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Simon Borowiak: Alk. Fast ein medizinisches Sachbuch

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Alk. Fast ein medizinisches Sachbuch

von Simon Borowiak

Heyne

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05/Sep/2008 - 08:13




Kundenmeinungen

produkt bewertung produkt bewertung produkt bewertung produkt bewertung produkt bewertung  Locker "von der Leber weg" erzählt, 20. Oktober 2007

Titanic-Leser, die beim Autorennamen aufgemerkt haben, können sich bestätigt fühlen: Ja, Simon Borowiak ist Simon Borowiak. Mit diesem Hintergrund erklärt es sich von selbst, dass das vorliegende Buch sehr unterhaltsam geschrieben ist, immer mit genug Selbstironie und dabei auf jede Form der Selbstbeweihräucherung ob dem Suchtausstieg oder Betroffenheit verzichtet. Es wird einfach locker "von der Leber weg" beschrieben, wie aus dem Freund Alkohol der schlimmste Feind wird und wie dieser möglicherweise zu besiegen ist. Dabei wird dem Leser ein Dauergrinsen aufs Gesicht gezeichnet, eben weil der Autor nichts und niemanden, schon gar nicht sich selbst oder die Krankheit Alkoholabhängigkeit, übertrieben ernst nimmt. Doch nicht nur durch Humor punktet das Buch, auch die biologischen Zusammenhänge sind so gut erklärt, dass selbst jeder Nicht-Biologe versteht, welche Zusammenhänge es zwischen den Organen und verschiedenen Botenstoffen gibt. Doch diese Flapsigkeit ist zugleich auch ein Nachteil, wenn so gut wie nie von einem "Alkoholiker" die Rede ist, sondern fast immer vom "Profitrinker". Ein Profi sein, das ist doch im normalen Sprachgebrauch was Gutes, was Erstrebenswertes? Passend dazu werden Wenigtrinker als Hobbytrinker oder Amateure bezeichnet, allerdings wird sich über die Hobbytrinker, die den guten Tropfen loben, lustig gemacht, scheinbar ohne zu bedenken, dass es wirklich Leute gibt, die nur für den Genuss eines guten Weines trinken, ohne den Rausch zu brauchen oder zu wollen.
Nichtsdestotrotz ist dieses Buch unbedingt empfehlenswert, nicht nur für Betroffene oder deren Angehörige, sondern am besten für jeden, der öfter mal die ein oder andere alkoholhaltige Flasche öffnet. Dabei muss man sich gar nicht in der Gefahr befinden, in die Abwärtsspirale der Sucht einzusteigen, denn selbst die Schilderungen, was man nur mit einem kleinen Rausch seinem Körper zumutet, machen nachdenklich.


produkt bewertung produkt bewertung produkt bewertung produkt bewertung produkt bewertung  Der Untertitel ist fast Programm, 19. Juli 2007

Ein anderer Ansatz wirkt oft Wunder. Borowiak will nicht zu fachlich, nicht betroffen und nicht anmaßend schreiben.

Das Ergebnis kann sich sehen lassen. Kurzweilig, locker, flockig wird über ein ernstes Thema kenntnisreich referiert. Das Buch bietet informative Unterhaltung. Gekonnt weicht der Autor der alten Sachbuchfalle aus, mit der er selbst gerechnet hat (s. o.).

Ich kann nicht beurteilen, inwieweit gewisse Aspekte, wie z. B. die Ablehnung der Thesen E. M. Jellineks fachlich gerechtfertigt sind. Allerdings sehe ich eine andere Gefahr, die mich von der Vergabe von fünf Sternen abhält: Welche Krankheit wird morgen, natürlich ganz ohne Betroffenheit, dem Lacher um des Lachens willen zum Opfer dargebracht. Wird es Krebs sein? Oder Aids? Oder vielleicht irgendwelche Behinderungen?

Der andere Teil des Programms ist nämlich diese merkwürdig streng daherkommende Absicht, von mir mehr gefühlt als wirklich intellektuell erfaßt, ein humorvolles Buch zu schreiben. Dem Grundsatze folgend, Humor läge vor, wenn man trotzdem lache.


produkt bewertung produkt bewertung produkt bewertung produkt bewertung produkt bewertung produkt bewertung  Pflichtlektüre, 15. Juli 2007

Das Buch ist das Beste, was ich über das Thema Alkohol und Alkoholismus kenne. Borowiak beschreibt aus eigener Erfahrung die verheerenden Wirkungen des Trinkens auf Körper und Seele. Er schreibt sachverständig und nachvollziehbar, denn er kennt die medizinische Literatur und das Fachvokabular und übersetzt es in eine für alle verständliche Sprache. Dem Leser wird unmittelbar und schmerzhaft deutlich, wie schmal die Grenze zwischen "Hobby-Trinken" und Alkoholismus ist. Seine Beschreibungen lassen an Drastik nichts zu wünschen übrig, sowohl über das Trinken und seine Folgen als auch über die Entgiftung und die verschiedenen Therapien. Dabei spart er auch nicht mit sarkastischen Bemerkungen über unfähige oder selbstgefällige Therapeuten und Pfleger; einen besonderen Rochus hat er auf "Silberschuh".

Die größte Stärke des Buches ist sein selbstironischer und von jeglicher Wehleidigkeit freier Ton. Oft habe ich bei der Lektüre laut gelacht - kein Wunder: Der Autor war, damals noch als Simone Borowiak, Kolumnist bei Titanic und hat so wundervoll komische Bücher geschrieben wie "Frau Rettich, die Czerni und ich" oder "Baroness Bibi - Ein Schundroman für die gebildeten Stände".

Alles in allem: Pflichtlektüre für alle, die mehr als ein Glas in der Woche trinken oder jemanden kennen, der dies tut.


produkt bewertung produkt bewertung produkt bewertung produkt bewertung produkt bewertung produkt bewertung  Kluges, komisches Buch, 23. Dezember 2006

Harter Stoff, magische Bearbeitung: Nichts wird verniedlicht, nichts wird verherrlicht. Obwohl zum Schreien komisch, von hervorragendem wissenschaftlichen Informationsgehalt. Ein launiges, lustiges Lehrbuch. Mit dabei: tiefe atmosphärische Einblicke in das Elend der Materie. Kann mich dem Lob des "Spiegel" nur anschließen: "Ein Wunder an Komik, Weisheit und Recherche". Sollte vom Jugendlichen aufwärts zur Standardlektüre von jedem gehören, der weiß, wie man eine Flasche öffnet.


produkt bewertung produkt bewertung produkt bewertung produkt bewertung produkt bewertung  Witziger Stil, fragwürdige Botschaft, 13. November 2006

Der Stil dieses Buches ist witzig und geistreich, die Fakten sind lehrreich und interessant, die Grundaussage hingegen ist fragwürdig bis ärgerlich.
Witzig, weil der Autor schreibend einen Sound erzeugt, der dem Leser ein Dauergrinsen aufs Gesicht zaubert, etwa wenn er die typischen Vertreterinnen des Sekt-Alkoholismus beschreibt, die hartnäckig von hin uns wieder ein Piccolo für den Kreislauf schwafeln, und dabei Leberwerte wie der späte Boris Jelzin haben. Da malt man als Leser glatt drei Ausrufezeichen an den Rand. Mein Leseexemplar hat sehr viele Ausrufezeichen. Hier schreibt einer die Alkohol-Version von Wir Kinder vom Bahnhof Zoo, und das Ganze im Stil eines Otto-Sketches ! Grandios.

Leider spricht der Autor den Knackpunkt der Volksdroge Alk mit keinem Wort an: Wer viel Alk wegstecken KANN, ist ein Held. Wer viel Alk wegstecken MUSS, ist Abschaum. Nun sind beides medizinisch gesehen leider zwei Seiten einer Medaille. Und hier wird das Buch ein Ärgernis (zumindest für Leser, die eine Entgiftungsstation noch nicht von innen gesehen haben und darauf auch keine Lust haben). Denn die einzige Lösung ist es, mit dieser Droge - und nichts anderes ist Alk - vorsichtig umzugehen, sehr vorsichtig sogar. Doch die Leute, die genau dies tun, nennt der Autor abschätzig Hobby-Trinker oder Amateure, und macht sich über ihr Zitat - Gelaber vom Guten Tropfen lustig. Wer den Tag hingegen schon mit einem Wodka beginnt (beginnen muss), der darf sich laut Borowiak PROFI nennen. Wer das Wort Parkbank nicht mehr buchstabieren kann, hat es gar zum Vollprofi geschafft. Wow ! Wer wäre das nicht gerne, ein Profi ? Und seis nur im Fässchen-Weghauen ! Der Grundtenor des Buches ist daher: Saufen ist cool. Erst jenseits des Kontrollverlustes hat man ein Problem. Nein : das Problem beginnt viel früher, denn die Grenze zum Kontrollverlust (d.h. ab hier ist man eine Marionette von ALK) ist nicht nur fließend, sondern - schlimmer noch - aus der Innenperspektive des Alkis gar nicht als solche zu erkennen.
Fazit: Ein kundiges und witziges Buch, das leider dem gängigen Mythos vom heroischen Trinker Vorschub leistet.




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