Beschreibung
Eigentlich ist es ja immer andersrum: Ein Autor schreibt ein Buch, und irgendwann später kommt ein Illustrator und macht sich ans Bebildern. So hat es Zeit seines Lebens auch Gustave Doré gehalten, dem wir wundervolle Stiche zu Orlando Furioso, Don Quixote, Gargantua und Pantagruel oder der Bibel verdanken. Walter Moers macht immer alles anders. Und so ist er auch diesmal den umgekehrten Weg gegangen und hat Dorés Kupferstiche zu einem neuen erzählerischen Kabinettstück versammelt. Dabei schickt er den 12-jährigen Gustave in seine eigenen (Alb-)Traumbilder und lässt ihn nach klassischer Märchenmanier (sechs gelöste Aufgaben = Todesaufschub) auf dem Pferd Pancho Sansa im "Reich der Ungeheuer" allerlei Abenteuer mit Fabelwesen, Rittern und Jungfrauen bestehen. Hier hat Gustave gegen treulose Kumpanen und die erste (kurze) Liebe gleichermaßen anzukämpfen. Dazwischen bringen diverse Diener des Todes unseren Helden in immer neue Gefahren: "Wenn er aus den Fluten auftauchte, hatte Gustave die Wahl, gefressen, von Krallen zerfetzt, bei lebendigem Leibe verbrannt oder gekocht zu werden". Er hat also keine Chance -- und die nutzt er gut. Früher war Moers ja für seine Lügengeschichten bekannt, die er Käpt'n Blaubär in die sympathische Schnauze legte. In Wilde Reise durch die Nacht nun erzählt er endlich die ganze Wahrheit über die Welt der Mythologie: Hierzu gehört die Erkenntnis, dass Drachen nur dressierte Kampfhunde und Jungfrauen so richtig böse sind. Da ist sehr viel geklaut von Italo Calvino und den Rittern der Kokosnuss. Aber schon Ensel und Krete war eine kongeniale Verballhornung Grimm'scher Volksmärchenkunst. Und dass Moers die Illustrationen von Doré stibitzte, um sie mit neuem fantastischem Erzählstoff zu umgarnen, dafür ist man ihm bei der vergnüglichen Lektüre Seite für Seite dankbar. --Thomas Köster
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Kundenmeinungen
Wilde Reise durch die Nacht (Höbuch/Buch), 19. Januar 2008
Dieses Buch ist einfach nur klasse. Ich habe es innerhalb weniger Stunden gelesen. Es ist spannend und vor allem auch witzig. Walter Moers hält sich an die Bilder von Gustave Doré, die an den passenden Stellen, auch im Buch abgebildet sind. Diese sind wirklich schön und gut abgedruckt. Die Idee mit den Bildern hat mir übrigens total gefallen.
Dass das Buch voll von Phantasie ist (obwohl es sich an Bildvorlagen hält; diese an sich sind schon phantasievoll genug), brauche ich kaum noch zu sagen, da man das von Moers gewohnt ist. Die Story, die Moers aus Dorés Bildern macht, ist eine, wie schon im Titel gesagt, wilde Reise, die durch die verschiedenen Aufgaben, die der Tod dem jungen Gustavé gibt, an die 12 Arbeiten des Herkules erinnert. Dies würde ich jedoch nicht als Abschreiben werten, sondern eher als eine Anspielung auf diese Sage.
Ich jedenfalls fand das Buch fantastisch und es gehört auch eindeutig zu meinen Lieblingsbüchern. Ich hoffe, Moers schreibt auch noch mehr Bücher in dieser Art.
Zum Hörbuch
Das Hörbuch ist spitze. Ich hätte nicht gedacht, dass Dirk Bach so gut die Stimme verstellen kann. Die Stimme vom Tod zum Beispiel ist einfach nur passend und wunderbar sarkastisch an einigen Stellen. Die Stimmen der Frauen in diesem Hörbuch sind zu Schreien komisch, ich höre mir diese Stellen immer wieder gerne an. Das Hörbuch lohnt sich, egal ob man das Buch schon auswendig kennt oder es noch gar nicht gelesen hat.
Das Buch an sich ist auch perfekt.
Die Bilder von Doré, anhand derer die Geschichte erzählt wird, sind zusammen mit einigen Textstellen im Booklet.
Ein wirklich gutes Hörbuch zu einem wirklich guten Buch.
Traumwandlerische Reise im Ohrensessel: Eine unendlich tollkühne, sofistisch-galaktische, blaubärige Lesung, 1. Dezember 2007
Der Mönchengladbacher Illusionist und Dimensionsverschrauber, alleinerziehender Vater sowohl des kleinen Arschlochs, als auch von Käpt'n Blaubär, erweist sich im Fahrwasser der großen Abenteuererzähler als äußerst seetüchtig.
Zwischen tollkühnem Tolkien hindurch, am Märchentheater der Grimm-Brothers und unendlichem Unwahrscheinlichkeits-Drive von Michael Ende bis Douglas Adams vorbei, rast seine "Wilde Reise durch die Nacht" nicht nur durch selbige. Sir Walter Scott... äh... Moers als Käpt'n Klaubär der mit seinem furiosen Traumgespinst nach phantastischen Xylographien des Franzosen Gustave Doré (wunderschöne Mini-Poster in den Booklets) ebenso an "Little Nemo", den "Parzifal", "Tausendundeinenacht", "Die Brüder Löwenherz", "Münchhausen", wie an "Sofies Welt", Dantes "Inferno" oder Edgar Allen Poe erinnert, zeigt sich als ausgezeichnet geschult an der "Faust" des Geheimrates Goethe und Cervantes "Donkey-shot".
Moers sammelt nichts als Pluspunkte und landet mit der Auswahl des Vorlesers gar einen Geniestreich. Dirk Bach outet sich als großer Moers-Fan und begeistert von der ersten wilden Reise-Minute an mit überbordender Erzählkunst, die in kurzweiligen viereinhalb Stunden ein augenzwinkernd ritterliches Aventurien-Feuerwerk abbrennt (Potters Rufus Beck kann nach diesem begnadeten Performer abdanken).
Für noch immer Unentschlossene seien hinter vorgehaltenem Fehdehandschuh als Appetizer einige Reisestationen des zwölfjährigen Ritters Gustave genannt: ein Gespensterwald, ein Siamesischer Zwillingstornado, das Tal der traurigen Triften, die Insel der gepeinigten Jungfrauen nebst Drachensaftfabrik, der Bergsee des brodelnden Brodems, die Alm der rätselhaften Riesen, die Verwaltungsabteilung des Universums, ein galaktischer Gully, die raumzeitkontinuierliche Eventualitätswabe, der Zahn der Zeit, das Mare Tranquillitatis.
Na hoffentlich hat man jetzt nicht zu viel verraten. Läge aber gewiss an diesem verdammt süffigen Reisewein. Prost!
die 4 CDs -- als (Rumo, Blaubär, Zamonien-)Moersfan doch etwas enttäuscht, 21. November 2007
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Ich mag die Comics von Walter Moers, kenne die Zamonien-Romane rund um Blaubär, Rumo & Co. sowohl in Buchform als auch - genial vorgetragen von Dirk Bach - auf den CDs. Bis auf "der Fönig" hat mir bisher von Moers so ziemlich alles gut gefallen.
Mit "Wilde Reise durch die Nacht" hatte ich aber doch so meine Problemchen. Dirk Bach ist zwar auch hier wieder sehr gut als Sprecher der Figuren, kann jedoch nicht mehr herbeizaubern, als was die Geschichte eben hergibt. Und dieser Geschichte merkt man einfach an, dass sie nicht wirklich aus einem Guss ist, sondern vielmehr verschiedene Bilder / Stationen lediglich aneinanderreiht. Die Schilderungen sind überaus phantasievoll, hin und wieder blitzen vielsagende Moers'sche Wortspiele und witzige Ideen durch. Auch die Idee, den Tod als Mitspieler mit Humor zu nehmen ist gelungen. Ein roter Faden und ein durchgehender Spannungsbogen fehlen mir aber irgendwie dennoch.
Wer zum ersten Mal was von Moers lesen / hören mag, sollte daher besser bei Rumo, Blaubär oder evtl. auch noch Ensel&Krete anfangen. Die wilde Reise hat mit den Zamonien-Romanen nichts zu tun und liest / hört sich nicht so flüssig. Daher im Vergleich zum bisherigen nur 3 Sterne.
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Klasse! Klasse! Klasse!, 21. Oktober 2007
Ein witziges Buch, ganz in Moers-Manier, aber mal nicht in Zamonien!
Anhand von Stichen von Gustave Doré (z.T. aus der Bibel/ Paradise Lost) erzählt Moers eine Geschichte die dazu passt: Der junge Gustave soll vom Tod "abgeholt" werden, doch pfiffig wie er ist, schlägt er dem Tod eine Wette vor, und schon geht es los.
Ich sage nur: Was ist ein "Galaktischer Gulli"? Das ist eine Abkürzung, wenn man keine Zeit für ein schwarzes Loch hat! :-D
Naja, wie immer halt, 4. Juli 2007
Wer Walter Moers kennt, der weiß ja, was ich damit meine. Wer nicht, dem sei gesagt: Walter Moers ist ein Genie im Metier der phantasiebeladenen Geschichten. Seine Figuren sind imemr skurril und entbehren doch nie einer gewissen Wirklichkeitstreue. Wie in jedem seiner Bücher greift er Ideen oder Personen oder Werke der europäischen Geistesgeschichte auf und verarbeitet sie auf seine ganz eigene Art weiter. Nichts ist vorhersehbar, und im Nachhinein erscheint doch alles so zwingend logisch. Sein Witz ist wie immer genial und wortreich.
Trotzdem kann ich mich einigen meiner Vorredner nur anschließen: Es ist nicht Moers bestes Buch.
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