Kundenmeinungen
Eigenständiges Meisterwerk, 17. November 2007
Zuerst möchte ich diejenigen beruhigen, die der Falschmeldung aufgesessen sind, bei Anansi Boys handle es sich um eine Fortsetzung von Amercian Gods. Bei beiden geht es zwar um alte Götter - doch stehen diese in keinem Kausalzusammenhang miteinander. Ich würde auf einer anderen, tieferen Ebene sogar eher die Rahmenhandlung von Anansi Boys VOR American Gods ansiedeln.
Beginnen wir bei der Einordnung - was ist Anasnai Boys? Roman, Horror, Satire, Thriller, Fantasy? Ich weiß es nicht, die Spinnengötter decken zu viele Bereiche habe wobei wir auch schon beim Thema sind: Ein relativ normaler, eher wenig selbstbewusster Zeitgenosse fristet einen öden Bürojob und bedient sich des Ausgleichs zu Liebe in der Freizeit einer spießigen und anspruchsvollen Freundin mit einer geradezu tyrannischen Mutter. Heiraten wollen sie - nichtsdestotrotz auch deswegen, weil seine keusche Frau bis zum formellen Akt warten will.
Nicht gerade also die besten Voraussetzungen als der Vater des Hauptprotagonisten stirbt und unliebsame Kindheitserinnerungen wieder nach oben gespült werden. Und nun kommt ziemlich schnell Fahrt in die Geschichte: Der Vater ein Spinnengott - Schlag eins! Und er hat einen Bruder, der scheinbar die besondere Fähigkeit die Realität zu manipulieren geerbt hat - Schlag zwei! Natürlich ist dieser Bruder die genaue Kehrseite von ihm selbst: dynamisch, progressiv und arrogant. So dauert es nicht lang bis sich dieser an seine Verlobte heran macht und ihn auch zunehmens beruflich aus seinem eigenen Leben verdrängt - Schlag drei! Spontan erinnerte mich dieser Bruder etwas an die nordgermanische Götterfigur des Lokis: Schön anzuschauen und oberflächlich auch hilfsbereit, doch stets durchtrieben, ambivalent und unberechenbar. Er schafft sich sein eigenes Universum - Loki wie die Anansi Sippschaft.
Klingt bisher nicht so spektakulär? Mitnichten. Der Autor schafft es eine Atmosphäre heraufzubeschwören die nur schwer zu beschreiben ist: Ein C.G. Jung würde uns hierbei vielleicht gute Dienst leisten - denn es geht zum Archetyp der Träume - der kollektiven Urerinnerungen. Anasi, der Spinnengott war einer dieser Urerzähler von Geschichten, Mythen und Träume. Wer weit genau in die archaische Religion zurück reist wird sehr schnell feststellen, dass die ersten Götterarchetypen stets mit Tieren - seien es nun Löwen, Tiger, Affen - oder eben Spinnen visualisiert bzw. charakterisiert wurden. Dieser mystische Schleier lässt den Leser zwar nie zu tief sinken - doch man nimmt ihn war. Er hebt das Niveau auf eine subtilere Ebene - fast schon etwas ins Schamanische.
Diese mystisch angehauchte Seite wird flankiert von zwei Elementen welche die Geschichte um den alten Geschichtenerzähler deutlich empor heben aus der Flut von ähnlich gelagertem: Der trefflichte und stilsichere Humor sowie die gelungenen Charaktere. Man kann es an einigen Stellen die von Situationskomik nur so bersten gar nicht verhindern, dass dezentes Schmunzeln in schallendes Gelächter umschlägt. Die Charaktere - und seien es nur Nebendarsteller sind präzise und plastisch gezeichnet, ein Film könnte sie nicht besser wiedergeben - vor allem da er schlüssig aufgelöst wird und die einzelnen Erzählfäden zu einem großen Netz zu bündeln weiß.
Erzählt wird das Ganze auf zwei Ebenen: Der realen Welt und die der Traumwelt der alten Tiergötter. Welche Welt nun tatsächlich realer ist, überlasse ich der Beurteilung des Lesers...
Fazit: Meine Beschreibung diente mehr der Darstellung des Zaubers, der Atmosphäre - und weniger dem Inhalt (hierzu sind andere Rezensionen hilfreicher). Ich gebe selten eine absolute, kritikfreie Kaufempfehlung ab - aber: Man hätte diese Geschichte nicht besser erzählen können. Kaufen!
Gaiman wieder zurück in Hochform, 15. Oktober 2007
STORY: ****- (4 von 5 Sternen)
An sich die klassiche Story vom guten und vom bösen Bruder. Entwickelt sich dann aber als Story sehr flott und mit Tiefgang - trotz einiger Ausflüge in schwere afrikanische Mythenkost.
STIL: ***** (5 von 5 Sternen)
Götter haben's auch nicht leicht. Das Thema kennen wir schon aus American Gods. Aber diesmal ist der Stil nicht düster oder kompliziert, sondern spannend und spritzig. Gaiman in Bestform!
URTEILSBEGRÜNDUNG:
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Neil Gaiman hat sich vom einstigen Starzeichner der Gothic-Comic-Szene mittlerweile zu einem beachtlichen und vielbeachteten Romanautor gemausert. Dabei schwankt er zwischen brilliantem Witz (wie in 'Good Omens' mit Co-Autor Terry Prattchet) und mystischem Soft-Horror (wie in 'Coraline').
In Anansi Boys greift er wieder den Mythos der alten Götter auf, die nur noch ein mitleiderregendes Schattendasein führen, da sie von den Menschen vergessen wurden. Anansi ist dabei so eine Art 'Spinnengott' aus dem alten, dunklen Afrika. Außerdem ist er ein ziemlicher Witzbold, der füher den anderen Göttern gerne mal kräftig eins ausgewischt hat.
Jetzt aber ist Anansi erst mal von uns gegangen und hat einen Sohn hinterlassen, der nichts von seiner göttlichen Herkunft ahnt. Soviel ist allerdings klar: Sein Vater war ein höchst seltsamer Zeitgenosse, und seine Späße waren für den heranwachsenen Zögling oftmals alles andere als lustig.
Mit der Beerdigung des Vaters scheint dieses zwiespältige Kapitel im Leben des jungen Protagonisten erst einmal abgeschlossen. Aber dann kommt alles anders - und zwar in Form eines bis dato unbekannten Zwillingsbruders. Der wiederum weiß sehr genau um seine göttliche Abstammung und hat einige Tricks auf Lager, die das Leben seines Zwillings völlig auf den Kopf stellen.
Doch die alten Götter haben nicht vergessen, dass Anansi ihnen einst übel mitspielte und schon bald müssen die Brüder ihre Unterschiede und ihre Abneigung überwinden, wenn sie überleben wollen.
Neil Gaiman schafft es, den Leser sehr schnell in den Bann der Geschichte zu ziehen und das auf erzählerisch hohem Niveau. Vom Stil her fühlt man sich eher an das atmosphärisch dichte 'Neverland' erinnert, als an das letzte Werk 'American Gods'. Und das ist auch gut so. Die Anansi Boys kann man uneingeschränkt zum Lesegenuß empfehlen. Ein einfühlsames Buch über den Findungsprozeß eines jungen Mannes, in dem der Spaß nicht zu kurz kommt - vor allem der Lesespaß!
Hervorragender Erwachsenenmärchenteppich, 24. Juli 2007
Neben einer bedenkenswerten Geschichte liefert uns Neil Gaiman auch allerlei Zusatzmaterial zu dem Buch, wie eine Deleted Scene, Manuskriptabdrücke, ein Interview und einige Fra-gen zur Diskussion in Leserunden oder in Unterrichtszusammenhängen. Alles in allem ein durchaus lesenswertes Buch, dass den Leserinnen und Lesern eine der schlitzohrigsten mytho-logischen Figuren auf einem Level mit Kojote und Loki vorstellt und sich dabei in der besten Tradition von American Gods bewegt.
Fantasiereich, humorvoll, sympathische Charaktere - ein Fest besonders für Fantasyfreunde., 11. April 2007
Wie alle Romane von Neil Gaiman zeichnet sich auch sein neuestes Werk durch einen ausgesprochen eigenwilligen Humor aus. Schon nach den ersten Seiten ist man von seinem unverkennbaren Stil gefesselt. Zu Recht wurde das Buch als bester Fantasy-Roman des Jahres bei den British Fantasy Awards 2006 ausgezeichnet und ist ein New York Times Nr. 1 Bestseller. Gaiman selbst bezeichnet "Anansi Boys" als "Horror-Thriller-Geister-Romantik-Comedy-Familien-Epos" und damit hat er sehr genau alle Fassetten der Geschichte eingefangen. Die fantastischen Erscheinungsbilder der Götter und ihrer Werke hat er extrem plastisch dargestellt und der Humor in den Dialogen lässt den Leser immer wieder laut auflachen. Außerdem verbirgt sich in dem Roman auch noch eine äußerst verzwickte Kriminalgeschichte. Bis zur letzten Seite bleibt es spannend.
Die Charaktere sind detailreich ausgearbeitet, doch Fat Charlie wächst einem im Laufe der Handlung einfach am meisten ans Herz. Von einem etwas trotteligen, durchschnittlichen Büroangestellten entwickelt er sich immer weiter zu einem wahren Gottessohn. Doch hinter einer humorvollen Fassade verstecken sich auch ernst gemeinte Anspielungen auf unsere Gesellschaft und auf zwischenmenschliche Beziehungen, wie sie jeder kennt. Oft sind sie übersteigert dargestellt, enthalten aber trotzdem einige Wahrheiten, über die man zwangsläufig nachdenkt. "Anansi Boys" ist ein sehr vielseitiger Roman, der aber besonders den Fantasyliebhabern zusagen wird.
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