindness and sense of sacrifice.Ivan the atheist has a sharp mind and is the critical analyzer who seeks for meaning in everything. He is skeptical and dwells more on rationale in his dealing with people and issues. In the end, his intellectual mind misleads him and opens the doors to the nightmares in his life.Dmitry is the sensitive brother who has a strong consideration for anything living, Smerdyakov their half-brother, is the cunning illegitimate son of old Fyodor Karamazov and works as Fyodor's servant. The characters of the brothers and the events of their lives made for the complex and fascinating story of exceptional proportions, where faith, meekness, atheism, indifference and slavery to negative instincts and impulses are often in conflict. Faith and atheism or disbelief in God is taken to epic proportions in Ivan's encounter with the devil. Dostoevsky stated that, "when there is no God, all is permitted.". That assertion is reinforced in books like UNION MOUJIK,THE IDIOT and CRIME AND PUNISHMENT. The absence of God or lack of faith in man makes it possible for man to thrive in his worst animal instincts. Even when man starts with good intentions, the absence of faith usually derails him to the point where the good intentions are overshadowed by the negative effects of his actions. My conclusion is that this is a rare masterpiece.
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