Beschreibung
Hundskrüppel, verreckter ist ein Ehrentitel, den man sich in Bayern mit harter Arbeit erwerben muss. Dadurch zum Beispiel, dass man ein plärrendes Baby mit einem Regenwurm füttert. Oder dadurch dass man Hundekot in einen Schuhkarton verpackt, mit Geschenkpapier umwickelt, dieses Gebilde in Brennspiritus tränkt (es geht aber auch jede andere Art von Brandbeschleuniger), anzündet und vor die Türe eines Unsympathen legt. Danach betätigt man die Hausglocke und geht in Deckung. Schön ist, wenn man von dort aus eine gute Sicht hat, um alles, was dann folgt, beobachten zu können. Von diesen und anderen Großtaten berichtet Gerhard Polt in seinem leider viel zu schmalen, dafür aber blendend komisch geschriebenen Erinnerungsbändchen Hundskrüppel, das eine wenn auch späte, so doch adäquate und zeitgemäße Antwort auf die Lausbubengeschichten eines Ludwig Thoma ist: Wie diese nämlich bestätigt es das gute alte Wort des Philosophen, dass im Zeitalter des Heranwachsens ein Tag ohne gelungenen Streich ein verlorener Tag sein muss. Und außerdem erfährt man noch, wie alles anfing mit dem Polt Gerhard aus dem Wallfahrtsort Altötting, und wie der Knabe zu einem der größten deutschen Komiker heranreifen konnte, als den man ihn ja nun einmal gar nicht genug feiern kann. Dass ich heute manchmal noch optimistisch bin, verdanke ich meiner Kindheit und denen, die sie mir ermöglicht haben, schreibt Polt in Hundskrüppel -- und spannt selbst den Bogen von seinen Anfängen bis hin zu seiner kabarettistischen Tätigkeit: sonst wäre ich zu meinem Leidwesen schon allzu früh erwachsen geworden, wie die anderen auch, und dann könnte ich mir alle meine Worte sparen. Diesem Dank muss man sich als Leser uneingeschränkt anschließen. Denn Hundskrüppel ist ein auf positivste Weise kindliches, ebenso naiv wie witzig-unbeschwert erzähltes Buch. --Thomas Köster
|
Kundenmeinungen
Toller Vortrag lässliche Musikintermezzi, 23. Juli 2006
Es ist nicht so klar, ob die Geschichten die Gerhard Polt hier zum Besten gibt, biografischen Ursprungs sind oder nicht. Es könnte durchaus so gewesen sein, jedenfalls handelt es sich um Lausbubengeschichten, die nicht allzu böse aber dafür um so lustiger sind. Zuzutrauen ist es ihm durchaus, dass er bei diesen Streichen mit dabei war. Es ist aber auch gar nicht wesentlich. Wichtig ist, dass die Unterhaltung über die gesamte Spielzeit des Albums gehalten werden kann, wenngleich am Ende doch einige etwas schwächere Geschichten her mussten um das Programm zu füllen.
Gerhard Polt kennt man und liebt man. Sein Vortrag ist ausgesprochen lustig, und kein Buch kann seine Stimme, Betonung und Interpunktion wiedergeben. Das spricht eindeutig für diese Version. Weniger überzeugt haben mich die Musikstücke die immer wieder, glücklicherweise nicht nach jedem, Titel zu hören sind. Es ist nun Mal so, dass Volksmusik nicht jedermanns Sache ist. Zugegeben passt Volksmusik zu der Bierzeltatmosphäre die aus diesem Livemitschnitt klar zu hören ist. Meinen Geschmack trifft aber diese Musik nicht. Dem Vortrag von Herrn Polt hingegen kann ich sehr viel abgewinnen, weshalb ich insgesamt das Werk durchaus empfehlen kann.
besinnlicher polt !, 30. Dezember 2005
Diese neue autobiographische (?) CD von Gerhard Polt bietet sogenannte Jugend- und Kindergeschichten - wobei nicht klar ist, ob diese gesammelten Streiche wirklich zu hundert Prozent autobiographisch sind; ist ja auch egal. Sie machen große Freude! Abgerundet wird diese live aufgenommene Lesung durch die vorzügliche Volksmusik der Familie Well. Diese musikalischen Intermezzi sprechen letztendlich dafür, die CD zu kaufen - und nicht das Buch!
...da legst di nieder!!!..., 4. Februar 2005
... habe gerade eine lesung des herrn aus schliersee hinter mir, das büchlein steckt quasi noch im hirn; ganze zwei stunden las der polt - vielmehr erzählte, deklamierte, formulierte, postulierte er, dass es eine gaudi war. polt ist einer der wenig wirklich großen im geschäft, der sich nicht mehr behaupten muss. im gegenteil, er kann sein haupt erhoben tragen. er weiß nicht nur zu unterhalten, sondern erwirkt das zwiegespräch mit dem geneigten zuhörer, mit dem leser. polt kann eines wie nur wenig andere: er bringt in sätzen sparsamer anzahl das wesentliche schnell auf den punkt. seine geschichten sind kurz und knackig, kein wort zu viel, keines zu wenig. alles ist darauf angelegt, der pointe nicht nur genügend raum zu geben, sondern sie auch entsprechend vorzubereiten. polt erzählt aus seiner kindheit, klassische lausbubengeschichten, regional umschrieben: altötting, schliersee, aber auch die max- vorstadt, schwabing. wer die orte kennt, hat bilder vor den augen, wer sie nicht kennt, dem werden von polt welche gemalt. und wenn dann der geruchskrieg zwischen bäckerei und fischgeschäft gar arg am laufen ist, oder wenn die türkenstraßler opfer der jungs aus der amalienburger werden, dann hört sich das nach ganz normalen geschichten an, aber sie erfahren ihre größe erst durch polts witz und charme, durch außerordentliches sprachgefühl und akzentuiertes setzen von höhepunkten. limitiert aber groß.
Lustige Lausbub-Geschichten à la Polt, 3. Januar 2005
Es ist nur ein schmaler Band von 100 großzügig gesetzten Textseiten, den Gerhard Polt da zu Papier gebracht hat - aber die haben es in sich! Bei der sehr unterhaltsamen Lektüre der kleinen Geschichten rund um Polts Kindheit und Jugend erweist sich der Erzähler als echter Lausbub und Versicherungsschreck, der damals offenbar kaum einen Streich ausgelassen hat und nun höchst kurzweilig davon berichtet. Das ist manchmal fast schon ein bißchen eklig (wenn zum Beispiel Säugling durch landestypische Kriech-Fauna zum Schweigen gebracht werden oder oder Hundekot vor Hautür abgefackelt wird), immer aber höchst amüsant und in der typischen ungestelzten, schön direkten Polt'schen Sprache geschrieben. Sehr lesenswert!
Saugut!, 12. November 2004
Gerhard Polt ist ein Genie. Das muss mal wieder in aller Deutlichkeit gesagt werden, nachdem er mit seinem Film "Germanicus" ja mehr oder weniger grandios daneben gehauen hat. Wer den Mann allerdings mal allein (oder noch besser: zusammen mit der Biermösl-Blosn) auf der Bühne erlebt hat, vielleicht noch dazu an einem Abend, an dem er saugut drauf war (denn auch der Polt hat bessere und schlechtere Abende), der weiß: In Sachen hintersinniger, beißender, mal feiner, mal grober bayerischer Satire ist dieser nun schon auf das Rentenalter sich zubewegende Schlierseer von Niemandem zwischen Zugspitze und Main zu schlagen. Schon bevor sein neues Büchlein (ja, leider: nur ein schmales Büchlein!) zu kaufen war, hat Polt daraus öffentlich gelesen. Das kann die Lektüre natürlich nicht ersetzen: Den Sound seiner Stimme und seines wunderbaren Dialektes und sein plötzlich mitten in den Text hinein donnerndes, überfallartiges Lachen, bei dem einem glatt die Luft weg bleibt... Trotzdem: Liest man seine Texte, dann können sie durchaus auch ohne seine singuläre Vortragskunst bestehen. Das sind ganz liebevolle, sprachlich oft großartig komponierte, teilweise saumäßig witzige Miniaturen, die allesamt vom kleinen Polt erzählen, dessen destruktive Phantasie noch nicht durch Überbehütung "wegdomestiziert" werden konnte. Nein, der Polt und seine Spezln waren scheinbar noch weitgehend sich selbst überlassen, erziehungsmäßig offenbar kaum negativ beeinflusst. Heutigen Pädagogen (und den damals von seinen Streichen Betroffenen) mag das ein Gräuel (gewesen)sein, aber der Leser amüsiert sich dabei königlich, hin- und hergerissen zwischen leisem Schmunzeln und schallendem Gelächter. Und man kommt nicht umhin, beglückt zu konstatieren: Saugut, Polt! Nur leider viel zu kurz!
|