Kundenmeinungen
Übel oder die Moral von der Geschicht: "In Taos Valley gibt es mehr Schafe als Rinder." (S. 275), 26. Juni 2008
Esoterischer Quatsch ohne Gleichen.Ich hatte mir erhofft, dass hier jemand über konkrete Probleme während des Schreibprozesses schreibt und wir er damit umgegangen ist. Statt dessen schafft es die Autorin die immer gleichen hohlen Formeln (Trau dich, glaub an dich, leg einfach los, Schreiben hilft dir, dein Leben zu bewältigen etc.) in jedem Kapitel aufs Neue zu umschreiben. Verräterisch sind hier schon einzelne Kapitelüberschriften wie "Einfach loslegen", "Ich würde ja gerne schreiben, aber...", "Zaudern","Hinein ins kalte Wasser". Andere Überschriften weichen zwar von diesem Schema ab, allerdings produziert die Autorin auch hier seitenlange Ergüsse für eine Binsenweisheit. So soll man als Schriftsteller einen Blick für die Umwelt haben (vgl. Kapitel "Autofahren"). Wie wir das als angehende Schriftsteller zu einem schlechten Roman verarbeiten, führt sie dem Leser unfreiwillig komisch gleich selbst vor, wenn sie von ihrem "fünfundsechziger Pick-up namens Louise" salbadert und uns informiert, dass es "Unterwegs auf der Calle Medio nach Norden Bon Bon feuerrot wie eine Kirschpastille [schimmerte]". Es ist natürlich für den Leser total wichtig zu erfahren (Achtung, Ironie!), dass sie bei diesen Spazierfahrten das Kleinkind Domenica und ihren "schneeweißen Königspudel" mitnimmt. Wer jetzt noch nicht abgeschreckt ist und sich für langweilige Landschaftsbeschreibungen incl. Pferdetränke, Gartenschlauch, Flieder und Vogelgezwitscher interessiert ("Ich sitze an einem kleinen Kieferntisch mit Blick nach Osten auf die Ausläufer des Sangre de Christo...", S. 13; "Heute Morgen bin ich fröhlich und aufgeregt. Meine Futterampeln haben eine Vielzahl großartiger Vögel angelockt...", S. 224.), dem möchte ich allerdings ans Herz legen, sich gleich einen schlechten Roman oder die Autobiografie der Autorin zu kaufen.In diesem Buch geht es um alles Mögliche, aber nicht ums Schreiben oder um Kunst.
Von der Kunst des Schwätzens, 12. Mai 2008
Wer noch keine Schreibblokaden hat, baut sie mit diesem Buch garantiert auf. Geschwätzige Selbstbeweihräucherung auf 327 Seiten. Kategorial schwach gegliedert und stellenweise widersprüchlich. Zwei Beispiele: Regeln der Dramaturgie werden in einem Kapitel verteufelt, aber später einem ihrer Gesprächspartner ans Herz gelegt. Poetischer Realismus, Detailtreue, das Besondere in szenischer Arbeit herauszustellen und Symbolismen werden unter "Ausdrücklichkeit" subsumiert. "Einfach drauf losschreiben" wird propagiert und natürlich das gottgegebene Recht eines jeden Menschen einen Stift in die Hand zu nehmen, um damit etwas zu Papier zu bringen. Etwas wenig! Spazierengehen sei dem Schreiben nützlich - eine Binsenweisheit. "Innere Weisheit", die im "Körper" gespeichert ist - nicht nur aus Sicht eines neurolinguistischen Programmierers höchst zweifelhaft. Die Übungen sind überwiegend banal und in ihrem Ergebnis wenig effektiv. Ohne es zu wollen baut die Autorin psychologische Hürden auf, die jeden Anfänger abschrecken. Fast hat man beim Lesen den Eindruck, als wolle sich Cameron auf ein unerreichbares Podest stellen. Schreiben wird kontraproduktiv mystifiziert und wer sie als Vorbild sieht, gerät in Gefahr zu verkrampfen, weil ihre komplexe Individualgedankenwelt wahrlich kein Organon der Schreibkunst darstellt. Fazit: wer keinen inneren Druck zum Schreiben verspürt wird auch nach Lektüre dieses Buches nicht damit anfangen.
Das Recht zu schreiben, 24. Mai 2007
Julia Cameron ist so etwas wie der ultimative Schreibcoach für von Selbstzweifeln und Ängsten geplagte Schrifsteller und Drehbuchautoren. Ihre positive Herangehensweise an das Thema Schreiben ist so heilsam, denn jeder hat das Recht zu schreiben ("The right to write" heißt das Buch auch im Original), davon ist Cameron überzeugt, dem Geniekult, der aus der Romantik stammt, und vor allem im deutschen Sprachraum so zerstörerisch wirkt, setzt sie das Bild von Kinderschritten entgegen, schreiben ist wie das Leben ein ständiger Lernprozess. Niemand wird als reifer Künstler geboren, also erst mal schreiben, später dann kann man Ideen bewerten und Texte redigieren, doch erst mal soll man sich gestatten, die Wörter fließen zu lassen, Texte zu Papier zu bringen. Julia Cameron mag manchmal etwas oberflächlich klingen, doch im Gegensatz zu den Gurus der Lebenshilfe-Szene scheut sie sich nicht auch Fehler zu zugeben, sie gibt keine haltlosen Heilsversprechen, sie sieht auch die Schmerzen und die Misserfolge, lässt den Leser auch an den Tiefen ihres eigenen Lebens teilhaben. Kurzum: Die Kraft und die soziale Kompetenz dieser Frau ist einfach bewundernswert.
mal ein etwas anderer *Ratgeber*, 8. März 2007
Also dieses Buch eignet sich in keinster Weise , wenn man auf der Suche nach Stil,Charakter,Story u.s.w. ist. Denn dieses Buch handelt vom Schreiben, um des Schreibens willen. Wie Frau Cameron schon zu Anfang eine Ihrer Visionen deutlich macht:Ich habe einige Leute zum Schreiben gebracht - es stimmt.Es ist sehr gut geschrieben, es animiert zum selbstschreiben, es hat sehr gute Übungen, die sich lohnen.Einfach lesen, sich dann selbst hinsetzten und es fließen lassen. Ein wirklich guter Ratgeber.
Schreiben um des Schreibens willen, 4. Februar 2007
Kein Ratgeber im klassischen Sinn à la Wie lerne ich schreiben. Dafür eine persönlich gehaltene Auseinandersetzung mit dem Schreiben, der Freude am Tun und den großen und kleinen Blockaden, die einen daran hindern können. Julia Cameron plädiert dafür, von einer blockierenden Anspruchshaltung wegzukommen und um seiner selbst willen zu schreiben. Um des Schreibens willen und um des Schreibers willen. Ihre Tipps und Denkanstöße helfen einem dabei, einzutauchen und ja zu sagen - zu sich und seinem Schreiben. Denn beides gehört zusammen. Authentisch und sympathisch, mit einem Schatz an Erfahrungen aus dem Schriftstelleralltag.
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