Kundenmeinungen
Brunetti in Berlin, 3. Februar 2008
Ein wirklich umwerfendes Buch, ich kann nur schwärmen!Das Kindermädchen ist ohne Einschränkung der beste Krimi, den ich seit langem gelesen habe. Elisabeth Herrmann schreibt pointiert, bildhaft und lebendig, die Dialoge sind wunderbar, mal bissig, mal voller Gefühl, es entsteht wirklich ein Film im Kopf. Der Autorin gelingt mit diesem Buch das Kunststück, unterhaltsam, aber nicht platt, spannend, aber nicht künstlich zu erzählen, auch wenn sie hier und da mal ein wenig zu dick aufträgt. ( Eine BVG - Müggelsee- Fähre zu entführen ist ein wenig viel des Guten!) Die Geschichte um das ukrainische Kindermädchen Natalia packt einen aber trotzdem von der ersten Seite an, zieht einen hinein in die dunklen Abgründe der Nazi - Vergangenheit, beschwört Schicksale, Verbrechen und Gräuel herauf und schafft den Balanceakt, dabei weder betroffenheitstriefend noch oberlehrerhaft sondern sachlich UND menschlich zu bleiben. Bis in unsere Generation hinein reißen immer wieder Wunden auf, die in dieser finsteren Zeit geschlagen wurden und nicht dadurch verheilen, das man den Mantel des Schweigen darüber legt, was damals neben Krieg und Völkermord noch an kleinen und großen Schweinereien ablief. Elisabeth Herrmann schreibt darüber und man merkt, dass ihr das Thema ans Herz geht. Ihr Buch hätte unbedingt mindestens ebenso viel Aufmerksamkeit verdient wie die zuletzt leider weitaus faderen und müderen Werke von Bestseller - Abonennten wie Donna Leon oder Elisabeth George. Und Joachim Vernau, der Rechtsanwalt und Krimiheld wider Willen ist vom Typ her ein echter Brunetti, fehlbar, leicht zu erschüttern, oft emotional überfordert und hartnäckig wie ein Terrier, wenn er sich mal verbissen hat. Vernaus Mutter und ihr Faktotum Hüthchen haben das Zeug zu Kultgestalten, die kluge, kämpferische Marie - Louise und den schnoddrigen Praktikanten Kevin schließt man auch sofort ins Leserherz. Das sind Figuren aus Fleisch und Blut, wirklich aus dem Leben abgeschrieben! Und die Kulisse ist ein Star für sich: Berlin wird von Elisabeth Herrmann wie Donna Leons Venedig beschrieben, in einem allzu heißen Sommer, atmosphärisch dicht, lebensnah und unglaublich sinnlich , völlig entschleunigt beschrieben. Wer noch nie dort war, wird hinfahren wollen, wer wie ich dort gelebt hat, bekommt Sehnsucht. Ich könnte noch seitenlang weiterschwärmen, wie klug und aufregend der Krimi aufgebaut ist, wie schlau die falschen Fährten gelegt werden, wie gut man unterhalten und doch immer wieder schockiert wird, aber im Endeffekt kann ich nur sagen, lesen Sie dieses Buch, es lohnt sich!
Leider ein bisschen enttäuscht, 2. Februar 2008
Ich muss mich der bisher kritischsten Rezension hier anschließen: Nach den großen Lobeshymnen hatte ich mehr erwartet (Verzeihung, Frau Herrmann). Das Thema ist spannend und sehr interessant, die Handlung, die Figuren und auch die Sprache können mich leider nicht überzeugen. Vieles wirkt konstruiert und unglaubwürdig.
Hochspannung, Witz und genaue Beobachtung: rundum gekonnt!, 15. Januar 2008
"Das Kindermädchen" hat mich rundum begeistert: Die Handlung reißt einen unerbittlich in den Sog der Intrigen und menschlichen Verstrickungen. Die Entwicklung der Protagonisten (ob nun auf Seite der Sympathierträger oder nicht) wird hoch interessant gestaltet. Das Milieu der "alten reichen Szene" ist ungemein treffend, mit humorvollen Seitenhieben und genauer Beobachtungsgabe geschildert. Und nicht zuletzt gewinnt "Das Kindermädchen" durch Elisabeth Hermanns gekonnte Sprache und die witzig-ironischen, zumal auch derben und stets plastischen Formulierungen. "Die 7. Stunde", der nächste Fall mit Rechtsanwalt Joachim Vernau, seiner chaotisch-sympathischen Kollegin Marie-Luise und dem Praktikanten und Jurastudenten Kevin, wartet schon auf meinem Nachttisch!
Deutsche Spannungsliteratur vom Feinsten., 10. Januar 2008
Wer glaubt, nur angloamerikanische Autoren könnten hervorragende Spannungsliteratur schreiben, der sieht sich durch diesen Roman getäuscht. Neben Frank Breschings "Das verlorene Leben" und Sebastian Fitzeks "Amokspiel" einer meiner Lesehighlights der vergangenen Monate. Gute Charakterzeichnungen, eine interessante Geschichte kombiniert mit einer guten Sprache. Schlichtweg gelungen!
Eine andere Meinung, 10. Januar 2008
Ich finde es hoch interessant wie verschieden die Meinungen der LeserInnen sein können. Mir jedenfalls ging es so:
Ich habe mich hineingestürzt und mich anfangs sehr gefreut, Berlin, Immobilien, Ruderverein in Grünau, Kunst.... Das hatte so unglaublich viel mit meinen Leben zu tun, es schien mir endlich mal wieder ein interessantes Buch zu werden.
Leider hat es sich als vorhersehbar, nicht besonders gut recherchiert, ich denke nur an die Szene als eine Flucht auf der Fähre von Grünau nach Wendenschloß beschrieben wurde, "James Bondmäßig" und geradezu lächerlich in meinen Augen, die Personen waren sehr klischeehaft. Der obercoole H. Varnau, der sich zum Schluß für die Wahrheit und gegen Geld und Karriere entscheidet und die Revoluzzer-Anwältin. Die boshafte Alte, die Ihren ergebenen Diener hatte usw.......
Nein ! Für mich eine echte Enttäuschung
|