Beschreibung
Gleich vom Anfang der ersten Szene an wird Das Bernstein-Teleskop den Leser packen und nicht mehr loslassen. Wir verraten an dieser Stelle allerdings nur, dass man sofort feststellt, wer zum Schluss von Das Magische Messer Lyra gefangen genommen hat, obwohl es nicht klar ist, ob die Absichten dieses Individiums nun gut oder böse sind. Wir erfahren auch, dass Will nach wie vor im Besitz der Klinge ist, die ihn befähigt, sich den Weg von einer Welt zur anderen zu schneiden, und dass sich ihm mittlerweile zwei geflügelte Freunde angeschlossen haben, die fest entschlossen sind, ihn zur Bergfestung Lord Asriels zu begleiten. Der Junge hat allerdings nur ein Ziel vor Augen -- seine Freundin zu retten und ihr den Alethiometer zurückzugeben, ein Instrument, das ihr und den Lesern von Der goldene Kompass und dessen Fortsetzung so viel offenbart hat. Wir müssen auch nicht lange warten, bis wir das "Prickeln des Sternenlichts" auf Serafina Pekkalas Haut erfahren dürfen, während sie einen ausgehungerten Iorek Byrnison ausfindig macht und ihn für Lord Asriels Kreuzzug anwirbt. In der Zwischenzeit kämpfen die zwei Fraktionen der Kirche darum, als erste an Lyra heranzukommen. Eine davon ist sogar bereit, einem ihrer Priester schon im Voraus Absolution zu gewähren, sollte es ihm gelingen, die Todsünde zu begehen, das Mädchen zu töten; für diese Tyrannen wäre dies nichts Geringeres als "eine heilige Pflicht". In dieser letzten Folge seiner Trilogie hat sich Philip Pullman die höchsten Ziele gesetzt. Sie darf ihren Vorgängern in Sachen schierer Action und Originalität in nichts nachstehen und muss gleichzeitig alle noch bestehenden Rätsel auflösen. Die gute Nachricht hierbei ist, dass es keine ernsthaft schlechten Nachrichten gibt. Nicht, dass Das Bernstein-Teleskop keine verfahrenen und riskant-gefährlichen Situationen enthalten würde -- die gibt es zuhauf (wer wollte es auch anders haben?). Aber Pullman führt seine Trilogie zu einem Schluss, der sowohl friedlich als auch niederschmetternd ist. Mit einem Erzählstil, der klar und dennoch lyrisch und plastisch daherkommt, blendet sich der Autor mühelos in die Gedankenwelt seiner Hauptfiguren ein und wieder aus. Er wartet zudem mit einigen zusätzlichen Welten auf. In einer davon wird Dr. Mary Malone in eine scheinbar einfache Gesellschaft aufgenommen. Das Milieu der Mulefa (auch hier verraten wir nicht mehr) macht sie reich an Bewusstsein, während ihr Leben einem langsamen und gemessenen Rhythmus folgt. Im Verlauf seines Epos erhält Pullman seine Szenen gewaltiger Schönheit und Zärtlichkeit aufrecht und gewährt uns sogar den einen oder anderen Moment der humorvollen Entspannung. An einer Stelle beispielsweise schikaniert Lyras Mutter eine Reihe kirchlicher Befehlsempfänger. Mrs. Coulter ist ohne Frage so berauschend und umwerfend wie eh und je. Kann es sein, dass wir sie letztendlich sogar bewundern werden, während sie ihr verzweifeltes Spiel zu Ende bringt? In diesem Fall -- wie auch sonst -- ist Das Bernstein-Teleskop wahrlich ein Buch der Offenbarungen, das sich von der sichtbaren Dunkelheit zur strahlenden Wahrheit bewegt. --Kerry Fried
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Kundenmeinungen
Langatmiger Schluß aber ....., 18. Januar 2008
So. Der dritte und letzte Band der Triologie steht wieder gut verstaut im Schrank und sicherlich bin ich froh, Philip Pullman}s Dreiteiler gelesen zu haben.
Ich fand "Das Bernstein-Teleskop" allerdings etwas zu dick aufgetragen; es gab einige Passagen (besonders die der Dr. Malone) die ich dann doch etwas ZU fantastisch fand. Klar, der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt, doch genau aus diesem Grund und dem Grund des Charakteren-Überschusses, bekommt der Roman nur 4 Sterne.
Es waren nachher einfach zu viele Personen im ganzen verstrickt und so etwas überlastet ein Buch.
Den Schluß fand ich gelungen, ich will nicht zu viel verraten - doch mit einem Anflug von Wehmut legte ich es beiseite und war von der Trennung sehr berührt.
Nichts desto trotz sollte und muss jeder, der "Der goldene Kompaß" gelesen hat, sich Band 2 und Band 3 zu gemüte führen.
Viel Spaß beim Lesen
Gelungener Abschluss einer großartigen Trilogie, 16. Januar 2008
Philip Pullman schafft es in dem dritten, abschließenden Band um Lyra und Will den Leser wieder mit sich fortzureisen. Dabei merkt man dem Roman schon an, dass der Autor sich zusehends gegen die Kirche stellt, denn der Glauben an die christliche Macht stellt sich hier als Irrtum heraus; der Himmel ist eine Lüge, der Allmächtige selbst wurde eingesperrt und von einem dunklen Engel ersetzt. Und doch ist es nicht nur die Kirche gegen die die Freunde kämpfen müssen, denn in diesem Buch vereinen sich schließlich alle Welten, in denen auch der Leser zuvor gewandert ist. Und so ist es ein Krieg, an dem die unterschiedlichsten Völker, Wesen und Kreaturen aus den verschiedensten Welten teilnehmen.
Und doch wird das Schicksal aller Welten an einem ganz anderen, ruhigen Ort entschieden.
In der Welt der Mulefa zieht der Staub, der so lebenswichtig ist, in reißenden Strömen hinfort, und nicht nur dort, in allen Welten verschwindet er zusehends. Und am Ende vermögen nur die beiden Kinder, die es in die Welt der Mulefa verschlagen hat, diesen Strom umzukehren.
Schließlich werden alle Fäden zusammengeführt und auf viele Fragen findet ebenso der Leser eine Antwort.
Als Leser hofft und bangt man mit Lyra und Will, mit Pantalaimon, Iorek Byrnison, der Hexe Serafina Pekkala, den Geistern aus dem Totenreich und nicht zuletzt auch mit den Mulefa.
"Das Bernstein-Teleskop" ist das umfangreichste Buch dieser Trilogie bei dem leider damit auch die Kurzweiligkeit ein Stück verloren gegangen ist. Während man sich durch manche Kapitel etwas kämpfen muss, fliegen andere hingegen, wie von den beiden Vorgängerromanen gewohnt, schnell dahin.
So gut wie der erste Band war so schlecht ist der zweite, 11. Januar 2008
Warum? Das hat mehrere Gründe. Zum einen wird hier versucht zwanghaft eine an den Harren herbei gezogene Abartigkeit erzeugt. Da haben wir schwule Engel & bis zu Wesen hin die Beine haben die rautenförmig angeordnet sind und auf Samenkörner rollen, hier hat es bei mir schon aufgehört. Auch zieht sich der Band in Seitenweise absolut belanglosen und öden Beschreibungen (z.B. wie jemand auf ein Baum klettert- 3 Seiten). Taten von Massenmördern werden runter gespielt und harmlos dargestellt und das fast selbstverständlich. Man merkt das Buch will viel sein und ist am Ende nichts, außer öde und ja fast unfreiwillig komisch schlecht.
Eine Enttäuschung, 7. Januar 2008
Schade, schade, schade. Nach DER GOLDENE KOMPASS waren meine Erwartungen auf den Fortgang der Trilogie hochgespannt, denn dieser Roman hat mich wirklich gepackt und gefesselt, es war ein tolles Leseerlebnis. DAS MAGISCHE MESSER hat mich nicht enttäuscht, aber ich hatte doch das Gefühl, daß der zweite Teil der Trilogie lange nicht so dicht geschrieben war wie der erste.
Und nun das BERNSTEIN-TELESKOP - tja, hier kann ich nun wirklich nur noch von Enttäuschung reden. Es ist nicht so, daß das ganze Buch schlecht wäre, das ist es nicht und es gibt genügend Szenen und Kapitel, die man mit außerordentlichem Vergnügen liest. Wie schon im zweiten Band sind es v. a. Nebenfiguren und Nebenhandlungen, so z. B. alles um die Wissenschaftlerin Mary Malone und die seltsamen, aber doch so liebenswerten Mulefas. Was die Haupthandlung angeht, gehen dem Autor hier die Pferde durch - es fehlt nichts: Totenreich, Himmelreich, himmlische und irdische Krieger, Geister und Gespenster, Hexen und Dämonen, ach ja. Weniger wäre echt mehr gewesen.
Insgesamt ist soeine ziemlich krude, am Ende gar rührselige Melange herausgekommen - der Romanschluß ist mit seinem Marlitt-Kitsch und dem ach so erhabenen Entsagungs-Motiv schier unerträglich. Da pfeffert man das Buch doch ziemlich wütend in die Ecke...
Da doch oft Vergleiche mit Tolkien und Rowling angestellt werden: in der Kategorie spielt Pullman nicht, außer im ersten Band.
Oh je, 5. Januar 2008
Auf Seite 497 (irgendwo in der Mitte von Kapitel 33) wird es ganz schön platt. "Das Christentum ist ein einflussreicher und überzeugender Irrtum, mehr nicht", das liest man hier. Nun kann man sich ja über den Inhalt dieses Satzes durchaus streiten. Worüber man sich allerdings kaum streiten kann, ist, dass dieser Satz und die folgenden Seiten mit Theologie für Anfänger einfach nicht in einen guten Roman passen. Denn sie bremsen die Handlung aus. Wenn man schon eine Botschaft für wichtig hält und sie durch einen Roman unter die Leute bringen will, dann sollte man diese Botschaft durch die Geschichte erzählen. Und nicht durch Monologe von Nebenpersonen, insbesondere ehemaligen Nonnen, allwissenden Engeln oder Hexen, die auch schon alles zu Beginn wussten, aber sich erst im Lauf der Handlung an die große Wahrheit zu erinnern scheinen. Allein das reduziert den Lesespaß von ca. 150 Seiten des Buches für mich auf Null.
Dazu kommt noch, dass Pullmann mit seiner humanistischen Botschaft auch noch offene Türen einrennt. Dass Glaube nicht hierarchisch verordnet und gelenkt werden kann, ist schon seit Luther in der Welt gut bekannt. Und auch wenn die hier als Karikatur dargestellte, katholische Kirche offiziell noch etwas anderes verkünden mag, selbst bis nach Rom sollte die Kunde von den selbstbewussten, eigenständig handelnden Menschen mittlerweile gedrungen sein. Ich habe den Verdacht, Pullmann sucht sich hier doch die falschen Feinde. Individuelles Denken, Fühlen und Handeln, die im Buch so oft propagiert werden, sind heute durch vieles andere mehr bedroht als durch den Katholizismus und dessen Sinnesfeindlichkeit. Zumal Pullmann am Ende auch noch vor dem letzten, konsequenten Schritt in Richtung Selbstentfaltung zurückschreckt: Eine Teenieschwangerschaft, das darf es dann natürlich auch bei unendlicher Liebe zwischen den beiden Pubertierenden nicht sein. Ist das ein bisschen feige oder steht Pullmann dann doch der christlichen Moral nicht so fern, wie er auf Seite 497 glauben lassen möchte?
Aber zurück zum Buch. Seite 547 (Anfang des 37. Kapitels): "Doch sie fühlten, dass sie in Liebe dahin schmolzen". Was hier lesen, ist natürlich reiner Kitsch. Und das ist nicht die einzige Stelle im Text. Zwar kann man dem Autor noch zu gute halten, dass er das finale Happy End doch noch vermeidet, aber bis dahin hat man eine doch schnulzige Liebesgeschichte und ganz viel unmotiviertes Wiedersehen mit alten Freunden zu ertragen. Im Stil des Buches würde ich mal sagen: Die Fenster in der Handlung sind so groß, dass ein ganzes Schiff dadurch passt. Zum Beispiel das der Gypter. Aber auch das Dahinscheiden Gottes und des Oberbösen sind hier misslungen. Da hat der gute Megatron über Jahrtausende das Universum beherrscht, nur um dann in einem kleinen Moment der - ja so platt ist es - Geilheit der schönen Mrs. Coulter zu verfallen. Nein, so einfach sollte es man den Helden in einem Roman nicht machen. Zumal auch der letzte Dialog von der im ersten Band so genial eingeführten Dame ein weiteres Beispiel zum Thema Kitsch ist.
Was bleibt dann noch? Die immerhin sehr gelungene Geschichte aus dem ersten Band von einem Mädchen, das erwachsen wird und sich von kindlichen Vorstellungen und Autoritäten emanzipieren muss, wird hier zu Ende erzählt. Die Philosophie, die dem Staub, den Schatten zugrunde liegt, ist eine gute Beschreibung von Pantheismus, also der Omnipräsenz des Überirdischen oder Göttlichen in allen weltlichen Erscheinungen. Und die Welten, die Pullmann aus aktuellen, wissenschaftlichen Ideen entwickelt und gut beschreibt, fesseln den Leser wie schon im ersten Band. Die Version des Jenseits zuerst als Hölle, dann als Weg zur Erlösung hat auch was. Auch wenn sie natürlich aus bestehenden Ideen anderer Autoren geklaut ist - worauf ja Pullmann in seiner Danksagung selbst hinweist. Aber gut geklaut und gut geschrieben ist ja auch schon eine ganze Menge.
Dennoch war ich enttäuscht, den vor allem der furiose Anfang im ersten der drei Bände der His Dark Materials" hätte mehr erwarten lassen. Aber vielleicht ist es wirklich schwer, ein solches Niveau über eine solche Menge Text aufrecht zu erhalten.
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