Beschreibung
Der Weg zur Einheit eines Nationalstaats ist in aller Regel lang und mit Mühen verbunden. Dies gilt erst recht für Deutschland, wie die durchweg lesenswerten Aufsätze dieses Bandes deutlich machen, die in der Gesamtschau einen vollständigen Überblick über die deutsche Geschichte von ihren Anfängen bis in die Gegenwart geben -- und das mit all ihren Brüchen und Wendemarken. „Dass es Deutsche gibt, ist zuerst den Vorfahren der heutigen Italiener aufgefallen“, schreiben die beiden Herausgeber in ihrem einführenden Beitrag über die „Geburt einer Nation“. Zur Zeit des auch über Nord- und Mittelitalien herrschenden Otto des Großen (912 bis 973) nämlich „kamen immer häufiger Heeresaufgebote aus dem Norden über die Alpen. Und die Südländer beobachteten, dass die Besucher manches gemein hatten. Sie gaben den Fremdlingen den Namen ‚Teutonici‘, in Anlehnung an die Teutonen, die vor Christi Geburt über die Römer hergefallen waren.“ Obwohl die Angehörigen der fränkischen, bayerischen oder thüringischen Stämme sich selbst zu dieser Zeit noch gar nicht als Angehörige eines Volkes empfanden, fand die lateinische Bezeichnung auch in ihren Landen bald schon Verbreitung. Doch es sollte noch bis zur Wende zum 16. Jahrhundert dauern, bis im Namen einer „teutschen“ Identität erstmals politische Forderungen laut wurden -- auf der Grundlage einer durchweg konstruierten Geschichte der Deutschen, die angeblich bis ins in die Antike reichte. Bis die nationale Idee dann tatsächlich zu einem Massenphänomen wurde und 1871 schließlich in der Reichsgründung gipfeln konnte, war es von da an ein weiter Weg. Diesen zeichnet der Band ebenso nach wie die darauf folgende, äußerst wechselvolle Geschichte deutscher Staatlichkeit. So bieten die knapp gehaltenen, aber nirgends ihren Sachverhalt unangemessen verkürzenden Essays eine durchgehend lehrreiche wie kurzweilige Lektüre. -- Andreas Vierecke, Literaturanzeiger.de
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