Beschreibung
Niccolò Machiavellis 1532 erschienene Schrift "Il Principe" ist unter dem Titel Der Fürst Weltliteratur geworden. In seiner Radikalität, in seiner scharfen Trennung zwischen rein politischem Handeln und den Entscheidungen des Einzelnen, überstrahlt Machiavellis Werk die politiktheoretischen Schriften aller seiner Zeitgenossen. Machiavelli will klären, "was das oberste politischen Amt sei, wie viele Arten es davon gibt, wie und wann man es behält, und wie und wann man es verliert". Es geht ihm dabei um die Herrschaftsbildung und Herrschaftssicherung, um die Bewahrung des principato. Sämtliche Handlungen des Fürsten werden an ihrem politischen Zweck der Erhaltung der Herrschaft gemessen. Entscheidend für den Erfolg ist nicht der moralische Wert sondern allein die Wirkung des Verhaltens. Dieser ausschließlich erfolgsorientierte amoralische Zweckrationalismus war es, der viel seiner Zeitgenossen zutiefs verstörte. Schon vor Jahrhunderten wurde "Machiavellismus" zu einem Synonym für Verschlagenheit und Hinterlist, für Amoral und Rücksichtslosigkeit in der Politik. Man hat sich angewöhnt, jede skrupellose Machtpolitik als "machiavellistisch" zu bezeichnen, jene berühmte oder vielmehr berüchtigte "Realpolitik", die sich auf Machiavellis "Il Principe" berufen zu können glaubt. Jedes Jahrhundert hat Machiavellis Schrift anders ausgelegt. In jüngster Zeit wurde sie, wie viele andere Klassiker der Staats- und Kriegskunst auch, erfolgreich von der Managementlehre adaptiert. Ob unternehmerische Führungsstrategien oder persönliche Karriereplanung, an Machiavellis und Anti-Machiavellis herrscht auf dem Buchmarkt kein Mangel. Dennoch lohnt sich ein Blick ins Original, denn Der Fürst ist eine realistische, und in seiner Art zeitlose Diagnose der Politik, in der die Interessen des Staates stets Vorrang vor allen ethischen Überlegungen hatten. --Stephan Fingerle
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Kundenmeinungen
schwer verständlich, 22. Oktober 2007
Der Einfluss Machiavellis auf das moderne Zeitgeschehen ist nicht zu vernachlässigen. Wenngleich seine Arbeit naturgemäß Aspekte beinhaltet, die heutzutage eher unwichtiger Natur sind, wie zum Beispiel die Frage, ob ein Staat sich eher durch eigene denn durch fremde Truppen schützt, so ist und bleibt Machiavelli der Begründer des politischen empirischen Realismus.
Machiavelli lebte im 15./16. Jahrhundert und forderte von seinem Fürsten die Fähigkeit, sich absolut den Tatsachen des Lebens und den Tatsachen der Anforderungen der Politik zu stellen. Man darf das Anliegen Machiavellis nicht mit dem herkömmlichen Begriff des Machiavellismus verwechseln. Machiavellis Machtpolitik ist keineswegs machiavellistisch.
Leider ist diese Ausgabe deshalb schwer verständlich, weil vom Deutsch her überaltet. Die umständliche Art und Weise, in der sich Der Fürst hier präsentiert, hat weniger mit dem Inhalt zu tun als mit der Übersetzung. So gehen viele wichtige Aspekte verloren. Der Leser muss sich durch mit Nomen überfrachtete Bandwurmsätze durchwühlen, die am Ende keinen Sinn zu ergeben scheinen. Das ist ganz besonders dann traurig, wenn es um die Frage geht: "War Machiavelli Machiavellist?" Denn diese Frage kann nur beantworten, wer Machiavelli versteht und dazu trägt diese Ausgabe leider nicht unbedingt bei.
Dass das nicht nötig ist, zeigt eine andere Übersetzung, die hier bei Amazon unter der ISBN 978-3-940185-05-1 erhältlich ist.
Verständlichkeit hat viel damit zu tun, welcher Zeit Kinder wir sind, und deshalb sollte man von einem so wichtigen Werk wie dem hier erwarten, dass das moderne Sprachverständnis berücksichtigt wird.
Natürlich ändert diese meine Kritik nichts daran, dass Machiavelli für jeden, der sich für Politik interessiert, wichtig ist, doch Studierende sind eindeutig mit der anderen Ausgabe besser bedient.
"Wer die Ursache für die Macht eines anderen ist, richtet sich selbst zugrunde", 7. Juli 2007
Kaum ein Klassiker spaltet die Leserschar so sehr wie Nicolo Machiavellis Schrift "Il principe - Der Fürst". Je nach Betrachter wird das Werk als Bibel der modernen Managementkultur gefeiert oder wegen seiner rücksichtlosen Verherrlichung der Machtpolitik verteufelt. Allein aus diesem Grunde reizt die Lektüre des kleinen Bändchens.
Als Machiavelli die Zeilen schrieb, hatte ihn die "Tücke des Schicksals" hart getroffen. Lange Jahre hatte er in einflussreicher Position für die Republik Florenz gearbeitet. Durch einen Machtwechsel fällt er in Ungnade und verliert sein Amt. Das Büchlein sollte ein Ratgeber sein, mit dem er sich dem neuen Machthaber von Florenz, Lorenzo de Medici, empfehlen wollte. Seine Hoffnung auf Rückkehr in die Politik wurde enttäuscht.
Doch wenden wir uns nun dem Werk selbst zu. Welches sind die Charakterzüge, die Machiavelli an erfolgreichen Herrschern beobachtet? Ein Herrscher muss sich bemühen "in all seinen Handlungen Großmut, Kühnheit, Ernst und Kraft" spürbar zu machen. Hüten sollte er sich dagegen vor Launenhaftigkeit, Leichtfertigkeit, Verweichlichung, Feigheit und Entschlusslosigkeit. Machiavelli betont, dass die Achtung eines Herrschers davon abhängt, echter Freund oder echter Feind zu sein: "Ein solcher Entschluss ist immer nützlicher, als neutral zu bleiben".
Im Volke darf kein Hass gegen den Herrscher aufkommen, weil "jeder Herrscher danach trachten sollte, im Ruf der Milde und nicht der Grausamkeit zu stehen". Machiavelli weiß, dass allzu große Freigiebigkeit oft finanzielle Schwierigkeiten nach sich zieht. Darum empfiehlt er dem Fürsten "den Ruf der Knauserigkeit" nicht zu scheuen.
Bei der Auswahl seiner Mitarbeiter gilt es, Sorgfalt walten zu lassen: "Sind sie fähig und treu ergeben, so kann man ihn stets für klug halten". Vor einer Gefahr warnt er: "Schmeichler muss man meiden". Seine Mitarbeiter sollen dem Herrscher die Wahrheit sagen - aber nur über Dinge, nach denen er fragt.
Machiavelli unterscheidet drei Arten des Machterwerbs: Tüchtigkeit, Glück und Grausamkeit. Der Tüchtigkeit spricht er den höchsten Stellenwert zu. Das Glück kann launisch sein und dann hat der Machthaber Mühe, sich zu behaupten. Grausamkeit lehnt er ab, da sie den Herrscher beim Volke verhasst macht. Machiavelli unterscheidet jedoch zwischen Grausamkeit und Gewalt schlechthin. Gewalt ist für ihn ein probates Mittel, um an die Macht zu gelangen: "Daher muss man sich merken: der Eroberer, der nach einer Herrschaft greift, sollte alle Gewalttaten, die er zwangsläufig begehen muss, genau überlegen und mit einem Schlag durchführen, damit er nicht jeden Tag von neuem damit anfangen muss ... Gewalttaten müssen also alle auf einmal angewandt werden, damit sie weniger spürbar werden und deshalb weniger verletzten. Wohltaten dagegen sollte man nur nach und nach erweisen, damit sie besser empfunden werden".
Machiavellis Menschenbild ist negativ. Seine Mitbürger bezeichnet er als undankbar, wankelmütig, verlogen, heuchlerisch, ängstlich und raffgierig: "In der Welt gibt es nur Pöbel", lautet sein Credo. Der kluge Herrscher beachtet dies und passt sein Verhalten an. Er muss einerseits stark wie ein Löwe sein und andererseits schlau wie ein Fuchs. "Doch man muss sich darauf verstehen, die Fuchsnatur gut zu verbergen und Meister in der Heuchelei und Verstellung zu sein", rät er. Wodurch unterscheidet sich dann noch der Herrscher vom Pöbel?
Skrupel sind Machiavelli fremd. Im Umgang mit seinen Gegnern erteilt Machiavelli dem Herrscher folgenden Rat: "Wenn man jemand schlecht behandelt, dann muss dies in einer Weise geschehen, dass man nicht seine Rache zu fürchten braucht". Dies ist deshalb nötig, denn "wer glaubt, dass große Herren wegen neuer Wohltaten alte Kränkungen vergessen, täuscht sich". Auch moralische Zweifel quälen ihn nicht: "Deshalb ist ein Herrscher, der die Macht behaupten will, oft gezwungen, amoralisch zu handeln".
Fazit: Ein einseitiges Urteil wird dem Werk nicht gerecht. Jeder Leser wird sein Vorurteil bestätigt finden. Machiavellis Ansatz ist sehr pragmatisch. Aus dem Studium "der Taten großer Männer" leitet er eine Handlungsmaxime ab, die auf Zweckmäßigkeit und Zielorientierung beruht und die Moralphilosophie dem Machterhalt unterordnet. Doch er ist sich sehr wohl bewusst, dass das Gleichgewicht zwischen Herrscher und Volk sehr fragil ist und ein rücksichtsloses Verhalten zum Sturz führen kann. In der Einleitung heißt es so schön:" Er hat die Dämonie der Macht und das Wesen des souveränen Staates entdeckt. Es gibt eben nur eine Art Politik ... das ist die Machiavellis".
Die Menschheit ändert sich nicht so schnell, 22. Oktober 2006
Ein sehr gutes Buch, das wenn man versteht zu abstrahieren viele Tipps für das alltägliche (-geschäfts)Leben enthält.
Die Welt ist nicht so, wie sie sein sollte..., 16. Juni 2006
Niccolos Machiavellis (1469-1527) Hauptwerk Il Principe, hat den Autor bis in unsere Tage überdauert.
Das Kernstück des Principe ist die Darlegen der Machtausübung. Seine theoretischen Darlegungen, die mehrheitlich aus seiner Erfahrung seiner Zeit kommen, basieren auf einem analytischen Realismus.
Im Mittelpunkt seiner Überlegungen steht die selbstbewusste - schöperische Herrscherpersönlichkeit. Vermutlich sah er darin der Feudalherrn dieser Zeit.
Für unsere heutige komplexer gewordene Welt, sind Machiavellis staatstheoretischen Thesen zu einseitig.
Heute in einem gelebten demokratischen Herschaftssystem, muss es doch um mehr gehen, als Menschen auszubeuten. Schliesslichen wollen und können ja nicht alle Menschen Herrschenpersönlichkeiten werden.
Ein wertfreies Handbuch für Machthaber, oder solche, die es werden wollen, 24. April 2006
"Ein wertfreies Handbuch für Machthaber, oder solche, die es werden wollen" - so könnte der Untertitel lauten, wäre dies Buch in unserer Zeit geschrieben.
Ohne Zwänge der Moral beleuchtet Machiavelli Formen der Herrschaft und Wege zu ihrer Erlangung, wie sie heute nicht aktueller sein könnten.
"Ein Handbuch für Despoten" nennen es die einen, mag sein, doch eher ein Werk, das eine Neutralität an den Tag legt, die moderne politische Schriften leider missen lassen.
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