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Bill Bryson: Streifzüge durch das Abendland. Europa für Anfänger und Fortgeschrittene.

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Streifzüge durch das Abendland. Europa für Anfänger und Fortgeschrittene.

von Bill Bryson

Goldmann

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07/Sep/2008 - 13:05




Kundenmeinungen

produkt bewertung produkt bewertung produkt bewertung produkt bewertung produkt bewertung  Eines seiner ersten Bücher in einer unsäglichen Übersetzung, 19. Dezember 2007

eine bessere Übersetzung wurde unter dem Titel: Wo, bitte, geht's nach Domodossola? Ein Amerikaner entdeckt Europa veröffentlicht. Sie ist zurecht vergriffen, wurde aber leider nie erneut aufgelegt.


produkt bewertung produkt bewertung produkt bewertung produkt bewertung produkt bewertung  Wenn einer eine Reise macht..., 26. August 2007

Als erstes eine Vorwarnung: Bill Brysons Berichte aus den seltsamen europäischen Landen sind keine (ich wiederhole: keine) landeskundlichen Erörterungen. Eher erinnern mich die einzelnen Kapitel an eine regelmäßige Zeitungsrubrik der intelligenten Art, die nun als Buch veröffentlicht wird: Ein Amerikaner, der x-mal gescheiter ist als er sich stellt, schert sich nicht um politische Korrektheit und pointiert die jeweiligen Charakteristika eines Landes bzw. einer Stadt. Ganz bestimmt hält Bryson nicht alle Deutsche für lederbehoste Nazis, nicht alle Österreicher für ausgemachte Antisemiten, und Neapel hält er wohl auch nicht für eine dichtbevölkerte Müllgrube in bezaubernder Lage. Aber, soweit ich das nachvollziehen kann (Ich kenne längst nicht alle bereisten Städte und Länder), trifft er ganz gut den Kern, und als guter Beobachter und Satiriker weiß er offensichtlich, dass ein guter Witz niemals auf knochentrockener Reportage beruht.
Das Schöne an Brysons "Berichten" ist nämlich, dass man sich unterm Lesen wunderbar vorstellen kann, wie's dort (wo auch immer das Dort gerade sein mag) zugeht.

Und wenn Bryson sich z.B. über den ausgesprochen realitätsnahen Wortschatz in Reiseführer-Anhängen mit angeblich nützlicher Wendungen ergeht, dann hat man Grund zum Keckern: Unter den betreffenden Autoren hat sich nämlich erfahrungsgemäß noch nicht herumgesprochen, dass in den allermeisten Reiseführer-würdigen Ländern Supermärkte und Selbstbedienung bekannt sind und dass man üblicherweise in jedes Landes Badewanne sein Wasser selber einlässt.
In den besten Kapiteln sprüht Bryson vor tendenziell gutmütiger Bosheit und Selbstironie, und so manche übelwollende Rezension dieses Buches könnte darauf beruhen, dass ihr Verfasser die Selbstpräsentation des Autors als bierseligen, monoglotten Proll für bare Münze nimmt.

Hinreißend sind vor allem die Passagen, in denen Bryson die Pose des naiven, aber neugierigen und aufgeschlossenen Ami einnimmt und mit großen Augen feststellt, dass die Europäer gleichzeitig so verschieden und zugleich dermaßen verschieden sein können. Mit dieser kindlichen Naivität nimmt er sich auch oft selber auf die Schippe; seine Schlussfolgerungen aus überwältigend positiven Eindrücken sind zwar manchmal ein wenig an den Haaren herbeigezogen, weil sie allzu oft nach dem selben Muster gestrickt sind, aber es ist eben doch amüsant zu lesen, dass Bryson die hässlichen Kopenhagener allesamt irgendwo nach Arizona verbannt vermutet. (Auch diese Beobachtung spricht übrigens dafür, dass die "Streifzüge durch das Abendland" ursprünglich als regelmäßige Zeitungsrubrik erschienen sind -- in einer wöchentlichen Sparte leiern solche journalistischen Tricks nicht so schnell aus.)
Jedenfalls lernt man hier unter anderem, wie man Schweizer Verkäuferinnen in den Wahnsinn treibt, wie man in einem Liechtensteiner Hotel zur persona non grata wird, oder worauf man gefasst sein muss, wenn man in einer Florentiner Polizeistelle einen Diebstahl anzeigen will. Auch wenn hier und anderswo mancher Leser ob solch ostentativem Chauvinismus aufschreien will -- gerade hier präsentiert sich Bryson meist in guter Form, mit liebenswürdigen Gemeinheiten.

Freilich hat Bryson beim Schreiben nicht immer seine besten Tage gehabt -- für einen guten Witz reicht es nicht, einen längst bekannten Kalauer zum x-ten Mal aus der Versenkung zu zerren. Ein wenig mehr Hinterfotzigkeit wäre gelegentlich schonmal angebracht. Und manche Scherze gehen auch vollrohr in die Hose, wie z.B. das neckisch sein sollende Anekdötchen über einen mehr als zwei Jahre lang entführten italienischen Jugendlichen. Schwarzen Humor hat Bryson nunmal nicht im Repertoire, und entsprechend peinlich und ärgerlich sind diese und einige andere Passagen auch zu lesen.

Aber die wirklichen Ärgernisse in diesem "Europa für Anfänger und Fortgeschrittene" haben nicht Bryson zu verantworten, sondern die Übersetzerin (Ich weise dennoch darauf hin, dass die "Bezahlung" der meisten Übersetzer hierzulande ein Skandal ist und nichts Besseres erwarten lassen kann) und der offensichtlich somnambule Lektor. Kleinere Schnitzer meine ich hier nicht; Bryson ist schließlich kein stilistischer Zampano.
Ich meine aber Fehler, die auf mangelnde Allgemeinbildung von Übersetzer und Lektor hinweisen: Michelangelos "Pietà" im Vatikan ist definitiv kein "Gemälde"; mit "milchiger Kaffee" ist vermutlich Milchkaffee gemeint; und "scheinbar" und "anscheinend" unbeirrt zu verwechseln, wird nicht dadurch besser, dass man's dauernd tut: Wenn z.B. Menschen scheinbar glücklich sind, sind sie's nämlich nicht, aber wenn sie's anscheinend sind, sind sie's wahrscheinlich. Aus dem Kontext geht stets hervor, dass Frau Holzförster da gut ein Dutzend Mal sorglos danebenlangt.
Jedenfalls stolpere ich über Klopper der härteren Gangart zu oft, als dass ich's als Flüchtigkeitsfehler übergehen könnte.

Aber auch wenn mein Gemecker den gegenteiligen Eindruck wecken sollte: Die "Streifzüge durch das Abendland" sind witzig zu lesen, und man kichert oft genug einfach los, weil's schlicht und ergreifend komisch und geistreich zugleich ist. Meistens jedenfalls.


produkt bewertung produkt bewertung produkt bewertung produkt bewertung produkt bewertung produkt bewertung  Grossartiger Humor, ein echter Bryson, 4. August 2007

Abgesehen von dem zeitlosen, entwaffenden Humor Bill Brysons kann man sich hier ein interessantes Zeitbild des Europas der späten achtziger Jahre auf amüsanteste Weise zu Gemüte führen.

Vieles hat sich inzwischen weiterentwickelt (Deutschland ist nicht mehr das reichste Land Europas, Schweden hat sich vom verlotterten Wohlfahrtsstaat zum High-tech-Paradies gewandelt, in vielen Ländern kann man dank Globalisierung eine zwar uniformisierte, aber die lokalen Gebräuche in kulinarischer Hinsicht zu Recht vergessen lassende Küche geniessen, der Endzeit-Kommunismus in Bulgarien ist nicht mehr, andere Ereignisse der Weltgeschichte haben die Dominanz der Erinnerung an das dritte Reich und den Weltkrieg geschmälert, usw...)

Vieles aber auch nicht: Das mit Touristenmassen hoffnungslos überlastete Florenz, der bornierte Anti-Amerikanismus der Franzosen, der Müll in Neapel sowie natürlich Sehenswürdigkeiten, die immer beeindruckend bleiben werden (z.B. Capri, Wien, Kölner Dom, Hamburger Alster, Berner Innenstadt).

Sicher, wer reiselustig und weltoffen ist, wird dieses Buch vielleicht mit noch mehr Freude lesen als als andere, aber eigentlich geht es gar nicht um den Inhalt. Man muss sich fragen, ob die unzufriedenen Rezensenten einen Baedeker in Romanform erwartet haben? Nichts läge Bill Bryson ferner als, objektiv zu sein: Reiseziele werden in den Himmel gelobt, weil dort gerade die Sonne scheint oder in der Luft zerrissen, weil an zwei aufeinanderfolgenden Tagen regnet - es ist einfach herrlich!

Die Mischung aus 10% Fakten, 20% Übertreibungen, 30% Meinungen und Spott über andere und 40% Spott über sich selbst ist sehr intelligent und gelungen. Wer meint, "sein" Land sein schlecht weggekommen, der möge Bryson's Berichte aus den USA und aus England lesen (je nachdem, ob er den Autor für einen dümmlichen Amerikaner oder für einen weltkriegsbesessenen Engländer hält).

Uneingeschränkte Empfehlung!


produkt bewertung produkt bewertung produkt bewertung produkt bewertung produkt bewertung produkt bewertung  Die Eigendynamik des Reisens, 24. Juli 2007

Diese Eigendynamik dränge den Reisenden, immer unterwegs zu sein, niemals anzuhalten, so der Autor am Ende des Buches, als er in Istanbul im Gülhane-Park sitzt und auf Asien hinüberblickt. Bryson fährt aber nicht weiter, denn: "Irgendwann muss man ja irgendwo ankommen" - so seine Erkenntnis.
Bill Bryson, in Iowa geborener, aber in England lebender Amerikaner, schildert hier seine Reise von 1990 durch Europa (vom Warten auf das Nordlicht in Norwegen bis Istanbul) mit allen möglichen Verkehrsmitteln (Bus, Flugzeug, meist aber Zug) und vergleicht dabei mit seiner 1. Reise von 1973.
Der Leser merkt schnell, dass Bryson in dieses Europa regelrecht "verliebt" ist - was ihn aber nicht daran hindert, so manche Dinge, die ihm nicht gefallen, ganz gehörig "auf die Schaufel zu nehmen". Vieles davon hat sich seither nicht verändert...
Dies alles bringt Bryson mit viel Selbstironie, Humor und einem gehörigen Schuss Übertreibung - was aber nicht weiter stört. Jedenfalls: Ein köstlich zu lesendes Buch, das sich jeder Reiselustige zu Gemüte führen sollte!


produkt bewertung produkt bewertung produkt bewertung produkt bewertung produkt bewertung  Ungewohnt schlecht, 3. Juli 2007

Normalerweise setzt sich Bill Bryson nur mit einem einzelnen Kulturkreis in seinen Büchern auseinander, wobei er durch seine Beobachtungen und seinen Witz oft überzeugen kann. Der vorliegende Band ist da etwas anders, da er sich hier durch verschiedene europäische Länder bewegt.
Insgesamt wird Bill in diesem Buch den verschiedenen regionalen Besonderheiten der von ihm besuchten Städte nicht gerecht wie man am Vergleich Hamburg und Köln sieht und er ist für einen Reiseautoren eigentlich zu wenig experimentierfreudig in Bezug aufs Essen. Hier neigen seine Vorurteile geradezu ins Lächerliche. Auch ist sein Verhalten als Gast in einigen Hotels manchmal nur als unangenehm und teilweise als kriminell zu sehen, so dass er sich mit diesem Buch eine Menge Sympathiepunkte verscherzt, die er in anderen Büchern zuvor gewonnen hat.




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