Kundenmeinungen
Disappointing, 16. Dezember 2008
Entäuschendes Buch. Was ist nur mit dem Grisham von The Client, The Rainmaker, The Testament usw passiert? Meine Empfehlung: Lesen Sie einige Seiten um zu erfassen um was es sich handelt, dann gehen Sie direkt zu den letzten 70 Seiten bis zum faden Ende. Zwischendrin habe ich persönlich nichts interessantes gelesen. Die Personenbeschreibungen und der Stil sind wie immer ok. Deshalb doch 3 Sterne.
"Fiction" oder "Non-Fiction", 13. Oktober 2008
Das letzte Buch von John Grisham "THE INNOCENT MAN" war ein Tatsachenbericht, "THE APPEAL" ist ein Roman. Es hätte genauso gut umgekehrt sein können. Dieser Gedanke wird natürlich noch begünstigt durch den Umstand, dass "THE APPEAL" kein Happy End hat. Es ist aber unzweifelhaft, dass Grishams Story in diesem Roman so wahr sein könnte wie die Geschichte des "INNOCENT MAN". Grisham fleht den Leser in den "Author's note" geradezu inständig an, ihm zu glauben, dass alles, aber auch alles erfunden ist und nicht der Wahrheit entspräche.Ja, die Vereinigten Staaten sind ein zutiefst demokratisches Land; Notare, Steuerkommissäre, Sherriffs und so weiter, alle werden vom Volk gewählt. Und auch die Richter und im Fall dieses Romans die obersten Richter des Staates Mississippi.Doch was nützt es, wenn ein erstinstanzliches Gericht (Jury) Jeanette Baker, einer Frau aus Bowmore, einem verlorenen Kaff in der Nähe von Hattiesburg, 41 Millionen Dollar Schadenersatz und "punitive damages" zuspricht, weil sie durch ein unglaubliches Verbrechen eines amerikanischen Chemieunternehmens, mit einem unsäglich widerlichen und arroganten CEO an der Spitze, ihren Ehemann und den Sohn durch Krebs verloren hat. Dieses Unternehmen, die Krane Chemical, liess nämlich sämtliche vergifteten Chemikalien ins Trinwasser von Bowmore laufen. In der Folge stieg die Krebssterblichkeitsrate in diesem County um ein Vielfaches gegenüber dem Landesdurchschnitt an.Der Jury-Entscheid nützt nichts, weil der Chemiegigant bei der nächsten Ersatzwahl in den Supreme Court sich einfach einen Kandidaten kauft und eine eher liberale Richterin durch einen stockkonservativen Feld-Wald-und-Wiesen-Anwalt ersetzt, der im Übrigen juristisch ein unbeschriebenes Blatt ist. Doch das kümmert keinen. Mit den nötigen Millionen im Rücken wird eine Werbekampagne inszeniert, welche die angeblichen Volksrechte zu völligen Farce werden lässt. Mit dieser gekauften "Wahl" sichert sich Krane Chemical eine konservative Mehrheit im Mississippi Supreme Court, so dass das erstinstanzliche Urteil wieder aufgehoben wird.Armes Rechtssystem Amerikas. Nach aussen glänzend und innen korrupt und marode. Der zutreffendste Satz in John Grishams Buch, das spannend ist, aber nicht zu seinen besten gehört, ist, das das alles keine Korruption ist, denn das was wir landläufig als Korruption bezeichnen, ist eben in den USA längst legal.
Ein Blick in den Spiegel, 5. September 2008
John Grisham ist Autor. John Grisham ist Jurist. John Grisham ist Christ.In seinem Roman »The Appeal« werden alle drei John Grishams sichtbar und prägen die Lektüre. Manch einen Leser wird dies womöglich nicht recht schmecken, aber auf mich wirkte dieses Buch so, als sei es das bisher ehrlichste und persönlichste seiner Erzählwerke.Das Buch beginnt mit einem Ende. Dem Ende eines Prozesses, den eine Witwe gegen das Unternehmen führt, durch dessen sorglosen Umgang mit chemischen Abfällen nicht nur ihr Mann an Krebs erkrankt und gestorben ist, sondern eine ganze Stadt vergiftet wurde. Die Firma wird zu einer Geldstrafe von 41 Millionen Dollar verurteilt.Grisham erzählt aus wechselnder Perspektive, was nach dem Urteil und vor der Berufungsverhandlung (daher der Titel »The Appeal«) geschieht. Der Leser begleitet mal den Milliardär, der seine Firma »Krane Chemicals Co.« vor der Zahlung der enormen Geldsumme bewahren will, mal die Witwe, die nderen geschädigten Bewohner der Stadt und deren Anwälte, die, da ja Berufung eingelegt wurde, keinen Cent von den Millionen bekommen und mit dem finanziellen Ruin kämpfen, mal denjenigen, der in der Berufungsverhandlung das Zünglein an der Waage zugunsten des verurteilten Unternehmens sein soll sowie diejenigen, die für seinen rasanten Aufstieg Sorge tragen.Das Buch wird als Thriller beworben, es ist aber eher ein - allerdings durchweg spannender - Gesellschaftsroman. Ein Roman auf jeden Fall, der schonunglos aufdeckt, was nicht aufgedeckt werden will: Nicht nur die Politik ist ein schmutziges Geschäft und käuflich, das Gleiche gilt auch für das Rechtswesen. Wer die nötigen Geldmittel hat, kann - von der Öffentlichkeit unbemerkt - darauf hinwirken, dass ein Gericht die Entscheidung in seinem Sinne fällt. Krane Chemicals hat das Geld und die richtigen Berater: We target a supreme court justice who is not particularly friendly, and we take him, or her, out of the picture.So einfach ist das.Das Buch ist einerseits ein Zeugnis dafür, wie satt John Grisham die wild wuchernde Korruption in Justiz und Politik hat, andererseits verkneift er sich jegliches platte Moralisieren. Er hält dem Leser, und damit nicht zuletzt seiner Heimat Mississippi, einen Spiegel vor, ohne Wertungen abzugeben. Er schreibt als Chronist, und was er berichtet, ist dazu angetan, den Leser zumindest zu beunruhigen, wenn nicht gar eine Gänsehaut zu verursachen. Sollte Amerika wirklich so funktionieren, wie in diesem Buch? Die Antwort, die John Grisham im Nachwort gibt, ist eine doppeldeutige. All characters herein are purely fictional. Any similarity to a real person is coincidental. There is no Cary County... ...now that I have impugned my own work, I must day that there is a lot of truth in this story.Auch den christlichen Gemeinden und Kirchen hält er mehrfach einen Spiegel vor das Gesicht. In diesem Roman treten Geistliche und Laien auf, die alle meinen, Gott auf ihrer Seite zu haben. Sie können es auch samt und sonders begründen. Und dennoch stehen sie auf absolut gegensätzlichen Positionen, während die Berufungsverhandlung näher rückt.In einer amerikanischen Rezension zum Buch las ich: Who knew that the mega-best-selling Grisham wanted to be a sort of Old Testament prophet fulminating against our sins? In »The Appeal«, he pulls that off beautifully.Der Christ John Grisham scheut sich tatsächlich nicht, wie ein Prophet des Alten Testamentes Jauchegruben im eigenen Lager aufzudecken - und das ist auch gut so.Der Roman hat für mich, den juristischen Laien, noch dazu in Deutschland, einige Bestandteile, die ich zur Kenntnis nehme, ohne sie recht zu verstehen. Der Jurist John Grisham weiß sicher besser in den Paragraphen seines Landes Bescheid als ich, und ehrlich gesagt ist das juristische Dickicht auch nicht so entscheidend für die Geschichte, die er erzählt.Der Autor John Grisham schließlich zeigt sich von seiner gewohnt guten Seite. »The Appeal« ist nicht sein bestes Buch, aber es ist auch kein Durchhänger. Ich will an dieser Stelle nicht verraten, wie der Roman endet. Dies zu entdecken bleibt jedem Leser überlassen, und ich bin überzeugt, dass der Weg durch die über 350 Seiten auch für andere so spannend und mitreißend sei wird, wie er für mich war.Mein Fazit: Kein Meisterwerk, aber ein sehr gutes Buch, womöglich sogar ein sehr notwendiges Buch, weil es in der Lage ist, Augen zu öffnen. Auch wenn der Blick auf die Realität dann schmerzhaft ist.Sprachlich und erzählerisch fand ich das Buch - wie von John Grisham gewohnt - ohne Makel. In erster Linie ist und bleibt er natürlich, obwohl Jurist und Christ, Schriftsteller. Und zwar einer, der sein Handwerk beherrscht. (Ich habe das Original gelesen, inwieweit die deutsche Übersetzung gelungen ist, vermag ich nicht zu beurteilen.)
Jauchegruben aufdecken, 5. September 2008
John Grisham ist Autor. John Grisham ist Jurist. John Grisham ist Christ.In seinem Roman »The Appeal« werden alle drei John Grishams sichtbar und prägen die Lektüre. Manch einen Leser wird dies womöglich nicht recht schmecken, aber auf mich wirkte dieses Buch so, als sei es das bisher ehrlichste und persönlichste seiner Erzählwerke.Das Buch beginnt mit einem Ende. Dem Ende eines Prozesses, den eine Witwe gegen das Unternehmen führt, durch dessen sorglosen Umgang mit chemischen Abfällen nicht nur ihr Mann an Krebs erkrankt und gestorben ist, sondern eine ganze Stadt vergiftet wurde. Die Firma wird zu einer Geldstrafe von 41 Millionen Dollar verurteilt.Grisham erzählt aus wechselnder Perspektive, was nach dem Urteil und vor der Berufungsverhandlung (daher der Titel »The Appeal«) geschieht. Der Leser begleitet mal den Milliardär, der seine Firma »Krane Chemicals Co.« vor der Zahlung der enormen Geldsumme bewahren will, mal die Witwe, die nderen geschädigten Bewohner der Stadt und deren Anwälte, die, da ja Berufung eingelegt wurde, keinen Cent von den Millionen bekommen und mit dem finanziellen Ruin kämpfen, mal denjenigen, der in der Berufungsverhandlung das Zünglein an der Waage zugunsten des verurteilten Unternehmens sein soll sowie diejenigen, die für seinen rasanten Aufstieg Sorge tragen.Das Buch wird als Thriller beworben, es ist aber eher ein - allerdings durchweg spannender - Gesellschaftsroman. Ein Roman auf jeden Fall, der schonunglos aufdeckt, was nicht aufgedeckt werden will: Nicht nur die Politik ist ein schmutziges Geschäft und käuflich, das Gleiche gilt auch für das Rechtswesen. Wer die nötigen Geldmittel hat, kann - von der Öffentlichkeit unbemerkt - darauf hinwirken, dass ein Gericht die Entscheidung in seinem Sinne fällt. Krane Chemicals hat das Geld und die richtigen Berater: »We target a supreme court justice who is not particularly friendly, and we take him, or her, out of the picture.«So einfach ist das.Das Buch ist einerseits ein Zeugnis dafür, wie satt John Grisham die wild wuchernde Korruption in Justiz und Politik hat, andererseits verkneift er sich jegliches platte Moralisieren. Er hält dem Leser, und damit nicht zuletzt seiner Heimat Mississippi, einen Spiegel vor, ohne Wertungen abzugeben. Er schreibt als Chronist, und was er berichtet, ist dazu angetan, den Leser zumindest zu beunruhigen, wenn nicht gar eine Gänsehaut zu verursachen. Sollte Amerika wirklich so funktionieren, wie in diesem Buch? Die Antwort, die John Grisham im Nachwort gibt, ist eine doppeldeutige. »All characters herein are purely fictional. Any similarity to a real person is coincidental. There is no Cary County... ...now that I have impugned my own work, I must day that there is a lot of truth in this story.«Auch den christlichen Gemeinden und Kirchen hält er mehrfach einen Spiegel vor das Gesicht. In diesem Roman treten Geistliche und Laien auf, die alle meinen, Gott auf ihrer Seite zu haben. Sie können es auch samt und sonders begründen. Und dennoch stehen sie auf absolut gegensätzlichen Positionen, während die Berufungsverhandlung näher rückt.In einer amerikanischen Rezension zum Buch las ich: »Who knew that the mega-best-selling Grisham wanted to be a sort of Old Testament prophet fulminating against our sins? In »The Appeal«, he pulls that off beautifully.«Der Christ John Grisham scheut sich tatsächlich nicht, wie ein Prophet des Alten Testamentes Jauchegruben im eigenen Lager aufzudecken - und das ist auch gut so.Der Roman hat für mich, den juristischen Laien, noch dazu in Deutschland, einige Bestandteile, die ich zur Kenntnis nehme, ohne sie recht zu verstehen. Der Jurist John Grisham weiß sicher besser in den Paragraphen seines Landes Bescheid als ich, und ehrlich gesagt ist das juristische Dickicht auch nicht so entscheidend für die Geschichte, die er erzählt.Der Autor John Grisham schließlich zeigt sich von seiner gewohnt guten Seite. »The Appeal« ist nicht sein bestes Buch, aber es ist auch kein Durchhänger. Ich will an dieser Stelle nicht verraten, wie der Roman endet. Dies zu entdecken bleibt jedem Leser überlassen, und ich bin überzeugt, dass der Weg durch die über 350 Seiten auch für andere so spannend und mitreißend sei wird, wie er für mich war.Mein Fazit: Kein Meisterwerk, aber ein sehr gutes Buch, womöglich sogar ein sehr notwendiges Buch, weil es in der Lage ist, Augen zu öffnen. Auch wenn der Blick auf die Realität dann schmerzhaft ist.Sprachlich und erzählerisch fand ich das Buch - wie von John Grisham gewohnt - ohne Makel. In erster Linie ist und bleibt er natürlich, obwohl Jurist und Christ, Schriftsteller. Und zwar einer, der sein Handwerk beherrscht. (Ich habe das Original gelesen, inwieweit die deutsche Übersetzung gelungen ist, vermag ich nicht zu beurteilen.)
Trivial und fade, 5. August 2008
Grisham hat fraglos ein Talent, mich (und vielen wird es, wie sein Erfolg zeigt, nicht anders ergehen) am Lesen zu halten, wenn ich einmal mit den ersten Seiten eines Romans von ihm angefangen habe. Und das auch dann, wenn ich durchaus die Schwächen seiner Schreibe und seiner Erzählkonstruktionen erkenne. Ich möchte einfach wissen, wie es weitergeht, auch wenn ich vieles schon ahne und kommen sehe. Meistens steht dann aber am Ende der Lektüre ein Kater, oder zumindest ein schlechter Nachgeschmack. Warum habe ich eigentlich einen oder mehrere Tage meines Lebens diesen plakativen, übertriebenen Charakteren und dieser trivialen, konstruierten Geschichte gewidmet? In seinem vorliegenden Werk fand ich den Abgang besonders fade. Das Ende ist überraschend - mehr will ich nicht verraten -, aber es ist auch nur deshalb überraschend, weil der Autor den Leser zuvor in eine Sackgasse führt, aus der selbst nur durch einen billigen Trick herauskommt. Ich jedenfalls habe mir vorgenommen, dass dies mein letzter Grisham ist.
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