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Asfa-Wossen Asserate: Manieren.

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Manieren.

von Asfa-Wossen Asserate

Dtv

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20/Nov/2008 - 12:13




Kundenmeinungen

produkt bewertung produkt bewertung produkt bewertung produkt bewertung produkt bewertung produkt bewertung  Rezensions-Rezension, 26. Oktober 2007

Eigentlich wollte ich ja eine Rezension zu dem Buch von Dr. Asfa-Wossen Asserate schreiben. Doch nachdem ich gründlich die Texte meiner "Vor-Rezensenten" gelesen habe, scheint es mir sinnvoller, eine Rezension über die Renzensionen zu schreiben.
Als erstes: Der Mann heißt nicht Blasphemato Asservate oder Ahasver-Nüssen Nosferatu, aber dies nur am Rande (ich gestehe allerdings gerne ein, dass auch ich gelegentlich meine Schwierigkeiten mit fremdländischen Namen habe)!
Es kann natürlich eine Methode sein, seine Erwartungen in einen Buchladen zu tragen, um sich dort das passende Buch dazu zu suchen. Kann gutgehen - muss aber nicht, wie einige Rezensenten feststellen durften. Ich halte es eher so, dass ich so unvoreingenommen wie möglich die Buchdeckel öffne - und dies durchaus als "heilige Handlung" zelebriert - um mich dann aus vollem Herzen und gern von dem überraschen zu lassen, was mir der Autor über sich und seine Sicht der Welt mitzuteilen hat.
Und dies war im vorliegenden Falle sogar ausgesprochen formidabel. An unzählbare Entäuschungen über Bücher gewöhnt, auf die die Welt wirklich hätte verzichten können, "entblätterte" sich vor meinem Seelenauge eine der seltenen publizistischen Sternstunden - eines der wenigen Bücher der Zeit, die es Wert sind, geschrieben worden zu sein. Natürlich spricht aus jeder Seite die persönliche Perspektive des Autors (wen wunderts?) und die Sichtweise seines sozialen Standes (wie sollte er dies verhindern - und vor allem: warum?) und jawoll - etwas eitel und selbstgefällig ist der Autor auch (soll man so kleinlich sein, ihm das anzukreiden?!?). Natürlich ist Asserate ein bisschen spießig und provoziert mehr als gelegentlich die Frage, ob das Alles noch zeitgemäß ist. Aber macht all dies den eigentlichen Wert des Buches aus? Ich sage: NEIN!
Was uns das Buch wirklich mitteilen will, ist die Beschaffenheit einer inneren Haltung und wie sie entsteht. Und dabei bietet Asserate zutiefst philosophisch-anthropologische Analysen (durchaus in kant'schem Sinne), die weit über die persönlichen Befindlichkeiten des Autors hinausweisen. Natürlich hat nun jeder Leser das Recht zu sagen, das interessiert mich nicht oder zu fragen, wie relevant diese Haltung für ihn persönlich ist. Aber eins dürfte als sicher gelten: Wer das Buch sorgfältig liest, hat sich nicht nur gut amüsiert, sondern vieles über sich und seine Lebensumstände auf eine Weise gelernt, die ihm kein anderer Autor hätte vermitteln können.
Insofern verdient das Buch selbstverständlich 5 goldene Sterne und keinen weniger!


produkt bewertung produkt bewertung produkt bewertung produkt bewertung produkt bewertung produkt bewertung  "Der Ethnologe mit dem klaren Blick", 17. Mai 2007

Zur Zeit Friedrichs des Großen stritten sich zwei adlige Damen, welcher von ihnen bei Hofe der Vortritt gebühre. Die Randbemerkung des Alten Fritz, der sich ja um alles selbst kümmerte: Die größere Närrin gehe voran."
Den beiden Damen mangelte es vielleicht nicht an Standesdünkeln wohl aber an guten Manieren. Asfa-Wossen Asserate gibt in seinem Bestseller Manieren" eine ganz einfache Antwort auf die Frage der Rangfolge: Der Höhergestellte ist immer der andere. Denn gute Manieren haben laut Asserate weniger mit äußerer Etikette zu tun als vielmehr mit innerer Haltung. In einem Interview sagte er: Jemand, der alle Benimmregeln kennt, der aber keine Herzensbildung hat, ist für mich noch lange kein Mensch mit guten Manieren."
Gute Manieren, das sind für ihn eine Mischung aus Aufmerksamkeit und Nachlässigkeit. Die ganze Aufmerksamkeit müsse dem anderen gelten. Die eigene Person hingegen sei auf jeden Fall zu vernachlässigen. Außerdem sollen die Manieren beiläufig und ohne Angeberei daher kommen. Diese Mixtur aus Anmut und Demut saugten der Adel und die alten bürgerlichen Eliten quasi mit der Muttermilch auf.
Manieren lernen, das wollten traditionell immer nur die Aufsteiger. Prinz Asfa-Wossen bezweifelt, dass das Pauken von Anstandsregeln auf dem Weg nach oben hilfreich ist - und die 68er scheinen ihm Recht zu geben. Sie sind zwar durch die Institutionen marschiert, haben dabei aber bewusst die Manieren als bourgeois auf der Strecke gelassen.
Die Kinder und Enkel der Revoluzzer aber scheinen sich wieder nach verbindlichen Regeln zu sehnen. Davon zeugt unter anderem eine fast schon groteske Fülle so genannter neuer Knigges für alle Lebenslagen.
In der Flut aktueller Titel findet man den Ess- und Tischknigge, den Japan-Knigge, den Campusknigge, den Business-Knigge, den Sex-Knigge, den Krawattenknigge - und, wen wundert's bei so viel Knigge, auch die Knigge-Fallen". Soviel Knigge in der Optik" trübt den Blick auf das, was Manieren wirklich ausmacht. Denn der unfreiwillige Namenspate all dieser Benimm-Büchlein, Adolph Freiherr von Knigge, hat als einziger in dieser Liste gar keinen Knigge geschrieben, sondern ein Buch mit dem Titel: Über den Umgang mit Menschen." Asserate teilt diese Fehleinschätzung als Manieren-Papst mit Knigge, den er als großen Mann der deutschen Aufklärung bewundert. Auch Asserate hat keine Aufzählung von Anstandsregeln verfasst. Viel eher geht es ihm bei seiner brillant geschriebenen Untersuchung der europäischen Manieren um das Herausbilden eines bestimmten Menschentypus."
Und schon gar nicht lehrt ein äthiopischer Prinz den Deutschen Mores", wie das etliche Journalisten formulierten. Erstens würde er sich das nie anmaßen, denn er hat gute Manieren. Zweitens ist er seit vielen Jahren selbst Deutscher.
Er lebt seit 1968 in Deutschland und arbeitet heute in Frankfurt als Unternehmensberater für Afrika und den Mittleren Osten. Prinz Asfa-Wossen kennt seine deutschen Landsleute so gut wie kaum ein Zweiter. Hinzu kommt bei ihm freilich der Blick eines Menschen, der in zwei Welten zuhause ist. Eine Journalistin nennt Asserate den Ethnologen mit dem klaren Blick." Tatsächlich hat er in Tübingen, Cambridge und Frankfurt neben Jura und Volkswirtschaft auch Geschichte und Ethnologie studiert. Doch anders als ein Völkerkundler betrachtet Asserate seine Studienobjekte nicht nur wissenschaftlich kühl von außen sondern auch mit Herzenswärme von innen.
Die Lektüre dieses Buches bereitet von der ersten bis zur letzen Seite reinstes Vergnügen, ist darüber hinaus ein aufklärerisches Werk im besten Wortsinn und gehört in jeden Bücherschrank.


produkt bewertung produkt bewertung produkt bewertung produkt bewertung produkt bewertung  Ein echtes Bonbon., 29. März 2007

Es sind eine genaue Beobachtung und damit intime Kenntnis der deutschen Verhältnisse nötig, um eine solch treffende Betrachtung über die Verhaltensweisen in Deutschland anzustellen. Daß dies ein äthiopischer Prinz mit einem sehr feinen Sprachgefühl getan hat, ist umso bemerkenswerter. Sehr wohltuend zu lesen, wie natürlich und selbstverständlich viele Dinge doch sein könnten, die wir gering oder gar nicht mehr achten. Umgekehrt ist es erschreckend zu sehen, wie die Umgangsformen des heutigen Berufs-Alltages die elementarsten Manieren konterkarrieren.
Im Übrigen sollte man nicht jede Empfehlung des Autors auf die Goldwaage legen wollen, zumal dann der stets durchscheinende Humor viel leichter zu genießen ist.


produkt bewertung produkt bewertung produkt bewertung produkt bewertung produkt bewertung produkt bewertung  Ein Buch für Persönlichkeiten, 18. März 2007

Mal ehrlich: Irgendwie hat das schon was. Die Welt unter funkelnden Kristalllüstern, wo der Handkuss noch zelebriert wird, wo formvollendete Höflichkeit herrscht und man an der festlichen Tafel diniert. Ach ja ... Aber dazu nötig: Manieren. Feine Leute soupieren, während die große Masse nur isst.

Anders als es der Titel des Buches vermuten lässt, hat Asserate jedoch kein Regelwerk des Verhaltens verfasst. Also nichts für Neureiche, die einen Schnellkurs in gesellschaftlichem Verhalten brauchen. Dafür ist das Buch geistig viel zu fordernd. Dem Autor geht es vor allem um eines: um das "Herausbilden eines bestimmten Menschentypus", um den "menschlichen Charakter".

Asserates Manierenstudie ist eine Reise durch die Geschichte Europas, die er mit vielen Anekdoten von selbst erlebten Situationen würzt. Er macht sich darüber auch lustig. Viele Verhaltensweisen von heute leitet er aus Mythologien der Antike und des Mittelalters her. Seine Interpretationen sind interessant, wenn auch nicht wissenschaftlich fundiert.
Die Lektüre der 370 Seiten gestaltet sich größtenteils leicht und lehrreich zugleich.

Er hat eine Hilfe zur Persönlichkeitsbildung geschrieben. Wo andere mit modernen Personality-Floskeln um sich werfen, setzt er den verstaubten Begriff der "Ehre" dagegen - und füllt ihn mit neuem Leben. Außerdem ist es angenehm, dass er sich bemüht, niemals oberlehrerhaft oder moralisierend zu wirken.


produkt bewertung produkt bewertung produkt bewertung produkt bewertung produkt bewertung  Schöngeistige, elegant intelligente Langatmigkeit in subtiler Perfektion, 21. Mai 2006

Ich konnte es ehrlich gesagt kaum erwarten, dieses von allen Seiten hoch gerühmte Werk über die Deutsche Kultur und Gesellschaftsform zu lesen und war nicht schlecht überrascht, dass mir das Lesen streckenweise und vorwiegend zu Beginn (die ersten 150 Seiten, die danach behandelten Inhalte erschienen mir einfach lesenswerter) doch merklich mühsam und teilweise sogar anstrengend erschien. Warum ist dem so? Wie nun schon 29 mal vor dieser Rezension überaus deutlich erwähnt und sogar betont, war ich mir von Anfang an im Klaren darüber, dass ich es hier mit keinem Benimmführer oder gar einem Knigge zu tun haben werde. Obwohl sich der Autor unter anderem mit folgenden, zum Teil obligatorisch erscheinenden Inhalten beschäftigt: Ehre, Aufmerksamkeit & Nachlässigkeit, die Dame, der Herr, körperliche Haltung und seelische Contenance, Mode, die Begrüßung, der Handkuss, Drucksachen und Briefe, Manieren bei Tisch, die Hochzeit sowie Blumen.
Ich nahm den Autor indes beim Wort und stellte mich auf eine vergnügliche und hoch interessante Reise in die ethnologische Entwicklungsgeschichte meines Volkes ein, wobei ich allerhand über uns und vornehmlich über das "was denken die anderen von uns" zu erfahren wünschte, ja gar innig hoffte. Ich wurde enttäuscht. Asserate, das sei zunächst ehrlicherweise gesagt (man siehe hierzu auch den Artikel der Nürnberger Zeitung), schreibt vornehmlich gerne von und über sich. Er pflegt gewiss einen wunderschönen, subtilen und in jedem Fall immerzu eleganten Schreibstil, dessen Inhalt jedoch meistens eine fatale Selbstverliebtheit durchschimmern lässt. Nicht so sehr stört mich die durchaus vorhandene Tatsache, dass Asserate in der Tat im Gros von den sogenannten oberen Zehntausend spricht. Denn wenn dies unterhaltsam, intelligent und lehrreich geschrieben ist, so soll es mir durchaus recht sein. Nein, der Autor verliert sich geradezu des Öfteren in seiner gar all zu schönen Welt und vergisst dabei, dass er doch gerade zu Beginn seines Werkes angedeutet hat, dass er in seinen Auftaktjahren in Deutschland ganz andere Seiten des Lebens erfahren und mitunter sehr genossen habe. Der überwiegende Großteil des Werkes ist, und dabei bleibe ich, allzu schöngeistige, wenn auch stets stilsichere Prosa. Wenn Asserate mit einer geradezu besserwissenden Selbstverständlichkeit über Sitten und Eigenarten anderer Länder spricht und dabei aber vergisst, dass 98% seiner Leser diese Länder gänzlich anders erlebt haben und dabei doch mit Sicherheit ein sehr reales Bild jener Kulturen erfahren durften, so stört mich das doch sehr. Nein, in der englischen Gesellschaft sind Servietten-Ringe keineswegs verpönt und leider sind die mit Lorbeerzweigen bestückten Wasserschalen zum Reinigen der Hände vor dem Mahl in Indien ebenso kein Standard. Gewiss, Asserate schreibt von den "höheren Häusern Indiens". Aber wie sehr muss ich bereit sein, ein allgemein gültiges Gesellschaftsbild zu verrücken, damit es in meine, wie schon gesagt, allzu schöngeistige Ausführung passt? Hätte der Autor zu Beginn des Buches keine derart unmissverständlich klaren Bezüge zu den realen, leibhaftig und im Generellen existenten Lebensbedingungen geknüpft, ich hätte wahrscheinlich mehr Freude am Lesen gehabt. So musste ich mich doch zu oft fragen, wen Asserates Ausführungen dieser Art wahrlich ansprechen? Mich jedenfalls überwiegend nicht. Das Werk ist definitiv zu langatmig und selten genug wahrhaftig - so meine ehrliche Empfindung. Wer schöngeistige, elegant intelligente Literatur liebt, der muss dieses Werk einfach gelesen haben. Eine leichte, unterhaltsame Urlaubslektüre zum Schmökern ist es in keinem Fall!




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